Soziale Ungleichheit „Aldi Mum“ erobert britischen Wahlkampf

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Cameron verteidigt sich

Kommt der Brexit?

Vor allem die Kürzungen im öffentlichen Bereich haben Großbritannien zugesetzt. „Jedes Jahr wird alles teurer und unsere Gehälter bleiben die gleichen“, klagt Phil Birchley aus Worcester, dessen Frau für den National Health Service arbeitet. Sue Brennan, die ebenfalls in dem von den Konservativen gehaltenen Wahlkreis lebt, kauft nur noch bei Aldi ein. Das gesparte Geld müsse sie in einen neuen Boiler investieren, erzählt Brennan, deren Mann seinen Job als Polizist verloren hat.

Die radikale Sparpolitik sei nötig gewesen, um das von der Labour-Vorgängerregierung verursachte „Wirtschaftschaos“ zu beseitigen, verteidigte Cameron am Dienstag bei der Vorstellung des Wahlmanifests der Konservativen sein Vorgehen. Für den Fall einer Wiederwahl versprach er den Briten aber ein „gutes Leben“.

In den Ohren vieler Bewohner des Vereinigten Königreichs dürfte das wie Hohn klingen. Rund 913.000 Menschen waren laut dem Trussell Trust in den Jahren 2013/2014 für ihre Ernährung auf Tafeln angewiesen, 2010/2011 waren es nur 61.500. Der Trussell Trust betreibt rund 400 Tafeln, landesweit gibt es mindestens 850. Hauptursache dafür sei, dass die Preise für Lebensmittel von 2003 bis 2013 um 47 Prozent stiegen, die Kosten für Wohnraum um 30,4 Prozent, stellte eine parlamentarische Untersuchungskommission im vergangenen Jahr fest.

Cameron will die Härten nun unter anderem durch eine Steuerbefreiung für Menschen abmildern, die den Mindestlohn oder weniger bekommen. Die oppositionelle Labour-Partei verspricht unter anderem, Gas und Strom billiger zu machen. Dass dies bei weitem nicht ausreicht, dürfte allen Beteiligten klar sein.

Für wessen Rezepte sich die Wähler entscheiden, ist gut drei Wochen vor dem 7. Mai noch unklar. In Sachen Wirtschaft trauten die Wähler aber den Konservativen eine größere Kompetenz zu, sagt Gideon Skinner vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos Mori.

  • afp
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