Spanien Kampf gegen Zwangsräumungen immer dramatischer

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95 Prozent der Spanier wollen Gesetzesänderung

Die Nachbarn beschrieben die 53-Jährige, ihren Mann und den 21 Jahre alten Sohn als eine „ganz normale Familie“. Ihr Fall unterscheidet sich von dem vieler anderer Räumungsopfer darin, dass die Frau in der Krise nicht ihren Job verloren hatte. Sie arbeitete in der Personalabteilung eines Busunternehmens. Auch ihr Mann hatte eine feste Stelle. Die Wohnung sollte geräumt werden, weil die Familie einen Kredit über 200.000 Euro nicht zurückzahlen konnte.

Die Zwangsräumungen sind in diesen Tagen das beherrschende Thema in Spanien. Man spricht darüber mehr als über die Arbeitslosigkeit. Nach einer Umfrage der Zeitung „El País“ sind 95 Prozent der Spanier dafür, dass die Gesetzgebung geändert wird. Vielerorts haben sich Bürgerinitiativen formiert, die die Betroffenen in den Verhandlungen mit den Banken unterstützen. Im äußersten Fall bewachen sie die Wohnungen gemeinsam mit den Schuldnern, wenn die Banken in Polizeibegleitung anrücken um die Bewohner vor die Tür zu setzen.

Die Gerichtspräsidenten des Landes plädierten dafür, die sozialen Härten der Krise abzumildern. „Wir dürfen nicht mit dem Rücken zur Gesellschaft leben“, sagte der Gerichtspräsident von Bilbao, Alfonso González-Guija. „Die Bande vor den Augen der Justiz bedeutet Unparteilichkeit, aber nicht Unempfindlichkeit.“ Die Polizeigewerkschaft SUP sagte allen Beamten juristischen Beistand zu, die sich weigerten, an Zwangsräumungen teilzunehmen.

Die Wut der Spanier richtet sich vor allem gegen die Banken, die die Räumungsbeschlüsse erwirken. In Barakaldo wurden nach dem Selbstmord von Amaya Egaña mehrere Geldhäuser mit Graffiti wie „Mörder-Banken“ besprüht. Viele Spanier sind auf die Banken ohnehin nicht gut zu sprechen. Für die Sanierung maroder Geldinstitute muss der Staat Milliardensummen aufbringen. Und kaum jemand zweifelt daran, dass der Steuerzahler für einen großen Teil der Kosten aufkommen muss, auch wenn die Regierung dies hartnäckig bestreitet.

Einige Banken reagierten bereits auf die Welle der Empörung. Die Kutxabank gab bekannt, dass sie vorerst keine Zwangsräumungen erwirken wolle. Die Banco Popular versicherte, sie setze niemanden auf die Straße und handele mit Kunden „flexible Regelungen“ aus. Die spanische Regierung nimmt an diesem Montag mit der Opposition der Sozialisten (PSOE) Verhandlungen über eine Reform auf, die den Zwangsräumungen Einhalt gebieten soll. „Niemand soll seine Bleibe verlieren, nur weil er in Zeiten der Not eine Hypothek nicht zurückzahlen kann“, sagte PSOE-Parteichef Alfredo Pérez Rubalcaba.

 
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35 Kommentare zu "Spanien: Kampf gegen Zwangsräumungen immer dramatischer"

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  • O-Ton Handelsblatt
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    Erstens haben Sie den Beitrag NICHT editiert, und zweitens enthält er KEINERLEI Werbung.

    Was soll der Unsinn?

  • Schulden haben erst einmal nichts mit Schuld zu tun! In Deutschland aber herrscht noch immer der Irrglaube, dass Schulden was mit Schuld zu tun haben, und bestraft werden müssen. Wer will schon als Laie abschätzen können, wie viel eine Immobilie wirklich wert ist? Gutachter? Gefälligkeitsgutachten?
    In Deutschland sind auch und werden immer noch sog. Schrottimmobilien verkauft! Da sind dann eben Bank, Vermittler und ganz wichtig der Notar mit von der Partie! Auch in Deutschland haben sich Menschen schon das Leben genommen! Das System in den USA, man gibt seinen Schlüssel ab, und das war’s? Aber in Deutschland muss man ja bestraft werden! Obwohl in der Regel, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder andere Schicksalsschläge die Gründe sind, wird man in Deutschland eher bestraft, als einem geholfen!
    Wer aber stellt die Verursacher der Finanzkrise in Deutschland vor Gericht? Stattdessen werden lieber Boni für verantwortungsloses Handel gezahlt. Aber man tritt lieber nach unten und buckelt nach oben! wie man hier sehr schön an den vorangegangenen Kommentaren ablesen kann. Einfach nur noch widerlich!

  • Im Mai dieses Jahres hat in Brüssel das WDR-Europa-Forum
    stattgefunden,ganztägige TV Übertragung im WDR.Ich glaube
    zum 15.mal.In den Räumen des EU-Parlamentes.
    Zuschauer eher junge Menschen, wie vom WDR ausdrücklich
    gewünscht.Ich habe die Live-Übertragung gesehen.

    Zahlreiche bekannte Politiker und die "Stars" der TV
    Berichterstattung der ARD als Interviewer.
    Um es vorweg zu nehmen,ein Haufen heißer Luft.
    Unter körperlichen Schmerzen habe ich es bis zum Ende
    verfolgt.
    Was die Herren Schulz,Barroso,Westerwelle,Schäuble,
    insbesondere jedoch die Herren Junker und Cohn-Bendit,
    die erklärten Großeuropäer, dort verbreitet haben,ist
    jenseits der Wirklichkeit.
    Blumig vorgetragene Versionen und Visionen des "neuen"
    Europa.
    Entweder wollen sie es nicht,oder sie können es nicht begreifen,oder sie sind einfach bösartig zu erkennen,
    dass die meisten Menschen dieses Europa so nicht oder
    nicht mehr wollen.
    Losgelöst von ihrer parteipolitischen Kennung operieren
    die Herrschaften im luftleeren Raum,völlig abgehoben und
    materiell alle bestens versorgt und abgesichert,ziehen
    sie ihr Ding durch.
    Es könnte Commedy sein,was die Herren treiben,aber es ist
    einfach die bittere Wahrheit.
    Es wird Zeit, und zwar höchste Zeit,diesen Gauklern
    die Verantwortung zu entziehen,von mir aus auch unter
    Fortführung ihrer Bezüge.Das wäre es mir wert.
    Lieber ist es mir allerdings,sie an einem anderen Ort zu sehen.
    Mit etwas weniger sauberer Luft,dafür aber ein
    täglicher Spaziergang mit Freunden der eigenen Kaste.

    Alles mit angenehmem Frühstück,kostenlosem Mittagessen,
    schönem vitaminreichem Abendbrot, und gesundheitsfördernder frühen Nachtruhe.
    Und das Ganze bitte Presto.



  • An Zweitimmoblilie
    "1. Seit 1962 (!) Handelsbilanzdefizit. Seit 15 Jahren exponentiell steigend.
    2. Sehr viel höhere Eigentumsquote als in Deutschland. Der Trend ging in Spanien zur Zweitimmobilie (!).
    3. Zehntausende spanische Immobilienmakler und spanische Bankangestellte haben sehr gut an der völlig sinnlosen Bauwut spanischer Bauunternehmen verdient.
    4. Seit Einführung des Euros wurden zusätzlich massenweise Verwaltungsjobs geschaffen im Rahmen der Vetternwirtschaft.
    5. Die spanischen Regierungen haben sich an den tollen, aber überhaupt nicht nachhaltigen Kennzahlen berauscht. Kein Spanier hat die Notbremse gezogen!

    Eine fabelhafte Analyse, meinen Glückwunsch!!
    Zu Punkt 3 möchte ich noch hinzufügen:
    Als der Euro in Spanien eingeführt wurde,haben diese Leute
    einfach die Preisauszeichnung von Ihren Pesetas auf Euro umgestellt! Also eine mindestens Verdoppelung der Preise vorgenommen,praktisch über Nacht.
    Und nicht nur die spanischen Bankangestellten haben satt verdient!Das waren auch die Banken in D. und FR.Die haben
    die ganze Bauwut in ihrer grenzenlosen Gier noch massiv
    befeuert.Die EU kommt noch hinzu.Da wurde jede Menge
    "billiges" Geld rein geschoben.Am Ende ist dann diese
    riesige Blase entstanden/geplatzt und alle hätten es wissen müssen!! Jeder in der Kette hat sich die Taschen voll
    gemacht, so lange es nur irgend möglich war!!

    Zu Punkt 5 nicht nur die spanische Regierung hat sich daran
    berauscht, auch unsere! Ich habe sie noch im Ohr,die Sprüche
    der Merkel-Schäuble-Bande.Das gesabbele der EU-Spitzen,
    insbesondere H.Schulz. Sorry, aber ich kann den Kerl
    einfach nicht mehr sehen.Ich benutze immer die Fernbedienung
    sobald der Typ irgendwo auftaucht.Sonst wird mir echt übel.








  • Spanien:
    1. Seit 1962 (!) Handelsbilanzdefizit. Seit 15 Jahren exponentiell steigend.
    2. Sehr viel höhere Eigentumsquote als in Deutschland. Der Trend ging in Spanien zur Zweitimmobilie (!).
    3. Zehntausende spanische Immobilienmakler und spanische Bankangestellte haben sehr gut an der völlig sinnlosen Bauwut spanischer Bauunternehmen verdient.
    4. Seit Einführung des Euros wurden zusätzlich massenweise Verwaltungsjobs geschaffen im Rahmen der Vetternwirtschaft.
    5. Die spanischen Regierungen haben sich an den tollen, aber überhaupt nicht nachhaltigen Kennzahlen berauscht. Kein Spanier hat die Notbremse gezogen!

    Dieses absurde Kartenhaus ist nun zusammengestürzt.

    Wenn nun die spanische Regierung sagt, dass die spanischen Banken sich zurückhalten sollen, dann wird letztlich der deutsche Steuerzahler mit moralischem Druck gezwungen, die spanischen Fehler zu bezahlen. Fehler, für die er nicht verantwortlich ist. Fehler, die auch klar benannt werden müssen!

    Viele Deutsche hätten gerne wenigstens eine Immobilie. Die können sie sich aber nicht leisten. Wenn die Krise irgendwann vorbei ist, geht der "stolze Spanier" dann wieder schnurstracks Richtung Zweitimmobilie?

    Die klare Konsequenz aus diesem Spanischen Wahnsinn ist der Austritt Spaniens aus dem Euro.
    Sonst rettet sich bald die deutsche Durchschnittsfamilie zu Tode.

    Mal sehen, ob dann die spanischen Zweitimmobilienbesitzer aus Solidarität mit den Deutschen ohne zu zögern ihre Ferienimmobilie in den Europäischen Finanztopf werfen.

    Nötige Konsequenz: Euroraum verkleinern!

  • Das Problem der Zwangsräumungen besteht in allen Krisenstaaten.
    Niemand sollte sein Dach über dem Kopf verlieren, wenn der Verlust durch Arbeitslosigkeit verursacht wurde.
    Die Dummheit der Politik ist grenzenlos. Es scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass soziale Verelendung den Radikalismus fördert oder sind die Repressionsmittel des Staates und seiner Handlanger, der Banken, mittlerweile so ausgefeilt ausgebaut, um damit Millionen niederknüppeln zu können ??
    Der Weg aus diesem "Zwangsräumungselend" ist, dass der Staat durch die Gründung geeigneter Finanzierungsinstrumente für eine Übergangszeit die Raten für Kredite übernimmt, die zur Finanzierung von Wohnraum genutzt wurden und so eine Zwischenfinanzierung schafft.
    Diese Zwischenfinanzierungen können dann bei einer Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen der Betroffenen zurückgezahlt werden.
    So ganz nebenher könnte auf diese Art und Weise auch das Problem der sogenannten "faulen Kredite" in den Bankbilanzen aus der Welt geschafft oder zumindest gravierend verringert werden.

  • DIe gehe da demonstrieren, weil sie nicht mehr zahlen wollen bzw können. Als bank würde ich sagen ok, dann werden wir die Restschuld auf alle Leute mit Guthaben verteilen (inkl Zusendung, wer anteilig was bekommen hat, damit deren Schuld getilgt ist). Dann können die ja ne Gegendemo machen in der Sie ihr Geld zurück bekommen wollen. Nur so bekommt der einzelnde mal mit, wie er das Geld des "Nachbarn" verhaut...

  • Unabhängig von einem moralischen Anspruch, sollte sich letztlich jeder bewusst sein, was allein der Gedanke bedeutet, Eigentum zu erwerben ohne Gegenleistung. Es ist schon traurig, wie wenig man einem volljährigen mündigen Bürger zutrauen kann.
    Egal welche Anreize eine Bank oder ein Staat gesetzt haben mag. Entschieden hatte bisher immernoch der Bürger was er sich anschafft. Wer über seine Verhältnisse lebt hat zum Glück nirgendwo lange die Chance dazu ohne Konsequenzen. Sonst würde wohl bald jeder auch noch den Ferrari vom Amt bekommen.
    Mit Sicherheit hätte eine sozial verträglichere Lösung gefunden werden können, wie etwa zuvor genannt durch Umwandlung der Finanzierung in ein Mietverhältnis. (wenn der Schuldner, sich dies denn leisten kann)
    Zwar sind die Bankster in diesen Tagen ein beliebtes und leichtes Ziel, jedoch darf nichtwissend bezweifelt werden, dass die Bank Ihre Kunden zum überteuerten Kauf, zur Finanzierung auf 40 Jahre statt 20 Jahre oder anderen "Unmenschlichkeiten" gezwungen hat.

  • 'Paul123' sagt
    -----------------
    Auch in Deutschland ist die Verbreitung von Armutsverhältnissen auf dem Vormarsch. Menschen aus einst gut bürgerliche Gesellschaftsschichten müssen sich inzwischen Nahrung aus Mülltonnen zusammen suchen und für ein Stück Butterbrot an Bahnhofsmissionen anstehen. Interessante Doku unter nachfolgendem Link:
    [...]
    -----------------

    Für eine ausgewogene Ernährung sind 100 EUro pro Monat vollkommen ausreichend - und der Hartz Regelsatz liegt beim mehrfachen davon.

    Niemand "muß" also in Mülltonnen nach Nahrung stöbern - egal ob "aus einst gut bürgerliche Gesellschaftsschichten" oder nicht.

    Das tun nur diejenigen, die entweder notorisch nicht haushalten können oder die bewußt oder suchtbedingt andere Prioritäten bei ihren Ausgaben setzen.

    +++

    Habe selbst jahrelang von weniger gelebt, war aber immer ausreichend bis gut ernährt ohne Mülltonnenbenutzung.

    Natürlich unter eifriger Ausnutzung aller Sonderangebote sowie Kalorien- und Inhaltsstoffangaben. Für einen wissenschaftlichen Hauswirtschaftsbetrieb hat man wenigstens genug Zeit, wenn man keinen Job hat. Und in Urlaub gefahren bin ich auch - wenn auch nur Zwei-Sterne.

    Um so mehr geht mir ignorantes Gutmenschengejammere auf den Geist.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • O-Ton 'LarsLonte'
    --------------------
    Mörderische Troika-Politik zerstört Gesundheitsversorgung in ...

    www.bueso.de/node/6110
    Mörderische Troika-Politik zerstört Gesundheitsversorgung in ...
    26. Okt. 2012 ... Schon jetzt erhalten 1131 der 2900 Apotheken in Portugal wegen der ausbleibenden staatlichen Zahlungen keine Medikamente mehr geliefert ...
    --------------------

    Mörderische Troika?

    Selten so einen Schwachsinn gehört.

    Ohne die Troika wäre Portugal doch schon längst pleite.

    Und könnte dann überhaupt nichts mehr für das staatliche Gesundheitswesen ausgeben.

    Aber dem Sektenführer La Rouche - bzw. seiner Gattin - ist keine Lüge zu plump.

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