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Sonderverwaltungszone Wasserwerfer und Molotowcocktails: In Hongkong eskalieren die Proteste

Nach zunächst friedlichen Demonstrationen ist es am Wochenende in Hongkong zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.
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Die Demonstranten in Hongkong warfen Molotowcocktails. Quelle: LAUREL CHOR/The New York Times/R/Redux/laif
Proteste in Hongkong

Die Demonstranten in Hongkong warfen Molotowcocktails.

(Foto: LAUREL CHOR/The New York Times/R/Redux/laif)

Hongkong „Die Nacht, in der die Stadt in Flammen unterging“ – so lautet am Sonntag nach den Protesten in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong die Schlagzeile der „South China Morning Post“, darunter ein Foto einer brennenden Barrikade. Samstagnacht war es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

In der ganzen Stadt waren auch am Sonntag noch die Spuren davon zu sehen: Getrocknete Blutflecken, verbrannter Asphalt und herausgelöste Pflastersteine zeugten von den Zusammenstößen, bei denen laut Medienberichten mindestens 40 Menschen verletzt und mindestens 63 verhaftet wurden.

Die Häuser, an denen früher nie Graffitis waren, sind seit der jüngsten Nacht der Gewalt voll mit eilig hingekritzelten Botschaften gegen China, gegen die Hongkonger Regierung und gegen die Polizei. Am Sonntag randalierten einzelne Vermummte weiter, mehrere Hundert Protestierende versuchten, den Flughafen lahmzulegen.

Schon knapp drei Monate dauern die Proteste nun. Auslöser war ein geplantes Gesetz, das es ermöglicht hätte, Verdächtige an China auszuliefern. Regimekritiker fürchteten, künftig der Willkür des Pekinger Rechtssystems ausgesetzt zu sein. Inzwischen hat die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam das Gesetz zwar informell zurückgezogen, aber den Demonstranten ist das nicht genug. Sie fordern den Rücktritt Lams sowie freie Wahlen.

In der vergangenen Woche wurden prominente Aktivisten, darunter Joshua Wong und Agnes Chow verhaftet. „Wir verlieren unsere Freiheit“, fürchtet die Hongkongerin Suyi, die aus Angst vor Repressalien ihren vollen Namen nicht nennen mag. Die Hongkonger haben kein Vertrauen in ihre Regierung. Hinzu kommt die Angst, dass Peking die Rechte der Hongkonger, wie Meinungs- und Pressefreiheit beschneidet.

Gewalt auf beiden Seiten

Trotz Demonstrationsverbots gingen am Samstag Zehntausende Menschen friedlich auf die Straße. „Wir haben das Recht und die Freiheit zu demonstrieren, aber die Polizei lässt es nicht zu“, empört sich Suyi. Offiziell war die 34-jährige Suyi mit ihrer 64-jährigen Mutter Yan am Samstagmittag ins Zentrum von Hongkong gekommen, um gemeinsam mit Tausenden anderen für Carrie Lam zu „beten“ – so steht es in der Einladung, die über Messenger-Gruppen verbreitet wurden. Beten ist schließlich nicht verboten.

Die Versammlung mündete in einen Marsch. „Hongkong mach weiter!“ und „Kämpft für die Freiheit!“, riefen die Teilnehmer. Es war zunächst eine entspannte Stimmung, Helfer verteilten Wasserflaschen, boten den Mitdemonstrierenden Snacks an. Gegen Nachmittag errichteten vermummte Demonstranten an einzelnen Stellen in der Stadt Straßensperren. Die Polizei griff zunächst nicht ein. Selbst als Protestierende vor dem Haus von Regierungschefin Carrie Lam eintrafen, blieb die Lage entspannt.

Je später der Abend wurde, desto mehr stieg die Nervosität unter den Demonstranten. Immer wieder liefen Hunderte Menschen auf einmal panisch los. Immer mehr Vermummte mischten sich unter die Demonstrierenden, lösten die Stahlzäune an den Straßen aus ihrer Befestigung und errichteten Barrikaden. Am Polizeigebäude, wo Joshua Wong festgehalten wurde, setzten sie Straßensperren in Brand. Laut Gerüchten mischten sich Maulwürfe unter die Demonstranten, die die Stimmung anheizen sollten.

Vor dem Sitz des Parlaments setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein, die Vermummten warfen Molotowcocktails. Im Viktoriapark feuerte ein Polizist Medienberichten zufolge Warnschüsse in die Luft. In der Nacht stürmte eine Sondereinheit der Polizei eine U-Bahn-Station, mehrere offenbar unbeteiligte Passagiere wurden von vermummten Polizisten mit Pfefferspray besprüht. „Die Polizei schlägt willkürlich auf die Bevölkerung ein“, titelte eine große Lokalzeitung am nächsten Tag.

Kampf um Deutung

China nützen vor allem die Bilder der Gewalt, die von den Demonstranten ausgeht. In chinesischen Staatsmedien werden die Protestierenden bereits seit Wochen pauschal als chaotische Gewalttäter diskreditiert, die von ausländischen Mächten gesteuert werden. In einer E-Mail an mehrere Korrespondenten westlicher Medien, darunter das Handelsblatt, rief das chinesische Außenministerium am Samstag dazu auf, „die Wahrheit zu enthüllen“. Angehängt waren Fotos von gewalttätigen Protestierenden.

Dass die Proteste sich auf absehbare Zeit beruhigen werden, davon geht momentan niemand aus. Für diesen Montag ist schon die nächste Aktion geplant. Studierende, Schüler und Angestellte sind zum Streik aufgerufen.

Mehr: Chinas Regierung versucht mit allen Mitteln auch ausländische Unternehmen auf seine Linie zu bringen. Doch dagegen muss sich der Westen wehren. Ein Kommentar.

Schwere Zusammenstöße von Polizei und Demonstranten in Hongkong

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