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Sri Lanka Explosionen in Sri Lanka mit 207 Toten – Verdächtige festgenommen

Am Ostersonntag sind bei Explosionen 207 Menschen getötet worden. Die Behörden vermuten extremistische Gruppen hinter den Anschlägen und haben Verdächtige festgenommen.
Update: 21.04.2019 - 22:16 Uhr Kommentieren
Sri-lankische Armeesoldaten, Polizisten und Helfer sichern nach einer Explosion in der St.-Antonius-Kirche das Umfeld ab. Quelle: dpa
Sri Lanka

Sri-lankische Armeesoldaten, Polizisten und Helfer sichern nach einer Explosion in der St.-Antonius-Kirche das Umfeld ab.

(Foto: dpa)

ColomboBei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka mindestens 207 Menschen getötet worden - darunter auch 32 Ausländer. Hunderte Menschen wurden am Ostersonntag verletzt. Verteidigungsminister Ruwan Wijewardena sprach von terroristischen Anschlägen religiöser Extremisten. Es habe sich überwiegend um Selbstmordattentate gehandelt. Laut Polizei wurden 13 Verdächtige festgenommen. Doch zunächst reklamierte niemand die Taten für sich.

Nahe des größten Flughafen des Inselstaates wurde ein weiterer Sprengsatz entdeckt. Dabei habe es sich um eine Rohrbombe gehandelt, sagte der Sprecher der Luftwaffe, Gihan Seneviratne, am Sonntag der Onlineausgabe der lokalen „Sunday Times“. Eine Patrouille habe den Sprengsatz nahe dem Flughafen Bandaranaike gefunden, er sei von Spezialkräften in einem kontrollierten Bereich unschädlich gemacht worden.

Die Mehrheit der Todesopfer waren Sri Lanker. Laut Außenministerium wurden die Leichen von mindestens 27 Ausländern aus mehreren Staaten geborgen. Von elf ausländischen Todesopfern seien die Staatsangehörigkeiten verifiziert worden. Drei Personen hätten die britische Staatsbürgerschaft, zwei die britische und die amerikanische, zwei die türkische, drei die indische und eine Person habe die portugiesische Staatsangehörigkeit.

Die USA und Großbritannien bestätigten, dass Bürger der beiden Staaten ums Leben gekommen seien. Auch eine Person mit niederländischer Staatsbürgerschaft sei unter den Toten, twitterte der niederländische Außenminister Stef Blok. Berichten zufolge kam auch eine Person mit chinesischer Staatsangehörigkeit ums Leben.

Es gab mindestens acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sprach von einer „terroristischen Attacke“ und machte Extremisten für die Bluttaten verantwortlich. Die Verantwortlichen seien identifiziert, sagte er. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre bis zum frühen Montagmorgen.

Der südasiatische Inselstaat mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hat es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. 2009 war dort ein Bürgerkrieg zu Ende gegangen.

Bei den Kirchen handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Gotteshäusern fanden gerade Ostermessen statt. Dort gab es die meisten Opfer.

Außerdem gab es Explosionen in den 5-Sterne-Hotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombio. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort der Hauptstadt Colombo mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag (Ortszeit) in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort Colombos.

Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus der Kirche in Colombo gemeldet, die übrigen fünf alle innerhalb von nur 30 Minuten.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte, die Streitkräfte und die Polizei gingen der „Verschwörung“ auf den Grund. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte trafen mehrere Minister zu einer Krisensitzung.

Minister Harsha de Silva schrieb auf Twitter, in einer Kirche in Colombo habe es „schreckliche Szenen“ gegeben. Diese sei mit Körperteilen übersät gewesen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Retter Verletzte aus einer verwüsteten Kirche trugen.

Eine 20 Jahre alte Touristin aus Dänemark, die mit drei Freundinnen in einem Hotel in Colombo untergekommen ist, sagte dem dänischen Rundfunk zur Explosion in der St.-Antonius-Kirche: „Es herrschte Chaos in der Straße, mit Menschen und Rettungswagen überall. Viele der Einheimischen haben die Straße hinunter gezeigt und gesagt, es habe eine Explosion gegeben und viele seien tot.“

Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten.

Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Die Angriffsserie stieß weltweit auf Entsetzen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem Präsidenten Sri Lankas und schrieb: „Fassungslos und voller Entsetzen verfolge ich die schrecklichen Nachrichten über die feigen Terroranschläge in Sri Lanka, bei denen so viele unschuldige Menschen den Tod fanden und viele mehr verletzt wurden.“ Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: „Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren.“ Sie fügte hinzu: „Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.“

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem „grausamen und zynischen Verbrechen“. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin äußerte sich ähnlich. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb: „Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit.“ Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez twitterte: Der Tod „Dutzender Menschen, die Ostern feierten, bringt uns zum Weinen“. Die britische Premierministerin Theresa May forderte: „Wir müssen zusammenhalten und sicherstellen, dass niemand seinen Glauben in Furcht praktizieren muss.“

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. „Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten“, schrieb das Ministerium.

„Sollten Sie auf der Insel im Osterurlaub sein, melden Sie sich bitte bei Ihren Verwandten und Freunden“, schrieb das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes auf Twitter. Die Telefon- und Internetverbindungen im Land seien überlastet. „Wenn Sie Ihre Angehörigen vor Ort erreichen wollen, versuchen Sie es mit einer SMS. Bewahren Sie Ruhe, wenn Sie nicht sofort eine Antwort erhalten und versuchen Sie es erneut“, riet das AA besorgten Angehörigen.

Mehrere Ausländer wurden bei den Explosionen in Sri Lanka getötet. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet. Quelle: AP
Explosionen in Sri Lanka

Mehrere Ausländer wurden bei den Explosionen in Sri Lanka getötet. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet.

(Foto: AP)

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden.

Sri Lankas Bürgerkrieg war 2009 nach 26 Jahren zu Ende gegangen. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Die Armee ging gegen die Aufständischen mit aller Härte vor und besiegte sie schließlich. Die UN wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

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  • dpa
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