Spargesetz Neuanfang beginnt mit Krawallen

Die Innenstadt Athens gleicht einem Trümmerfeld. Während der Abstimmung über das Sparpaket hatten sich in der Nacht Demonstranten heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Griechenland ist erschüttert.
Update: 13.02.2012 - 11:06 Uhr 69 Kommentare

"Griechenland ist überfordert"

Athen / Berlin Über dem Athener Syntagma-Platz vor dem Parlament hingen dicke Wolken aus Tränengas. Vor dem griechischen Parlament hatten Demonstranten in der Nacht etliche Feuer gelegt - viele trugen Gasmasken oder hatten das Gesicht vermummt. Einige warfen Brandbomben oder Steine. Die Bereitschaftspolizei bildete eine Kette vor dem Parlamentsgebäude und setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Griechenland hat die schlimmsten Ausschreitungen seit Jahren hinter sich.

"Wir haben enorme Schäden“, sagte der Bürgermeister der griechischen Hauptstadt Giorgos Kominis im Fernsehen. Die Hauptstraßen Panepistimiou, Stadiou, die Einkaufsstraßen Athinas und Ermou und der zentrale Syntagmaplatz vor dem Parlament sahen am Montagmorgen wie ein Trümmerfeld aus. Das griechische Parlament hatte in der Nacht das neue harte Sparprogramm mit eine klaren Mehrheit gebilligt.

Das verabschiedete Gesetz sieht drastische weitere Ausgabenkürzungen vor. Die mit EU und dem IWF ausgehandelten Ausgabenkürzungen sind eine zentrale Voraussetzung für ein zweites internationales Hilfspaket von 130 Milliarden Euro. Trotz zahlreicher Abweichler war eine Mehrheit für die von Konservativen und Sozialisten getragene Regierung erwartet worden.

Die Debatte war von schweren Ausschreitungen bei Protesten in der Hauptstadt Athen und in Thessaloniki überschattet worden. In beiden Städten gab es schwere Zusammenstöße mit der Polizei. Mindestens 80 Menschen, darunter 30 Polizisten, wurden verletzt.

In Athen waren Ampeln sowie Tische und Stühle von Straßencafés von jugendlichen Randalierern mit Baseballschlägern zertrümmert worden. Mindestens 45 Geschäfte wurden in Brand gesetzt, darunter auch etliche historische Gebäude. Auch Kinos, Banken und eine Cafeteria wurden verwüstet.

Die Müllabfuhr und dutzende Mitarbeiter der Stadt arbeiteten am Morgen auf Hochtouren, um die Trümmer zu beseitigen. 45 Gebäude wurden nach Feuerwehrangaben angesteckt. Einige davon brannten völlig aus. Zahlreiche Läden und Banken wurden schwer beschädigt und geplündert, dutzende Ampeln zerschlagen. Empörte Händler standen am Morgen ratlos vor den Trümmern ihrer Geschäfte. Alle Parteien des Landes verurteilten die schweren Ausschreitungen und machten „dunkle Kreise“ für das Chaos.

Die Unruhen begannen bereits am Nachmittag
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69 Kommentare zu "Spargesetz: Neuanfang beginnt mit Krawallen"

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  • @rapid

    schon okay, da macht man mal einen billigen Scherz und da fällt einem diese heimtükische Tastatur in den Rücken.

  • @hardy

    "gute alte Zeit2. Das war wohl ein freudscher Vertipper.
    LOL

  • In der Hauptsache richtig was Sie sagen. Nur wie ist diese Konvergenz herzustellen? Mit einer Fisakalunion wohl kaum. Das sind Träumereien.
    Der Knackpunkt ist der Einheitseuro, der in einem dafür suboptimalem Währungsraum istalliert wurde. Der Einheitseuro muß zurückgeführt werden auf einen Kern-Euro und freie nationale Währungen für die Peripherie- Staaten, wenn man nicht neben dem Kern-Euro einen Peripherie-Euro haben will.
    Wie das zu bewerkstelligen wäre, ohne dass das Gesamtkonstrukt kollabiert, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
    Zuerst steht wohl der unvermeidbare Griechenland-Bankrott ins Haus. Dann wird man weiter sehen wenn Portugal Schlagseite bekommt und das Spiel seinen Fortgang nimmt.

  • @ marsconi

    Na klar, an Benken. Das ist deren Geschäft, große Summen zu finanzieren. Wer sollte denn sonst Gläubiger Griechenlands sein?

  • @Egal. Ich möchte Sie auch nicht persönlich angreifen.
    1. Niemand muss deutsche oder französische Milch kaufen. Es gibt nämlich auch Kühe in GR. Allerdings müsste man dann wieder als Bauer arbeiten – ein extrem unbeliebter Job in GR. Es hat sich in den letzten Jahren eingebürgert, für die unbequemeren Arbeiten einen Albaner oder einen Bulgaren einzustellen. Griechen waren sich meist zu schade, die arbeiten lieber im Handel, wo man sich die Hände nicht schmutzig macht. Das gilt leider oft auch für alle anderen Arten der Produktion – weshalb es in GR ja auch praktisch keine gibt. Das muss und wird sich ändern. Mit einer Vormachtstellung Frankreichs und Deutschlands hat das nichts zu tun.
    2. Warum sollte GR sich nicht wie Argentinien verhalten? Dann gingen die Banken inkl. EZB leer aus. So sehr abwegig ist doch diese Variante nicht, dass Sie sie nicht in Erwägung ziehen sollten.
    3. Alle Welt und alle Länder der EU würden sehen, dass der Euro verteidigt wird und dass es sich nicht auszahlt, ohne ausreichende Produktion mehr Schulden als nötig zu machen. Das wäre gut für den Euro und nicht schlecht.

  • ... übrigens, über 80% des Geldes von den Rettungsfonds geht an Banken, siehe:
    http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user3303/imageroot/2011/10/20111108_GREbailoutpie.png

  • @Bastian
    Durch die Entschuldung. Griechenland sollte aufhören, die Schulden zu bedienen, und das Steuergeld stattdessen dafür verwenden, die Menschen zu helfen.

  • @Eurogeddon
    "Man kann Europa nicht gegen die Interessen der 500 Millionen Menschen antidemokratisch durchpeitschen. Wer das in den Machtzentralen und Finanzmärkten immer noch nicht begriffen hat,..."
    Wieso nicht? Bisher hat der Plan das Europa der Bankster aufzubauen doch hervorragend funktioniert. Ausser ein wenig Randale in Athen und einigen spinnerten Foristen auf HB regt sich kein Wiederstand. Also volle Kraft vorraus. Die Leute arbeiten gern ein wenig mehr, wenn es sein muss auch bis 75. Wenn sie dann festellen das die Renten verzockt wurden ist das eben auch alternativlos. Der Leidensdruck ist noch laengst nicht hoch genug damit die Leute was unternehmen. Im Gegenteil, die waehlen immer noch CDUSPDGrueneFDP. Also die Schrauben noch etwas enger ziehen. Beim Steuermichel gibt es noch viel zu holen. Der zahlt gerne solange er Exportweltmeister seien darf.

  • ein Problem liegt bei Südländern darin begruendet, dass man glaubte, mit 5 Visakarten den dicken Nordeuropäer spielen zu koennen. Jetzt geht halt die Abrechnung nicht auf. Deutschland kann ruhig auf paar Prozente Exportquote verzichten, ich glaube nicht, dass der GR Patron deshalb einen chinesischen Mittelklassewagen ersteht. Bei den Mopeds stehen die chinesischen Modelle ja hoch im Kurs, einigen geht als schon die Knete aus.
    Nach dem paar Schicki-Micki Laeden Athens under fire kamen, ist es nun an der Zeit, die Proteste gezielt gegen eure Dickwaenste zu richten. Denen faellt aber zur Krisenbewaeltigung ausser byzantinische Lamentos und krank-dummer Geschichtsverfälschung nichts ein.
    Lasst die intelligente moderne griechische Jugend mal ans Ruder und begebt euch auf eure verstecktgelegenen Dritthaeuser. Hoffentlich gefaehrden euch keine Buschbrände.

  • Genau das waren die Argumente derjenigen, die man vor 12 Jahren als "Euro-Skeptiker" beschimpfte.

    Es ist der einzige Ausweg für Griechenland: Über Abwertung auf entsprechend geringerem Kostenniveau überhaupt etwas Wettbewerbsfähiges herstellen!

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