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Donald Trump und Shinzo Abe

Japans Premier ist der engste ausländische Vertraute des US-Präsidenten.

(Foto: AP)

Staatsbesuch Treffen zwischen Trump und Abe: Mission Männerfreundschaft

Japans Regierungschef Abe hat sich als Trumps engster ausländischer Vertrauter etabliert. Doch die Männerfreundschaft führt nur teilweise zu Erfolgen.
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TokioHerbst 2018 in einem Büro im Herzen Tokios. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat einige Diplomaten und Vertreter des nationalen Sicherheitsrats zu einer geheimen Sitzung zusammengerufen. Auf der Tagesordnung steht ein Brainstorming für den bevorstehenden Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump, der nun am Samstag beginnen wird.

„Ich würde gerne gute Ideen entwickeln, um Präsident Trump in gute Laune zu versetzen“, lautet Abes Arbeitsauftrag nach der Erzählung der Zeitung Mainichi. Und das Team Abe strengt sich an. Das Programm ist ganz darauf ausgelegt, den Besuch durch vorzüglichste Sonderbehandlung zu einem unvergesslichen Erlebnis für Trump zu machen.

Ihren Reigen eröffnen Abe und Trump am Sonntagmorgen mit ihrer fünften Golfpartie. Danach wird Trump als erster US-Präsident beim Sumo-Ringen einen eigenen Pokal überreichen, bevor er mit Abe in einer japanischen Grillstube dinieren wird. Der absolute Höhepunkt ist die erste Audienz des neuen Kaisers Naruhito, eine Ehre, die Japan nur einmal zu vergeben hat.

Damit knüpft Abe nahtlos an die Charmeoffensive an, die er gleich nach Trumps Wahlsieg im November 2016 zur Chefsache erklärt hatte. Bereits eine Woche nach dem Sieg reiste er nach New York, um Trump als erster ausländischer Regierungschef persönlich zu gratulieren. „Abes Kampfstrategie ist außergewöhnlich,“ meint der Verhandlungsexperte Michael Bosack, der an der International University of Japan internationale Beziehungen lehrt. Der Japaner setze nicht auf Konflikt, sondern versuche, sich als enger Vertrauter Trumps zu positionieren.

Mit dieser Männerfreundschaft will er bewirken, bei Attacken auf Handelspartner und Alliierte vielleicht eine etwas mildere Behandlung herausschlagen zu können. Nicht einmal nach kritischen Tweets Trumps, die Japan wie Deutschland wegen hoher Handelsbilanzüberschüsse als Schurken anprangerten, übte Abe öffentlich Kritik. Im ersten Jahr von Trumps Amtszeit telefonierte er öfter mit dem US-Präsidenten als während der letzten vier Jahre von Barack Obama.

 

Loyalität als Mittel des Widerstands 

In Japan fällt Abes Anschmiegsamkeit durchaus nicht immer positiv aus. „Abe ist immer noch in der Position eines loyalen Hundes“, meint der politische TV-Kommentator und US-Experte Yoshio Hotta, „das hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht geändert.“

Aber wie seine Vorgänger mimt er seine Rolle wahrscheinlich weniger aus innerer Überzeugung als aus nationalem Pflichtgefühl. Denn unter allen US-Freunden und -Feinden, die Trump attackiert, ist Japan in einer besonders verletzlichen Stellung. Schließlich hat Trump Fragen der Handelspolitik und der Militärallianz eng miteinander verbunden.

Japan war neben China, Mexiko und Deutschland schon im Wahlkampf eines der liebsten Opfer trumpistischer Verbalattacken. Einmal im Amt, setzte er seine Drohungen dann auch prompt in die Tat um. Zuerst zog er sich umgehend aus dem multilateralen transpazifischen Freihandelsabkommen zurück, das Obama zur Eindämmung Chinas angeschoben hatte und das Abe daher extrem wichtig war.

2018 verhängte er Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Japan. Zudem drohte er auch Japan mit 25-prozentigen Einfuhrzöllen auf Autos, um Abe zu bilateralen Handelsgesprächen zu zwingen.

Die Angriffe zeigen Wirkung: Wie China und die Europäische Union verhandelt nun auch Japan mit den USA über Maßnahmen, seinen hohen Handelsbilanzüberschuss zu senken. Und Trump drängt auch hier auf einen schnellen Abschluss der Gespräche.

Gleichzeitig fühlt sich Japans Regierung aus sicherheitspolitischen Erwägungen nicht in der Lage, sich handelspolitisch ebenso kritisch und hart gegen die USA und Trump zu äußern wie es in Europa hin und wieder üblich ist. Denn anders als Trumps europäischer Lieblingsgegner Deutschland hängt Japans Sicherheit nicht von vielen Bündnispartnern, sondern allein von der Schutzmacht USA ab. 

Schlimmer noch: Mit Trump ist nun das Horrorszenario der japanischen Militärstrategen wahr geworden, die sich immer mehr Sorgen über Chinas Aufrüstung machen: Der US-Präsident will höhere Beteiligungen Japans an den Stationierungskosten der rund 50.000 US-Soldaten durchsetzen und spielt kaum verhohlen mit der Reduzierung von US-Truppen. Mit dem Staatsbesuch wolle Abe daher nicht nur seine Beziehung mit Trump festigen, meint der amerikanische Experte Bosack, der früher im Japan-Hauptquartier der US-Streitkräfte für das Allianzmanagement mit zuständig war. „Er will eine einmalige Beziehung zu Trump demonstrieren, die auch die Entscheidungen in der Allianz beeinflusst.“

Teilerfolge für die Mission Männerfreundschaft

Die offene Kritik an Trumps Zolldrohungen delegiert Japans Regierungschef derweil an die Industrieverbände, allen voran den der Autohersteller (JAMA). Verbands- und Toyota-Chef Akio Toyoda erklärte am Dienstag, dass sein Verband bestürzt über die Einstufung der Autoimporte als nationales Sicherheitsrisiko sei. Die suggeriere, dass das die langjährigen Beiträge der japanischen Autobauer für Investitionen und Beschäftigungen nicht willkommen seien, so Toyoda.

Japans Autobauer beschäftigen 93.000 Amerikaner. Und Toyota hat gerade erst angekündigt, sein weiteres Investitionsprogramm in den USA um 30 Prozent auf 13 Milliarden US-Dollar anzuheben. Hinter verschlossenen Türen leisten Japans Unterhändler allerdings hartnäckigen Widerstand.

Ob Abes Avancen allerdings besser wirken als offener Widerstand, ist noch offen. Ganz ausschalten lässt sich der Faktor Trump nicht, gesteht Experte Bosack zu. „Aber es gibt Anzeichen, dass die guten Beziehungen zwischen Abe und Trump sich positiv auswirken.“

Handelspolitisch hat Trump offenbar eingewilligt, dass die Verhandlungen erst nach Teilwahlen zu Japans Oberhaus im Juli beschleunigt werden. Handfeste Ergebnisse werden daher in dieser Frage auf diesem Gipfel nicht erwartet.

Einige Experten meinen sogar, dass Trump Japan letztlich mehr Konzessionen als Europa einräumen könnte. Denn immerhin hat Japan bereits seine Rüstungsimporte aus den USA auf 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2019 mehr als verzehnfacht, um Trump ein Zeichen zu geben, es mit der Senkung des Handelsbilanzüberschusses ernst zu meinen. Auch Japans Unterhändler behaupten, dass die in Japan gefürchteten Exportquoten für Autos nicht Teil der Verhandlungen seien.

In der Nordkorea-Politik spricht Trump in Treffen mit Nordkoreas Führer Kim Jong-un die Frage von entführten Japanern immer wieder an und trifft sich auch jetzt wieder mit den Familien entführter Japaner. Das ist eine starke innen- wie außenpolitische Rückendeckung für Abe. Und auch im US-chinesischen Handelskonflikt, der Japans Exportindustrie stark trifft, könnte Japan einen kleinen Nutzen aus Abes enger Beziehungen zu Trump schlagen, meint Bosack. „Wenigstens wird Japan frühzeitig über US-Entscheidungen informiert.“

Eine große Sorge bleibt jedoch: Trumps Unpopularität. In einem Land wie Japan, das viel Wert auf Höflichkeit und Formen legt, fällt die Rüpelhaftigkeit des U-Präsidenten besonders negativ auf. Wenn sich Trump nun beim Sumo oder gar beim Treffen mit dem kaiserlichen Ehepaar ungebührlich verhält, könnte eine Welle der Empörung auch Abes Mission Männerfreundschaft schaden.

Mehr: Bei der Krönung des neuen japanischen Kaisers Naruhito, war auch Premier Abe anwesend. Dabei hat sich gezeigt: Einigkeit zwischen beiden Lagern ist schwierig.

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