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Showdown in Barcelona Katalonien erklärt sich zum eigenen Staat

Auf den Straßen von Barcelona jubeln die Separatisten, in Cafés knallen Sektkorken. Nahezu zeitgleich beschließt der spanische Senat die Zwangsverwaltung der Region. Es drohen schwere Wochen im hochexplosiven Konflikt.
27.10.2017 - 18:00 Uhr 8 Kommentare

Jubelstürme in Barcelona – Madrid leitet Machtübernahme ein

Barcelona Für die katalanischen Separatisten ist der heutige Freitag ein historischer Tag. Um genau 15:30 Uhr beschließt das Parlament in Barcelona die Unabhängigkeit. Tausende Separatisten, die sich vor den Toren der Volksvertretung versammelt haben, brechen in Jubel aus, Silvesterknaller fliegen durch die Gegend. In der von buntem Rauch getränkten Luft beginnen sie, die katalanische Hymne zu singen, Els Segadors.

Keine Stunde später fällt in der spanischen Hauptstadt Madrid eine ganz andere Entscheidung: Der Senat stimmt für die Zwangsverwaltung von Katalonien. Damit übernimmt Madrid die Macht über die Region. Das Recht dazu gibt ihr der Artikel 155 der spanischen Verfassung, der besagt, dass die Zentralregierung eine Region zwingen kann, sich wieder an die Verfassung zu halten. Die Unabhängigkeitserklärung verstößt dagegen, weil die spanische Magna Charta die unteilbare Einheit des Landes vorsieht. Die überzeugten Separatisten vor dem Parlament in Barcelona trübt das jedoch nicht in ihrer Freude. „Wir sind jetzt ein eigener Staat“, sagt Silvia Pla. „Artikel 155 betrifft uns jetzt nicht mehr. Wir haben jetzt unsere eigenen Gesetze und unsere eigene Legalität.“

Sie hat sich nach der ersehnten Ausrufung der katalanischen Republik mit einigen Freunden in ein Café in der Nähe des Parlaments gesetzt. Das ist bereits voll mit anderen Nationalisten. Einige haben sich riesige Esteladas umgebunden, die Flaggen der Separatisten. „Auf die Republik“ rufen sie immer wieder und halten ihre Biergläser in die Höhe.

Plötzlich wird es ganz still. „Schtscht“ ruft jemand, und hält sein Handy in die Höhe. „Der Präsident!“. Es wird mucksmäuschenstill in dem Café, auch andere zücken ihre Handys, um die Rede des katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont hören zu können. Der ruft zur Besonnenheit auf. „Es kommen jetzt Stunden, in denen wir alle den Puls des Landes aufrechterhalten müssen. Wir müssen das in Frieden, mit Bürgersinn und Würde tun. So wie es immer war und auch künftig sein wird.“ Anschließend singen alle im Café erneut die katalanische Hymne.

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    Die Szene zeigt: Die Separatisten Kataloniens sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Der Zusammenhalt ist extrem groß, selbst unter Fremden, die in einem Café aufeinander treffen. Schon beim illegalen Referendum über die Unabhängigkeit der Region am ersten Oktober waren es Privatleute, die die Urnen in Mülltüten versteckt bei sich zuhause lagerten. Die spanische Regierung, die vollmundig versprochen hatte, das Referendum zu verhindern, konnte die Urnen so nicht aufspüren.

    Warnung an Madrid
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    8 Kommentare zu "Showdown in Barcelona: Katalonien erklärt sich zum eigenen Staat"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Danke Herr Caruso für Ihren freundlichen Kommentar. Volksabstimmungen finden in Deutschland alle 4 Jahre satt, auf Bundesebene und dazwischen immer wieder auf kommunaler, regionaler, Landesebene und dann auch noch alle 5 Jahre eine auf europäischer Ebene. Das nennt man in Deutschland übrigens Wahlen. Das ist einer der Gründe warum ich stolz bin Deutscher und Europäer zu sein. Wir haben eine stabile und funktionierend Demokratie in Deutschland, eingebettet in ein europäisches Netzwerk. Wir haben Frieden mit den Nachbarn, mit denen wir Jahrhunderte lang uns immer wieder bekriegt haben. Deutschland ist ein wohlhabendes Land, mit funktionierende Strukturen. Auch wenn nicht alles immer so funktioniert wie es so manche ewig Gestrige gerne hätten. Es is das beste was ich kenne und ich bin viel in der Welt herumgekommen. Nur wenn mal das schlechtere kennt, weiß man das Gute zu schätzen. Ich wünsch Ihnen Herr Caruso bestimmt nicht schlechtes, aber Sie sollten vielleicht in der Heimat Ihres Namensgebers leben, um das Leben in Deutschland zu schätzen.

    • ........der Mensch ist nun mal.....mit Hirn und eingebettetem Denken....Fühlen....und Empfinden.....auf die Welt gekommen....
      .....und so sollten geistige und auch körperliche Vergewaltigungen.....verboten sein.....
      .....gemeint....über die Köpfe hinweg....obige Werte.....zu mißachten.....
      ......und ihnen einen Deckel zu verpassen......den sie nicht wollen.....und nie gewollt hatten.....
      ....und so liest und hört man.....daß dieser Prozeß der Disharmonie..zwischen der Provinz + der Zentralregierung.....schon seit Jahrhunderten existiert....und von der größeren Fläche des Landes....und ihres Sitzes in Madrid....nie eine Anstrengung....der Befriedung...... unternommen wurde....
      ....so bleibt nur zu hoffen.....das ein friedlicher Ausgang gefunden wird.....bei dem sich die Katalanen wieder finden.....und die Verbände über die Wunden auf der Haut.....endlich abgenommen werden können....

    • Solange wir einen Herrn Rainer Hake haben, der bestimmt, was die Zukunft ist und was das Mittelalter, brauchen wir eigentlich keine Volksabstimmungen mehr!

      Dank seines Wissens und seiner Erfahrung weiß er, wie "lachhaft" das Verhalten des katalanischen Volkes ist. Er ist stolzer Europäer. Was es da stolz zu sein gibt, verrät er uns zwar nicht, aber wir glauben es ihm!

    • Kleinstaaterei ist nicht die Zukunft sondern Mittelalter. Nationalstolz, ja aber warum kann man nicht auch stolzer Katalane und Spanier gleichzeitig sein? Man kann Schwabe, Bayer, Sachse und trotzdem Deutscher sein und zugleich Europäer. Ich verstehe diese Separatisten nicht! Der Vorteil in einem geeinten, großen Land zu leben , mit all den Vorzügen, die das bietet ist es mir allemal Wert auch einige der Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn es denn überhaupt Nachteile sind. Eine geordnete Struktur in Wirtschaft und Recht ist um vieles besser als sich mit der Bürokratie zwischen den vielen Staaten herumzuärgern. Ich bin überzeugter Deutscher und Europäer zugleich und bin auf beides Stolz. Den Deutschen ist es noch niemals so gut gegangen wie heute. Diese Lamorjanz der Linken über die vermeintliche Armut im Lande und die Angst der Rechten vor Überfremdung ist doch einfach Lachhaft.

    • ......Peter Kastner.....kann Ihnen.....in wesentlichen Details.....Ihrer hier geäußerten Meinung nur zustimmen....
      .....es ist nun einmal so......das es heute keine Politiker mehr gibt....."aus Fleisch und Blut".....gemeint.....der gesuchte Typ....der sich mit Haut und Haaren....für die Belange der Menschen....aufopferungsvoll einsetzt...und mit ihnen zusammen eine zufriedenstellende Lösung sucht und erreicht......diesen nicht mehr gibt....
      ....ist die Politik von heute.....bürokratisiert.....man könnte auch bösartig sagen....verbeamtet.....
      .....die Vorgänge.....wie im wirklichen Leben.....nacheinander vom Aktenberg......heruntergenommen und bearbeitet werden.....
      ......der Bauch ist satt.....möglichst keine Bewegung.....die zu obigen Vorgängen vonnöten wäre......und so ist es....wie Sie richtig auch sagen.....daß es kein Wunder ist....das solche "Blüten" wie die AFD.....sich ganz rapide auf dem Acker der Politik breit machen.....weil sie Gehör finden...
      .......so ist es nun mal.......

    • Die faschistische Regierung in Spanien wird von der EU gestützt, daran wird sich nichts ändern. Die Frage ist, ob dies ausreichen wird, Selbstbestimmung und Demokratie auf Dauer unterdrücken zu können.
      Längerfristig werden die Katalanen siegen, aber es könnte sein, dass die EU vorher noch ein Blutbad anrichten wird.

    • Gratulation für soviel Freiheitswillen! Die Katalanen erfüllen alle Kriterien für eine Aufnahme in EU. Man sollte sie schnellstens aufnehmen!

      Es gibt wieder Hoffnung für Vielfalt und Freiheit in einem ansonsten ziemlich zentralistisch-sozialistischen Europa.

    • Visca Catalunya lliure! Good luck. Die EU hat sich hier nicht Ruhm bekleckert.
      Es gibt nicht EU Bürger 1. und 2. Klasse. Die EU hätte sich auch für die Katalanen einsetzen müssen, Hat sie aber nicht. Eingebunkert und gemeint, geht uns nichts an. Alle Bürger der EU sehen zu und sehen, auf wen sie im Zweifel nicht zählen können. Die EU interessiert für die Krümmung von Bananen, aber nicht für das Gemeinschaftsgefühl, den Zusammenhalt und die Befindlichkeiten ihrer Bürger.
      Kein Wunder das die Leute wie Deutschlanfd AfD wählen, in Tschechien ANO und in Österreich FPÖ.

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