Star-Ökonom Nouriel Roubini „Griechenland droht der perfekte Sturm“

Der US-Ökonom sagte die Finanzkrise voraus, jetzt prognostiziert er das Platzen des Euro in drei bis sechs Monaten. Im Interview beklagt Roubini die Machtlosigkeit der Politik und warnt vor dem heraufziehenden Gewitter.
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Der US-Ökonom Nouriel Roubini arbeitet in New York. Quelle: Reuters

Der US-Ökonom Nouriel Roubini arbeitet in New York.

(Foto: Reuters)

Handelsblatt: Auf dem EU-Gipfel vergangene Woche wurden neue Refinanzierungsregeln für die in Schwierigkeiten geratenen Banken beschlossen. Die Börsen zeigten sich danach blendend erholt. Haben wir damit das Gröbste hinter uns?
Nouriel Roubini: Das war nur ein Schritt auf einem langen, langen Weg. Mit den beschlossenen Maßnahmen hat sich Europa Zeit erkauft, sonst nichts. Die Börse schnellt nach oben, weil Kanzlerin Angela Merkel zuvor die Erwartungen kunstvoll nach unten getrieben hat. Aber die Erleichterung wird nur kurz anhalten.

Warum?

Wir steuern auf so etwas wie einen kritischen Punkt zu. Es wird immer klarer, dass der derzeitige Ansatz nicht zu einem stabilen Gleichgewicht führt. Deutschland hofft, dass sich Italien und Spanien durchwursteln und Griechenland im Euro bleibt. Aber die Lage wird für Italien und Spanien heikel, und der Markt weiß sehr genau: Entweder bekommen wir die Fiskal-, Banken- und Transferunion - oder der Euro löst sich auf.

Aber ist es denn nicht richtig, auf Zeit zu spielen, um die Krise vorbeiziehen zu lassen?

Europa hat aber doch keine Zeit mehr. Europa ist wie ein Auto, das auf eine Mauer zurast. Jetzt muss man abbiegen. Die Euro-Zone muss sich stärker integrieren. Das heißt: Fiskalunion mit gemeinsamer Schuldenlast wie Euro-Bonds, Bankenunion und gemeinsamer Einlagensicherung. Und: Es braucht eine Transferunion für Länder wie Griechenland. Es muss ein Wachstumspakt her, der die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellt. Immer weiter zu sparen würde die Rezession nur verschlimmern.

Fiskal-, Banken- und Transferunion sind bislang unakzeptabel für Deutschland. Wie soll das gehen?

Die Geschichte spricht ein klares Urteil. Als Bismarck Deutschland vereinte oder sich die USA bildeten: Bislang durchschritt jede erfolgreiche Währungsunion diese Phasen. Die einzige Währungsunion ohne eine Fiskal- und Bankenunion war die Vereinigung von Frankreich, Belgien und Italien vor 100 Jahren, die Lateinische Münzunion. Kein Mensch erinnert sich mehr daran. Warum? Weil sie zehn Jahre später kollabierte.

Kanzlerin Angela Merkel sagte zu den Plänen über die Einführung von Euro-Bonds, dass dies nicht geschehen werde, solange sie lebe.

Ich verstehe die Position und weiß, warum die Deutschen so argumentieren. Allerdings brauchen wir einen Fahrplan, zumindest Bruchteile davon wie eine europaweite Einlagensicherung. Wenn Italien und Spanien als dritt- und viertgrößte Volkswirtschaften Europas keinen Zugang mehr zu den Kapitalmärkten haben, hat Deutschland nur zwei Alternativen: entweder die völlige Integration oder die Troika übernimmt das Zepter. Im letzteren Fall hat man allerdings Probleme: Das bislang offiziell zugesagte Geld durch die verschiedenen Rettungsformen wie EFST und ESM sowie dem IWF reicht nicht aus. Dazu sagten mir führende Politiker in Europa, dass das in den Ländern politisch nicht durchsetzbar sei. Man würde sich wie ein neokoloniales Anhängsel, wie ein Sklave der Troika vorkommen.

„Wenn Deutschland nicht einlenkt, droht eine Krise“
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241 Kommentare zu "Star-Ökonom Nouriel Roubini: „Griechenland droht der perfekte Sturm“"

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  • Ehrlich, ich sehne den Tag herbei, an dem der Euro zerbricht. Natürlich werden wir hohe Verluste erleiden, eingebrockt von den BRD-Regierungen der letzten 50 Jahre! Was, die vertreten "das Volk" ?! Unseres jedenfalls nicht! Je länger wir in diesem Elendsprojekt Euro Mitglied sind, umso größer werden die Verluste. Also raus, und zuwar so schnell wie möglich! Wenn der Club Med Geld drucken will, dann nicht auf unsere Knochen! Die haben unsere Ersparnisse schon geplündert und kriegen den Hals nicht voll. Und wir müssen uns schon wieder beleidigen lassen! Schluß damit!

    Paladin

  • Kann mal jemand 1 & 1 zusammenzählen?

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,123806,00.html
    http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=3108

  • Mein Rezept: Konsum VERWEIGERN, einfach leben, weniger brauchen und Geld ausgeben --->dafür auch nur 70% arbeiten. Unserer Kinder machen begeistert mit, dafür machen wir mehr zusammen ! Wir haben mehr Zeit, Zeit zum leben, und ein bischen arbeiten ist ja OK. Macht es uns nach - mit KONSUMVERZICHT zeigen wir es der Hochfinanz !

  • Alle Deutungen, Empfehlungen und Vorschläge laufen immer auf das gleiche hinaus: Um die Institutionen von Staat und Bankenwelt und den Fortbestand ihres systematischen Zusammenhangs zu retten, sollen die Arbeitnehmer, Leistungsempfänger, Steuerzahler und Bürger – natürlich auch ohne ihre ausdrückliche Zustimmung - die Lasten und Kosten übernehmen. Ich lasse mir keine Angst machen und auch nicht weismachen, daß wir Geiseln dieses Systems seien. Jedenfalls, meine innere Bereitschaft, es emotional und wertmäßig mitzutragen, ist sehr gering geworden. Mein Lebensglück hängt von diesem räuberischen System nicht ab.

  • Das stimmt schon dass Deutschland Bessewisser ist. Wir wissen besser wie man ein Kathasteramt führt, eine Steuer- und Finanzbehörde, Steuern zahlt und einen Staat führt. Darum sind nicht wir pleite sondern Griechenland. Du hast noch in einem recht: die Länder die nicht im Euro sind habens leichter. Also warum will Griechenland absolut im Euro bleiben, obwohl es da nicht konkurenzfähig ist und sich immer mehr überschuldet? Führt doch die Drachme wieder ein.

  • Ja gute Idee, wir arbeiten 40 Stunden bis wir 70 sind, den Lohn für diese Arbeit überweisen wir dann gleich nach Südeuropa, macht ja nix, trifft ja keinen Armen! Dann lieber mit D-Mark schön alleine! Da fallen die Exporte etwas zurück aber ich weiss dann dass ich mein Geld auch selbst in Deutschland ausgegeben kann, oder im Urlaub in Spanien, Italien , Griechenland...

  • "fast jeder Taxifahrer hat einen BMW oder Mercedes"

    Was fuer ein Unsinn. Die Mehrheit der Taxis sind Toyota oder Skoda. Mercedes sieht man ab und zu, einen BMW als Taxi habe ich in den 15 Jahren die ich in Athen lebe noch nicht gesehen.

  • Es gibt doch ein anderes Beispiel für eine Währungsunion mit Banken- und Fiskalunion, das nicht so funktionierte wie die USA: Jugoslawien. Schon vergessen, wie grauenhaft diese Union endete, Herr Roubini?

  • Roubini will nur von der noch groesseren US - Krise ablenken , das machen die US Amerikaner gerne !


  • Roubini spricht für US-GBR Finanzgruppierungen.
    Nur mit Eurobonds können diese Hedgfonds Gewinne erzielen bzw aufgelaufene Fehlinvestitionen reduzieren.

    Warten wir mal beruhigt die " realen Bankenbilanzen" bestimmter Länder ab. Da stehen Schluckbeschwerden groessten Ausmasses an. Vor allem in GR, Zypern, Spanien in Teilen, plünderten kriminelle Grossorganisationen mit manipulierten Verträgen ( u.a Leasingmasche, Bauwirtschaft) Geberbanken mit MRD Beträgen.


    GR selbst ist aufgrund einer gezielt aufgebauten mafioesen Verwaltungsstruktur nicht zu einem Neuanfang fähig.
    Die Krise scheint sich auszubreiten, sichtbar u.a in der Stille um die in sich gehenden Auguren a la Juncker, Barroso und anderen EU Kumpels. Nur das Krisengestammele "El Presidente Martin Schulz" lässt weiter offen hilflose Ausrichtungsmerkmale erkennen.

    Unsere Regierung kennt vmtl den sich aufbauenden Umfang dieser politisch-kriminell provozierten Finanz-/Vertrauenskrise.

    Ein überfordertes Politikmanagment zeigt Nerven. Wir auch.

    P.S: Selbst bei grösster Toleranz: Aussagen a la Gabriel zur Finanzkrise fördern Ängste und Politikunmut. Die SPD muss diesen Troll schlichtweg mit Sprechverbot ins griechische Exil "beamen". So als Berater vom dicken Pasokchefe.
    Die zwei passen gut ins Boot......
    Schmeisst die Lenzpumpen an......

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