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Sierens Welt Drohungen statt Kompromisse

Der US-China-Gipfel zeigt: Peking und Washington sind immer stärker aufeinander angewiesen. Das wollen beide Großmächte aber nicht wahrhaben, meint unser Korrespondent Frank Sieren. Folgenschwerer ist das für China.
24.09.2015 - 12:12 Uhr
Der chinesische und der US-amerikanische Präsident können nicht ohne einander. Eine neue Qualität der Zusammenarbeit ist nicht in Sicht. Quelle: ap
Xi Jinping und Barack Obama

Der chinesische und der US-amerikanische Präsident können nicht ohne einander. Eine neue Qualität der Zusammenarbeit ist nicht in Sicht.

(Foto: ap)

Peking Kennen Sie diesen Sesamstraßen-Sketch, in dem zwei Stuhlbeine versuchen sich gegenseitig umzukicken? So etwa ist es, wenn der chinesische Präsident Xi Jinping und US-Präsident Barack Obama sich piesacken, wie gestern beim Abendessen in Washington. Und heute beim Staatsbankett geht es wohl weiter.

Wenn Obama Xi vorhält, mit den Reformen nicht voranzukommen und mit seinen chaotischen Börsen die Welt durchzurütteln, antwortet Xi, dass das amerikanische Wirtschaftswachstum auf Pump die Welt destabilisiert. Peking könne sein Geld besser investieren, als in amerikanische Staatsanleihen.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.
Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Aber das Geld ist doch für eure amerikanischen Kunden, erwidert Obama, und die brauchen Geld. Xi kontert dann: Unsere preiswerten „Made in China“-Produkte schaffen euren Wohlstand. Und, wenn Obama damit droht, die Zinsen zu erhöhen, droht Xi damit, seine Währung abzuwerten.

Das nervt und führt zu nichts. Zusammenarbeit kann man das jedenfalls nicht nennen. Die Stimmung ist ernüchternd. Beiden wurde in diesen Gesprächen deutlicher denn je, dass es in der Weltwirtschaft keine Gesunden mehr gibt, sondern nur mehr oder weniger Kranke. Und die Kranken müssen sich gegenseitig stützen.

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    Dabei hatten Washington und Peking nach der Finanzkrise 2008 noch gehofft, die gegenseitige, verworrene Abhängigkeit sei nur ein vorübergehendes Krisensymptom. Peking war überzeugt: China würde bald wieder aus eigener Kraft heller als alle strahlen.

    Währenddessen ging man in Washington davon aus, dass die USA nach einer reinigenden Krise wieder zu alter Stärke erblühen würde, auch, wenn sich China 2008 endgültig an den Tisch der Mächtigen gesetzt hat. Und es schien ein paar Jahre tatsächlich so zu sein – wenn man nicht so genau hingeschaut hat.

    Das geht nun nicht mehr. Immer deutlicher zeichnet sich ab: Keiner strotzt mehr vor Kraft. Keiner kann ohne den anderen. Das ist die eigentliche neue Normalität. Nicht die neue Normalität Chinas, sondern die Normalität der Welt.

    Länder sind Rivalen, die es zu schwächen gilt
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