Spätes Hilfegesuch „Portugal hat Europa in eine sehr schwierige Lage gebracht“

In Europa wächst die Angst vor einer Ausweitung der Portugal-Krise. Befeuert wird die Sorge noch durch Spekulationen über das wahre Ausmaß der benötigten EU-Hilfe. Politiker fordern einen Plan B.
Update: 07.04.2011 - 13:09 Uhr 10 Kommentare
Eine Euro-Münze: Angst vor dem Portugal-Virus. Quelle: dpa

Eine Euro-Münze: Angst vor dem Portugal-Virus.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDem hoch verschuldeten Portugal läuft die Zeit davon. Zwar hat das Land einen Hilfsantrag an die Europäische Union angekündigt. EU-Diplomaten stellten jedoch klar, dass vor Gesprächen über internationale Hilfen zunächst geklärt werden müsse, ob die Übergangsregierung das Mandat für die Verhandlungen hat. "Das ist eine Frage, die die portugiesische Regierung den Finanzministern beantworten muss", sagte ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone. Es sei "politisch nicht möglich", Hilfen vor einem ausgehandelten Rettungsplan zu gewähren.

Das kürzlich im Parlament gescheiterte Sparpaket dürfte nach Einschätzung des Diplomaten als Basis für die Hilfsbedingungen ausreichen. "Die Auflagen werden wahrscheinlich ähnlich sein wie das Sparprogramm, das im vergangenen Monat im portugiesischen Parlament zurückgewiesen wurde", sagte der Diplomat.

Portugal bittet um Hilfe

Portugal bittet um Hilfe

Portugal hat am Mittwochabend seinen Widerstand gegen ein Rettungspaket aufgegeben und einen Antrag auf Finanzhilfen aus dem Euro-Schutzschirm der Europäischen Union, der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds angekündigt.

Harsche Kritik an Portugal kam aus Schweden. Finanzminister Anders Borg kritisierte den späten Antrag Portugals. "Die hätten schon viel früher Hilfe beantragen sollen", sagte Borg. "Wir haben allen Grund für scharfe Kritik an den Portugiesen. Sie haben sich selbst und Europa in eine sehr schwierige Lage gebracht." Schon Ende 2010 hätte das hoch verschuldete Land die Hilfe beantragen müssen.

Borgs Schätzung zufolge braucht Portugal in den kommenden Monaten zwischen 15 und 20 Milliarden Euro. Ob auch Schweden Finanzhilfen bereitstelle, ließ der Minister offen. Dafür seien zunächst weitere Informationen nötig.

Die gewöhnlich gut informierte Wirtschaftszeitung "Diario Económico" schrieb in der Onlineausgabe unter Berufung auf Regierungskreise, Lissabon werde in Brüssel sogar 90 Milliarden Euro und damit fünf Milliarden Euro mehr als Irland beantragen. Das entspreche mehr als 50 Prozent des für 2011 erwarteten Bruttoinlandsprodukts des ärmsten Landes Westeuropas und sei auch der Betrag, den der portugiesische Bankenverband, die Notenbank in Lissabon und das Finanzministerium als nötig erachteten, heißt es.

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10 Kommentare zu "Spätes Hilfegesuch: „Portugal hat Europa in eine sehr schwierige Lage gebracht“"

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  • Ich lach mich tot: EU-Hilfe "total ausgeschlossen".

    Das sagen doch alle Länder die von der Pleite bedroht sind. Das war bei den Griechen nicht anders als bei den Irländern.

    siehe auch:
    http://www.start-trading.de/blog/2011/04/15/eu-hilfen-immer-das-gleiche-muster/

    Die Frage ist nur, glaubt irgendwer noch die Beteuerungen?

  • Hallo Kostas,

    nimm den Isländer nicht ernst, das ist wieder so einer der jedes Thema dazu benutzt seine ausländerfeindlichen Sachen abzuladen.

    BTW: Ohne die Geldtransfers der in DE lebenden Griechen wäre Griechenland schon eher in die Krise gerutscht. Im Gegensatz zu @Island gehen Griechen nämlich arbeiten :-)

  • @island:

    ich verstehe nicht was Du uns mit Deinem Satz sagen willst:

    "...wir haben immer noch über 350.000 Griechische Gastarbeiter bei uns..."

    Sind wir jetzt etwa auch Schuld für die Misere sowohl hier als auch in GR ?
    Sollen wir bald Angst haben vor der Tür zu gehen???

    Geia mas!

  • Und sie diskutiern wieder ins Leere.......
    Wirf dem hund einen saftigen Knochen hin.....
    Ja wie doof seid ihr denn alle ? Ihr lasst euch von diesen verlogenen Politikern und Bankstern nach Strich und Faden verarschen !!
    Meine Güte.....gibt es eine dümmere Spezies als Menschen ?????

  • Die Europäischen Staaten sind sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von Ländern der 1. Welt bis zu defacto 3. Welt. (Albanien)

    Der Versuch diese doch sehr unterschiedliche Länder durch Transferleistungen über EU-Zentrale in Brüssel anzugleichen, kann man als gescheitert ansehen.

    Der Wohlstand in den ärmeren Ländern wie Italien, Griechenland, Spanien, Portugal etc. hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten sich erhöht. Dieser Wohlstand wurde auf Kosten der „Reicheren Länder“ finanziert. (BRD, Belgien, Niederlande etc.)

    Es werden zu viele Geldmittel aus diesen Ländern abgezogen, damit wird zum einen die Binnenkonjunktur in diesen Ländern empfindlich geschwächt zum anderen fehlen diese Geldmittel für Investitionen und die Zukunftsfähigkeit dieser Länder.

    Damit werden grundsätzlich alle Europäischen Staaten geschwächt. Eine Alimentierung ist auch für das Empfangsland nicht förderlich.

    Wir unterstützen seit Jahrzehnten auch die Griechische Volkswirtschaft (9 Millionen Griechen) wir haben immer noch über 350.000 Griechische Gastarbeiter bei uns und im letzten Jahr wurden über 6 Mrd. Euro nach Athen überwiesen, über Brüssel. (Ein Großteil sind Deutsche Steuergelder)

    Die Schäden für unsere Volkswirtschaft sind unübersehbar, der Nutzen ist leider nicht sichtbar.

    Darum ist es notwendig den Euro abzuwickeln und die Nationalen Währungen wieder herzustellen. Die EU ist als Projekt gescheitert und die Reaktivierung der EFTA wird für die meisten Länder ein Segen sein.

  • Wann entscheidet eigentlich das Bundesverfassungsgericht darüber, ob der Rettungsschirm bzw unser Anteil daran sowie die jetzt erkennbare Transferunion mit unserem GG vereinbar sind? Bei Unvereinbarkeit müßte es in allen bisherigen wie künftigen Fällen zu einem gewichtigen haircut kommen....der natürlich aufgrund folgender Steuerausfälle uns auch treffen würde. Aber dies wäre dann einmalig, denn künftig dürfte es kein wie auch immer geartetes (supra-) nationales Netz mehr geben.
    Andreas Bittkau, München

  • Portugal ist als klassischer "Sozialfall" einzustufen. Das Land besitzt nicht eimnal ansatzweise profitabele Mechanismen, die zu einer Gesundung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage taugen könnten. Von daher sind alle Überlegungen und Maßnahmen fehl am Platze, die auf kreditfinanzierten Mitteln aufbauen wollen. Ohne Schuldenschnitt und Austritt aus der Währungsunion hat Portugal keinerlei Chancen, zu einem wirtschaftlichen Gleichgewicht auf niedrigstem Niveau zurück zu finden, weil steigende Schulden und bleibende Zinslasten nicht gegenfinazierbar sind. Das haben die Portugiesen selbst erkannt, deshalb wollten sie nicht vom Brüsseler "Rettungsschirm" erschlagen werden. Nun ist es passiert, zum Schanden aller Mitgliedsstaaten.

  • Die Menschen in Portugal sind genauso korrupt verladen worden wie andere Länder auch.
    Von den Bankstern.
    Von den arschkriechenden, verlogenen Politikern.
    Von dem ganzen verlogenen EU System....
    Es kracht sowieso bald gewaltig - geplanterweise !

  • Gretchenfrage würde ich es nicht nennen. Man wird sich zieren um am Ende dann doch den Geldtransfer fliessen zu lassen. Es ist ja schließlich alternativlos wie man uns vermutlich wieder wird weismachen wollen.

    Und das Spanien unter den Rettungsschirm muss ist natürlich "total ausgeschlossen". Wahrscheinlich genau so total wie es das schon bei Irland und bei Portugal der Fall war.

  • Es dürfte bei Portugal nicht so gemütlich verlaufen wie im Fall von Griechenland und Irland, denen man Sparprogramme und Steuererhöhungen als Gegenleistung abgepresst hat für Kreditzusagen.
    Die Einsparungen und Steuererhöhungen sind schon längst erfolgt, darber hinaus wird sich nichts erpressen lassen.
    Ausserdem ist Portugal im Unterschied zur Situation in Griechenland und Irland vor der Kreditstützung heute faktisch zahlungsunfähig und auch nicht mehr in der Lage, sich Kredite auf den Märkten und sogar bei den eigenen Banken zu beschaffen. Das hat die letzte, verzweifelte Auktion von Staatsanleihen unter zwandsweisem Einbezug der staatlichen Pensionskassen am 6.4.11 klar gezeigt.
    Es wird sich die Gretchenfrage der realisierten Transferunion stellen : Geldtransfers ohne Kreditcharakter,
    da Portugal faktisch insolvent ist und keine Rückzahlung der Geldtransfers - mit oder ohne Sparzusagen, die dann doch nicht eingehalten werden - garantieren kann.

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