Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Sommer 2021 Impfungen, „Covid-frei“-Labels und Tests – Wie Europas Inseln um Sommerurlauber buhlen

Italien und Griechenland impfen jetzt schon alle Bewohner kleiner Inseln. Die teils umstrittenen Initiativen eröffnen den Kampf um die Sommersaison.
10.05.2021 - 10:41 Uhr Kommentieren
Die Mittelmeerinsel ist anders als andere Orte in Griechenland noch nicht Covid-frei. Quelle: TripAdvisor
Santorin

Die Mittelmeerinsel ist anders als andere Orte in Griechenland noch nicht Covid-frei.

(Foto: TripAdvisor)

Athen, Rom, Madrid Wie ein großes Maul öffnet sich der Golf von Neapel ins Mittelmeer – und hat drei kleine Inseln ausgespuckt: Capri, Ischia und Procida sind beliebte Reiseziele, begehrte Filmkulisse, Anziehungspunkt vor allem für betuchte Gäste.

Damit das auch in diesem Sommer so bleibt, will Vincenzo de Luca so viele Einwohner und Angestellte in der Hotellerie impfen wie möglich – und die Inseln bald für Covid-frei erklären. „Wir machen weiter und fragen niemanden um Erlaubnis, nicht in Rom, nicht in Brüssel, nicht bei der UN“, betonte der Gouverneur von Kampanien, zu dem die Inseln mit gut 95.000 Einwohnern gehören.

Auf der Online-Plattform für die Impfungen können sich auch 18- bis 69-Jährige anmelden, während auf dem Festland bislang nur die Älteren und Vorerkrankten geimpft werden. Vor allem Capri und Ischia seien „weltberühmte Marken“, die einen enormen Effekt für den Neustart des Tourismus geben würden, meinte der 71-jährige Sozialdemokrat. Ansonsten wäre eine weitere Saison verloren – und Millionen von Touristen würden stattdessen nach Spanien, Griechenland oder Kroatien fahren.

Die anstehende Sommersaison ist für Länder, die stark vom Tourismus abhängen, entscheidend für den Aufschwung. Gerade für kleine Inseln ist das Geschäft mit den Urlaubern oft der einzige Wirtschaftszweig. Italien und Griechenland impfen dort deshalb bereits die komplette Bevölkerung. Die so erreichte Herdenimmunität soll ihnen helfen, in der Sommersaison Urlauber anzuziehen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Während das in Griechenland auf breite Zustimmung stößt, ist in Italien ein Streit mit touristischen Festland-Destinationen entbrannt, die sich von der Sonderreglung benachteiligt fühlen. In Spanien sind die Hoteliers der Balearen mit ihrer Bitte nach einer Impf-Priorisierung in der Politik gleich abgeblitzt – aus ethischen Prinzipien, hieß es in Madrid. Die Vorstöße zeigen, wie vehement die Regionen nach dem verheerenden Jahr 2020 um die diesjährige Hochsaison kämpfen.

    Grafik

    Erleichtern soll das Reisen zudem ab Juni ein digitaler Impfpass in der EU. Dort werden überstandene Covid-Infektionen ebenso eingetragen wie erfolgte Impfungen. Inhaber eines solchen grünen digitalen Zertifikats sollen reisen dürfen, ohne sich an Quarantäne- oder Test-Vorschriften halten zu müssen. Auch vollständig geimpfte US-Amerikaner dürfen in diesem Sommer wieder in die EU einreisen.

    Ungeklärt ist allerdings noch die Frage, ob EU-Staaten auch künftig noch nationale Quarantäne-Vorschriften für Einreisende verhängen können. Bis das geklärt ist, bleiben niedrige Inzidenzwerte in den Urlaubsregionen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Ein Überblick über die Lage auf den Inseln in Italien, Griechenland und Spanien.

    Italien: Auf Capri, Ischia, Procida und Elba werden schon alle geimpft

    Kampaniens Gouverneur De Luca handelte sich mit seiner Initiative allerdings Kritik ein. „In einem zivilisierten Land muss der Schutz der Verletzlichen vor jedem wirtschaftlichen Interesse stehen“, hieß es von der linken Bewegung Fünf Sterne. Auch vom Festland Kampaniens kamen Proteste: Auch dort gibt es touristische Anziehungspunkte wie Pompeji am Fuße des Vesuvs oder die Amalfiküste.

    „Der Fortschritt der Impfkampagne muss auf alle touristischen Gegenden zielen“, sagte Carlo Marino, Bürgermeister von Caserta, einer Kleinstadt im Norden Neapels. Man dürfe nicht nur auf die Inseln schauen, sondern auch auf die Küste, auf die Bergregionen.

    Obwohl der Impfplan national geregelt ist, die Dosen von Rom aus prozentual nach der Größe der Bevölkerung in die Regionen geschickt werden und das Gesundheitsministerium die Impfprioritäten verordnet hat: Seit einigen Wochen preschen Regionen vor, um ihren heimischen Insel-Tourismus zu retten.

    Die Insel ist bedeutend für den Tourismus. Quelle: Reuters
    Capri

    Die Insel ist bedeutend für den Tourismus.

    (Foto: Reuters)

    Die erste Covid-freie Insel Italiens dürfte bald Procida sein, die mit rund 10.000 Einwohnern auf gerade mal vier Quadratkilometern am dichtesten besiedelte Mittelmeerinsel.

    An diesem Mittwoch begannen die Massenimpfungen, 15 Ärzte schickte Kampanien vom Festland, „von neun bis 20 Uhr wird geimpft“, erklärte Procidas Bürgermeister Dino Ambrosino im Interview mit „La Stampa“.

    Seit dem 1. Mai werden alle Bürger ab 18 Jahren immunisiert. In wenigen Wochen haben sie hier die Herdenimmunität erreicht. „Wenn wir alle geimpft sind, können wir seriös mit anderen Ländern wie Spanien oder Griechenland konkurrieren“, betont Ambrosino.

    Sizilien und Sardinien kriegen keine Sonderbehandlung

    Auch Elba will bis Ende Mai alle 32.000 Einwohner impfen. Die Insel, die zur Toskana gehört, will sich damit zum sicheren Ziel für Touristen machen. „Wir haben einen klaren Zeithorizont und hoffen, dass wir unser Ziel realisieren können“, sagte Angelo Zini, Präsident der Bürgermeisterkonferenz auf Elba.

    Die kleinen Vulkaninseln vor der Nordküste Siziliens wollen noch im Mai mit Massenimpfungen beginnen. „Bis Anfang Juni werden alle Bewohner geimpft sein“, verspricht Marco Giorgianni, Bürgermeister von Lipari, der größten der sieben Liparischen Inseln. Unterstützung bekommen die Insulaner vom Gesundheitsamt in Messina im Nordosten Siziliens.

    Die Insel Pantelleria, die näher an der Küste Tunesiens als an der Siziliens liegt, will bis Ende Mai durch sein mit den Impfungen. Einreisende will Bürgermeister Vincenzo Campo in eine freiwillige Quarantäne schicken – oder zu zwei Coronatests verpflichten: einen bei der Einreise, den anderen nach fünf Tagen.

    Und selbst die Regionen Sardinien und Sizilien, die größten Inseln Italiens, fordern von der Regierung, bei der Verteilung der Impfdosen prioritär behandelt zu werden – um frühzeitig noch mehr Impfstoff zu bekommen.

    Grafik

    Sardiniens Gouverneur Christian Solinas und sein sizilianischer Kollege Nello Musumeci schrieben vor Kurzem eine gemeinsame Erklärung an die Regierung und forderten darin, sich auf die vollständige Immunisierung der Bevölkerung beider Inseln zu konzentrieren, weil sie touristisch so bedeutsam seien und ein Garant für „die Genesung der Volkswirtschaft“. Bisher hatte ihr Aufruf allerdings noch keinen Erfolg.

    Griechenland: 69 Inseln sind bereits Covid-frei

    Auch in Griechenland folgen die großen Inseln wie Kreta, Korfu und Rhodos, Mykonos und Santorin in der Impfkampagne den Regeln, die im ganzen Land gelten. Damit gehören just diese Touristen-Magneten nicht zu den Covid-freien Inseln.

    Seit dem Wochenende werden dort wie im Rest des Landes die über 40-Jährigen geimpft. In Griechenland haben inzwischen 21 Prozent der Einwohner eine erste Impfdosis erhalten, 9,4 Prozent bereits beide Dosen.

    Ganz anders sieht das auf kleinen Inseln mit weniger als 10.000 Einwohnern aus. Die Ägäisinsel Lipsi hatte in der Pandemie schon seit jeher eine Sonderrolle: Während rund um den Erdball das Coronavirus wütete, blieb Lipsi bisher verschont. „Bei uns gab es seit Beginn der Pandemie keine einzige Infektion“, berichtet Bürgermeister Fotis Mangos. Damit das so bleibt, wurden die rund 800 Bewohner im März vollzählig gegen Covid-19 geimpft. „Jetzt freuen wir uns auf eine bessere Tourismussaison“, sagt Bürgermeister Mangos.

    Lipsi ist eine von 69 griechischen Inseln mit weniger als 5000 Einwohnern, die jetzt mit dem Prädikat „Covid-frei“ um Urlauber werben können, weil alle erwachsenen Einwohner die Impfung abgeschlossen haben.

    In Griechenland entscheidet die Regierung in Athen, wer wann und wo geimpft wird. Doch das Land steht wegen seiner Geografie bei den Impfungen vor großen Herausforderungen. „Wir haben viele kleine Inseln“, sagt Marios Themistokleous, der als Generalsekretär im Gesundheitsministerium für die Impfkampagne „Operation Freiheit“ zuständig ist. Das mache die Verteilung der sehr temperatursensiblen Vakzine zu einer logistischen Herausforderung, erklärt der Neurochirurg.

    „Wir haben uns deshalb bewusst entschlossen, auf den kleinen Inseln die gesamte Bevölkerung unabhängig vom Alter gleichzeitig zu impfen“, sagt Themistokleous. Um Impfstoffe und Ärzte zu den kleinen Inseln zu bringen, werden Flugzeuge der Streitkräfte, Rettungshubschrauber und Schnellboote der Küstenwache eingesetzt. „Diese Inseln können jetzt als Covid-frei“ gelten, so Themistokleous.

    Als erste Insel bekam dieses Prädikat bereits Ende Januar Kastelorizo, Griechenlands östliche Insel. Das nur neun Quadratkilometer große Eiland liegt 125 Kilometer östlich von Rhodos unmittelbar vor der türkischen Südküste. 90 Prozent der rund 500 Einwohner leben vom Tourismus. „Unsere Angst ist jetzt der Zuversicht gewichen“, sagt Vizebürgermeister Stratos Amygdalos.

    Auf der Insel gelten noch die gleichen Corona-Regeln wie auf dem Festland. Quelle: dpa
    Altstadt von Korfu

    Auf der Insel gelten noch die gleichen Corona-Regeln wie auf dem Festland.

    (Foto: dpa)

    Zu den Covid-freien Orten gehören Eilande, deren Namen allenfalls Griechenland-Kennern geläufig sind, wie Meganisi, Thymena oder Fourni. Auch auf der Ägäisinsel Patmos, dem wegen seiner einsamen Strände geschätzten Elafonisos und dem nur von 100 Menschen bewohnten Gavdos im Libyschen Meer, dem südlichsten Punkt Europas, sind die Impfungen bereits abgeschlossen. Im Mai sollen weitere 25 Inseln mit bis zu 10.000 Einwohnern durchgeimpft werden.

    Kontroversen wegen der vorrangigen Impfungen auf den kleineren Inseln gibt es nicht. Für eine Neiddebatte ist der Tourismus mit einem Beitrag von über 20 Prozent zur Wirtschaftsleistung für Griechenland insgesamt zu wichtig. Überdies besuchen viele Städter im Sommer gerade die kleineren Inseln. Sie freuen sich auf Covid-freie Ferien.

    Spanien: Keine Ausnahmen für die Inseln

    In Spanien erstickte die Politik dagegen eine Initiative des mallorquinischen Hotelierverbands FEHM im Keim. Der Verband hatte sich dafür eingesetzt, dass Mitarbeiter der Tourismusbranche geimpft werden, sobald die besonders gefährdeten Altersgruppen immunisiert sind.

    Die spanische Gesundheits-Staatssekretärin Silvia Calzón, stellte Mitte April bei einem Besuch in Palma de Mallorca jedoch klar: „Die nationale Impfstrategie folgt sehr robusten ethischen Prinzipien“. Das wichtigste Ziel der Regierung sei es, „dass wir alle zusammen diesen Albtraum beenden.“

    Der nationale spanische Impfplan sieht eine Impfreihenfolge nach Alter sowie die Priorisierung von besonders gefährdeten Gruppen wie Polizisten, Lehrern oder Beschäftigten der Gesundheitsbranche vor. Das Ziel ist, Ende August 70 Prozent der Bevölkerung geimpft zu haben, um damit Herden-Immunität sicherzustellen. Die Hauptsaison ist dann allerdings größtenteils vorbei.

    Der Hotelverband erklärte, man fordere nichts Unethisches, sondern nur einen Tausch des Kriteriums Alter gegen das Kriterium Kontakthäufigkeit – die bei Angestellten im Tourismus naturgemäß hoch ist.

    Für die Balearen gelten keine Ausnahmen von den Coronaregeln. Quelle: dpa
    Tourismus auf Mallorca

    Für die Balearen gelten keine Ausnahmen von den Coronaregeln.

    (Foto: dpa)

    Doch selbst die balearische Regierungschefin Francina Armengol, die ebenso wie Spaniens Premier Pedro Sánchez der Sozialistischen Partei angehört, hat in Madrid keine gesonderte Impfreihenfolge für ihre Inseln gefordert. „Wir haben auf den Balearen immer die Impfstrategie der spanischen Regierung verteidigt, die wiederum von der EU bestimmt ist“, heißt es auf Anfrage im balearischen Tourismus-Ministerium.

    Die EU-Kommission hatte den Mitgliedstaaten Beispiele für prioritäre Gruppen genannt – etwa die über 80-Jährigen -, die die Länder berücksichtigen sollten. In der Rangfolge der einzelnen Gruppen sind die Nationen aber frei. Bei kleinen Inseln mit nur wenigen Einwohnern drücken aber offenbar sowohl nationale Regierungen sowie Brüssel ein Auge zu.

    Mehr: Corona-Impfpass: So plant Europa den Sommerurlaub.

    Startseite
    Mehr zu: Sommer 2021 - Impfungen, „Covid-frei“-Labels und Tests – Wie Europas Inseln um Sommerurlauber buhlen
    0 Kommentare zu "Sommer 2021: Impfungen, „Covid-frei“-Labels und Tests – Wie Europas Inseln um Sommerurlauber buhlen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%