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Staatsbesuch in Großbritannien Trump für Boris Johnson als neuen Premier und Farage als Brexit-Unterhändler

Donald Trump heizt die Stimmung vor seinem Großbritannien-Besuch auf. Er spricht sich für Boris Johnson als Premier aus und rät notfalls zum ungeordneten Brexit.
Update: 02.06.2019 - 12:58 Uhr Kommentieren
Persönlich sind sich die beiden im Jahr 2017 im Vorfeld einer UN-Generaldebatte begegnet. Quelle: dpa
Boris Johnson und Donald Trump

Persönlich sind sich die beiden im Jahr 2017 im Vorfeld einer UN-Generaldebatte begegnet.

(Foto: dpa)

London US-Präsident Donald Trump mischt sich mal wieder in die britische Politik ein. Vor seinem dreitägigen Staatsbesuch im Königreich gab er am Wochenende Empfehlungen zum Brexit ab und sprach sich für Boris Johnson als nächsten Premierminister aus. Obendrein riet er der Regierung dazu, den Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, zum Brexit-Unterhändler zu machen.

In zwei Interviews in der „Sun“ und der „Sunday Times“ sagte Trump, dass Johnson einen exzellenten Premierminister abgeben würde. „Er würde einen guten Job machen“, sagte er. „Er hat sich sehr positiv über mich und unser Land geäußert.“

Voll des Lobes war er auch über den Rechtspopulisten Farage, dessen Brexit-Partei gerade stärkste Kraft bei den Europawahlen geworden war. „Ich mag Nigel sehr. Er hat eine Menge anzubieten“, sagte Trump. Leider wolle die britische Regierung ihn nicht am Verhandlungstisch in Brüssel. „Stellen Sie sich mal vor, wie gut ihnen das täte, wenn sie ihn holten“, sagte Trump.

Der US-Präsident betonte, Großbritannien müsse den Brexit noch dieses Jahr durchziehen. „Sie müssen es hinbekommen. Sie müssen den Deal abschließen“, sagte er. Zur Not müsse das Land ohne Vertrag aus der EU ausscheiden. „Wenn sie nicht bekommen, was sie wollen, würde ich gehen“. Trump fügte hinzu, dass er dann auch die Ausstiegsrechnung von 39 Milliarden Pfund nicht zahlen würde.

Trump setzt sich über Diplomatie-Regeln hinweg

Als ausländischer Staatsgast mischt man sich eigentlich nicht in die innenpolitischen Angelegenheiten des Gastgeberlandes ein. Doch um diplomatische Gepflogenheiten hat sich Trump noch nie geschert. Auch inhaltlich kommen seine Einlassungen nicht überraschend. Es ist bekannt, was er über den Brexit denkt und dass er Johnson und Farage schätzt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte er vor einem Arbeitsbesuch in Großbritannien Johnson als Premierminister empfohlen. Damals war die Provokation noch größer, weil Johnson gerade erst aus Protest gegen Theresa May als Außenminister zurückgetreten war.

Trumps undiplomatische Intervention heizt die Stimmung schon auf, bevor er am Montag den Staatsbesuch bei Queen Elizabeth II. beginnt. Der US-Präsident wird mit der Königin Mittag essen, nachmittags gibt es Tee mit Prinz Charles und abends ein Staatsbankett im Buckingham-Palast.

Am Dienstag trifft er Premierministerin Theresa May, die ihren Rücktritt extra auf Freitag verschoben hat, damit sie vorher noch Trump empfangen kann. Am Mittwoch schließlich nimmt Trump an der Feier zum 75. Jahrestag des D-Day im englischen Hafen Portsmouth teil.

Trumps Staatsbesuch spaltet das Land

Der dreitägige Staatsbesuch spaltet das Land. Am Dienstag wird es eine Massendemo in London geben, zu der Hunderttausende erwartet werden. Die Chefs der drei größten Oppositionsparteien Labour, SNP und Liberaldemokraten, boykottieren das Staatsbankett mit dem US-Präsidenten. Sie halten die Einladung für einen Fehler. Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan verglich Trump am Sonntag im „Observer“ mit den Faschisten des 20. Jahrhunderts.

Während die Opposition den US-Präsidenten meidet, wird spekuliert, dass Trump Johnson und Farage treffen könnte. In den beiden Brexit-Wortführern erkennt der „America First“-Nationalist Brüder im Geiste.

Brexit-Fan Trump erinnerte daran, dass der EU-Ausstieg den Weg für ein bilaterales Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA freimache. Dann könne das Königreich mit der „Nummer Eins“ in der Welt handeln, sagte Trump der „Sunday Times“. „Wir handeln bisher sehr wenig mit Großbritannien verglichen mit dem, was möglich wäre.“ Er versprach, sich persönlich für ein schnelles Handelsabkommen einzusetzen. „Wir könnten es sehr, sehr schnell abschließen.“

Johnson dürfte Trumps Aussagen als Beweis zitieren, dass er der beste Kandidat im Rennen um den Tory-Parteivorsitz und damit das Amt des Premierministers ist. Ein guter Draht zum US-Präsidenten gilt schließlich als wesentlicher Faktor, um in Washington etwas zu erreichen. Die Nähe zu Trump könnte im parteiinternen Auswahlverfahren jedoch auch negativ auf Johnson zurückfallen. Der Eindruck, sich zum Pudel der USA zu machen, kann vernichtend sein.

Mehr: Alle gegen Boris – In London tobt der Kampf um die May-Nachfolge. Lesen Sie hier vom Hauen und Stechen der Nachfolge-Kandidaten für das Amt des Premierministers.

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