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Staatspräsident warnt Stürmen die Griechen ihre Banken?

Die chaotische politische Lage in Griechenland hat ernste Konsequenzen - immer mehr Griechen heben aus Angst vor der Zukunft ihr Geld von den Banken ab. Jetzt reagiert die Europäische Zentralbank..
Update: 16.05.2012 - 11:38 Uhr 74 Kommentare
Um die griechischen Banken ist es schlecht bestellt. In der Krise heben viele Sparer ihr Geld ab. Quelle: dapd

Um die griechischen Banken ist es schlecht bestellt. In der Krise heben viele Sparer ihr Geld ab.

(Foto: dapd)

Athen Die zerfahrene politische Lage in Griechenland stürzt die Griechen nach den Worten von Staatschef Karolos Papoulias in tiefe Unruhe: Am Montag seien 700 Millionen Euro von den Banken des Landes abgehoben worden, berichtete Papoulias am Dienstag unter Berufung auf Staatsbankchef Georgios Provopoulos. Der Staatsbankchef habe ihm erklärt, dass die Lage der Banken "sehr schwierig" und das Banksystem "derzeit sehr schwach" sei.

Provopoulos habe ihn gewarnt, dass die Lage sich in den nächsten Tagen noch verschärfen werde. Derzeit bestehe zwar noch keine Panik, "doch es bestehen viele Ängste, die in Panik umschlagen könnten", sage Papoulias. Die gescheiterten Versuche zur Regierungsbildung in Griechenland hatten Sorgen über die Zukunft des Landes in der Eurozone ausgelöst. Im Juni soll es Neuwahlen geben.

Die EZB refinanziert die griechischen Banken entgegen anders lautender Medienberichte weiter. "Wir unterstützen die Banken Griechenlands weiterhin", sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch zu Reuters. Er widersprach damit einem Artikel in der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad". Die Zeitung hatte berichtet, die EZB sei zu der Überzeugung gekommen, dass die Insitute in einem zu schlechten Zustand seien, um weiterhin Geld aus Frankfurt zu bekommen.

Griechenlands Geld reicht noch bis Mitte Juni

Die griechischen Banken nehmen wie alle anderen Geldhäuser in der Euro-Zone an den regelmäßigen Refinanzierungsoperationen der Notenbank teil. Zusätzlich erhalten einige der Banken Geld direkt von der griechischen Notenbank, weil sie wegen der Vertrauenskrise keinen Zugang mehr zum Interbankenmarkt haben und sich dort nicht mehr mit Liquidität versorgen können.

Papoulias wollte mit seiner Warnung wohl deutlich machen, wie ernst die Lage sei. Allerdings zeigte sich der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, wenig beeindruckt. „Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld ausfließt. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verloren gegangen“, zitierte die griechische Presse Tsirpas' Reaktion. Er meinte, die dramatische Beschreibung der Situation werde ihn nicht dazu bewegen, mit den Konservativen und den Sozialisten zu kooperieren.

Seit Monaten heben Griechen hohe Summen an Bargeld ab oder überweisen Erspartes auf ausländische Konten. Sie befürchten, dass die Banken zusammenbrechen könnten oder das Geld bei einer Umwandlung in die alte Währung Drachme stark an Wert verlieren würde.

Nach dem Scheitern aller Gespräche über eine Regierungsbildung muss im pleitebedrohten Griechenland neu gewählt werden. Als wahrscheinlicher Wahltermin gilt der 17. Juni. Am heutigen Mittwoch soll über die Bildung einer Interimsregierung beraten werden. Die Finanzmärkte reagierten am Dienstag schockiert auf die Nachrichten aus Athen.

Beobachter gehen davon aus, dass bei Neuwahlen extrem linke und rechte Parteien weiter erstarken könnten. Aus der Abstimmung am 6. Mai war die linksradikale Syriza von Alexis Tsipras als zweitstärkste Kraft nach konservativer Nea Dimokratia und vor sozialistischer Pasok hervorgegangen. Tsipras will trotz drohenden Staatsbankrotts das Sparprogramm des Landes auf Eis legen.

Beobachter sprechen von einer Schicksalswahl. Damit werde die Zukunft des Landes auf Jahrzehnte hinaus bestimmt. Angesichts der finanziellen Turbulenzen gehe es auch um Euro oder Drachme, die alte Währung.

Staatspräsident Papoulias warnte, dass Griechenland dringend eine neue arbeitsfähige Regierung benötige, um einen Staatsbankrott abzuwenden. Ohne internationale Hilfen ist das Land Ende Juni pleite.

Es geht um den Euro, um alles oder nichts
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74 Kommentare zu "Staatspräsident warnt: Stürmen die Griechen ihre Banken?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 1 Milliarde bei 10 Millionen Einwohnern. Macht ganze 100 Euro. Wahnsinn, da kann man ordentlich auf den Putz hauen. Du Genie.

  • Das Abheben der Spareinlagen - einhergehend mit liquiditätsersetzenden EZB-Zahlungen ist eine tolle Geschäftsidee. Darauf muß man erst mal kommen! Die Griechen (zuerst die Vermögenden, jetzt die Kleinsparer) bringen ihr Vermögen in Sicherheit: die Resteuropäer leisten ersatzweise Zahlungen, deren Rückzahlung der nächste, wohl unvermeidlichen Schuldenschnitt überflüssig macht. Es scheint, die Volkswirtschafts- und Bankenlehre wird gerade neu erfunden. Bestandteil dieser Erfindungen sind die Ermächtigungspargraphen 32, Abs 4 und 35 Abs. 1 des ESM-Vertrags. Kurzlebige Erwartung betreffend Europa verstellen zunehmend den Blick für Herausforderungen der globalen Wirtschaft. Ursprünglich sollte der Euro gerettet werden; Aktionismus verbreitet aber Endzeitstimmung und ersetzt gut durchdachte Gesamtstrategien nicht.

  • Beinahe 1 Milliarde haben die Griechen heute von ihren Konten abgehoben! Schon bemerkenswert dafür, dass angeblich ja jeder Zweite am Hungertuch nagt und nicht mal seine Kinder erhähren kann! ...

  • Mir erscheint die ganze Meldung mit den abfließenden Geldmitteln in GRE schlecht recherchiert, zumindest missverständlich dargestellt. Auf reuters.de (die der Artikel ja auch als Quelle angibt) wird berichtet, dass »bis Montag [also nicht: am Montag] 800 Mio. Euro von den Banken abgehoben worden« seien. Am ehesten hat meines Wissens nach bloomberg.com darüber berichtet, da ist noch von 700 Mio. die Rede.

    Zuerst bliebt unklar, in welchem Zeitraum die 700 Mio. abgezogen wurden: Innerhalb eines Jahres, eines Monats, einer Woche?

    Und zweitens ist es doch zu erwarten, dass die Griechen jetzt an ihr Erspartes rangehen: Die Gehälter sinken und die Arbeitslosigkeit nimmt zu, die finanziellen Verpflichtungen (Mieten, Versicherungen, Lebensmittel usw.) bleiben aber für die Leute erst einmal gleich. Es wäre also sehr wundersam, wenn die Guthaben der Sparer nicht sinken würden. Wäre dies der Fall, welcher „Shitstorm“ würde dann in allen Internetforen über die Griechen losbrechen?

    Und ist das nicht gewollt, dass die griechische Bevölkerung zuerst einmal seine Reserven verbraucht? Auf bloomberg.com von heute morgen wird Präs. Papoulias so zitiert: »Provopoulos [der Notenbankchef] told me that of course there’s no panic but there’s great fear which can evolve into panic«. Und Bloomberg meldet auch: »Banks in downtown in Athens were open as normal today with no signs of unusual activity.«

    Bisher gibt es also keinen Beleg für eine Art „Bankenrun“. Die Frage stellt sich aber vielleicht, wer daran ein Interesse haben könnte, derartige Hoax-Meldungen in Umlauf zu bringen.

  • Der gigantische Kapitalexport Deutschlands in die Peripherieländer hat zu einer gigantischen Fehlallokation geführt, die Deutschland nun finanzieren darf. Wo ist da der Vorteil? Im Aufwertungsszenario wären die Zinsen weit tiefer gewesen, was Investitionen im Inland gefördert hätte. Bei einer Auifwertung wären die terms of trade exterm besser, was sofort positiv auf die Realeinkommen durchschlägt (niedrigere Vorleistungen für Rohstoffe und Halbfertigprodukte).
    Das bischen Aufwand, - beim Umtauschen sparen, wird die BRD wohl eine Billion kosten. Da kann man dann umlegen wie teuer jeder vermiedenme Devisentausch für den Urlaub war. Gigantisch !

  • Sollte sich der aufmerksame Leser nicht die Frage stellen, ob es dem Staatspräsidenten nicht klar war, dass er mit dieser öffentlichen Warnung kontraproduktiv unterwegs ist, d.h. den Bankrun weiter befeuert?

  • @Privatier

    leider kann dieser Vorschlag von den toxischen Synapsen der Euro-Junkies nicht verarbeitet werden

  • @Joker1

    "Herr Bofinger meint, die Deutschen haben am meisten von
    der Euroeinführung profitiert"

    Für mich ist es einerlei, was Bofinger meint, solange er nicht gewillt ist, sich mit den Realitäten auseinanderzusetzen.

    Dazu sollte er sich öffentlich zu nachstehenden Fragen äussern:

    1. In welchem Umfang haben die Kapitalabflüsse in marode EU-Länder das Zinsniveau für den deutschen Mittelstand hochgehalten?

    2. Welche gigantischen Summen [die nicht in der heimischen Volkswirtschaft investiert werden konnten] gingen von Deutschland zum Ausgleich von Leistungsbilanzdefiziten an andere EU-Länder?

    3. Weniger als die Hälfte unserer Exporte gingen in die Euro-Länder, während Exporte in die EU-Länder [inflationsbereinigt] weitestgehend konstant blieben.
    Welche Auswirkungen hatte dies auf das Investitionsniveau in Deutschland?

    4. Könnte es sein, dass unser Wachstum seit Einführung des Euro sank?
    (vgl. BIP von 1960 bis 2001, preisbereinigt - durchschnittliches Plus von 2,9% - seither etwa 0,7%)

    5. Zugunsten deutscher Wettbewerbsfähigkeit sind die Lohnstückkosten seit 1998 nahezu konstant geblieben.
    Ist dies etwa ein valides Argument für Bofinger's These?

    Die Liste lässt sich mühelos fortsetzen ... von Bofinger & Kollegen sind vermutlich keine stringenten Antworten zu erwarten!

  • mich würde es nicht stören, denn die haben ihr Schäflein mit Sicherhiet schon im trocknen

  • Es ging doch vor dem EURO auch! da hieß es nur Peseta, Lira, Gulden oder Franc

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