Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Sierens Welt Ein schelmisches Lächeln

Die Griechenland-Krise gibt dem chinesischen Premier Li den Raum, eine andere Europapolitik als Brüssel zu machen. Weshalb Peking vor allem mit denen spricht, die Mächtiger sind als Brüssel.
Kommentieren
Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.
Der Autor

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Peking Der chinesische Premierminister Li Keqiang schien diese Woche zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz. Seine Europareise platzt in den neuen Höhepunkt der Griechenlandkrise. EU-Präsident Jean-Claude Juncker hatte wenig Zeit, sich darüber zu freuen, dass China „bestrebt ist“, seinen Milliarden EU-Investitionsfonds (EFSI) zu unterstützen. Und ebenso wenig Zeit hatte er, sich zu ärgern, dass Li sich nicht auf eine Summe festlegen lassen wolle. Das kann man ihm angesichts des Chaos nicht verdenken.

Doch etwas mehr Aufmerksamkeit hätte Chinas Premier Li schon verdient. China ist für die Zukunft Europas im Zweifel wichtiger als Griechenland. Kein anderes wichtiges Land hat so ein großes Interesse an einem starken Europa, als geostrategisches Gegengewicht zu den USA. Kein anderes Land der Welt hat so viel Geld, um in Europa zu investieren. Und Europa ist für die Chinesen als Absatzmarkt interessant.

Deshalb betonte Premier Li, dass die Schuldenfrage, „kein rein europäisches Thema“ sei. Das kann man auch noch kürzer formulieren: Wer bezahlt, bestimmt mit. Und Peking hat andere Vorstellungen als Brüssel:  Mehr Geld für Griechenland von der EU, damit die chinesischen Investitionen Aufwind bekommen. Und ein starker Euro, der ihre Produkte billiger werden lässt.

Doch derzeit gibts kein Geld und der Euro ist schwach. Die Chinesen jammern nicht darüber. Sie machen das Beste draus und investieren in europäische Infrastruktur und europäische Unternehmen. Das passt gut zur neuen Pekinger Politik. Die eigenen Firmen, die Stubenhocker, sollen nun endlich in die Welt hinaus, wo sie sich international bewähren müssen. „Die neue Seidenstraße“, lautet das Stichwort dazu.

Gerade, weil Peking anders tickt als Brüssel lohnt es sich, das Kleingedruckte der chinesischen Europapolitik zu lesen. “China hat schon immer den Integrationsprozess unterstützt“, sagte Premier Li Keqiang. Peking hat allerdings sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Integration funktioniert.

Weshalb die Chinesen zuerst mit den Deutschen sprechen

Für Brüssel bedeutet es: mehr Macht für die Zentrale. Für Peking schwache EU-Länder stärken, indem man Geschäfte mit ihnen macht. Gerne auch, ohne sich mit Brüssel abzustimmen. Noch deutlicher formuliert: Den Chinesen geht es um den Erfolg ihrer Investitionen und um ihren Einfluss in Europa, dann erst um die Stabilität.

Deshalb sprechen die Chinesen zuerst mit den Deutschen, aber auch mit den kleinen Ländern, wie zum Beispiel Rumänien oder Ungarn, Griechenland oder Portugal. Aber auch in England sind die Chinesen aktiv. 145 Milliarden wollen sie bis 2025 investieren. Das ist das Zehnfache dessen, was China zwischen 2005 und 2013 in England investiert hat und etwa das Doppelte, was nach Deutschland ging.

Peking spricht mit denen, die Mächtiger sind als Brüssel und denen, die sich von Brüssel vernachlässigt fühlen. In diesen Ländern treffen chinesische Politiker auf die dankbarsten Geschäftspartner und auf verlässliche politische Partner, für den Fall, dass sich jemand in Brüssel mal wieder eine Rochade gegen das Reich der Mitte ausdenkt.

Man kann es Premier Li nicht verdenken, dass er selbst entscheiden will, wo sein Geld hingeht und das nicht Brüssel überlassen möchte. Doch auch Li muss die Balance halten. Seine Politik darf nicht dazu führen, dass die EU auseinanderbricht und gelähmt ist.

Denn das würde wiederum auch seinen Geschäften schaden. Deshalb spricht Li überhaupt mit Brüssel und steckt womöglich doch ein wenig Geld in den EU-Fond. „Das gegenseitige politische Vertrauen ist gestärkt“, sagt er. Das ist nicht einmal gelogen.

Das gegenseitige politische Vertrauen mit vielen einzelnen EU-Ländern ist tatsächlich stärker geworden. Das politische Vertrauen zu Brüssel ist aber schlechter denn je. Insofern hätte der  Satz eigentlich ein schelmisches Lächeln verdient.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

Startseite

Mehr zu: Sierens Welt - Ein schelmisches Lächeln

0 Kommentare zu "Sierens Welt: Ein schelmisches Lächeln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote