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Start-ups Corona verhilft Israels Tech-Szene zu neuen Rekorden

Mitten in der Coronakrise haben israelische Tech-Unternehmen Hochkonjunktur. Sie können die Wirtschaft allerdings nicht aus der Rezession befreien.
19.10.2020 - 14:36 Uhr Kommentieren
Arbeitslosigkeit war in Israels Hauptstadt bisher kein Thema. Doch dann kam Corona. Quelle: Reuters
Skyline von Tel Aviv

Arbeitslosigkeit war in Israels Hauptstadt bisher kein Thema. Doch dann kam Corona.

(Foto: Reuters)

Tel Aviv In der Coronakrise hat Israel eine gespaltene Erfolgsbilanz. Einerseits erstaunen israelische Start-ups die Welt mit Innovationen, andererseits aber versagt Israels Regierung im Kampf gegen die Epidemie und hatte dem Land im September einen zweiten Lockdown aufgezwungen. Am Sonntag wurde er nach vier Wochen zwar gelockert, allerdings bleiben zahlreichen Beschränkungen in Kraft. 

Während Israels Versagen im Kampf gegen die Epidemie weltweit als negatives Beispiel für das Fehlen klarer Ausstiegspläne gewertet wird, sammeln High-Tech-Firmen in Tel Aviv und Jerusalem Rekordsummen ein, schaffen neue Jobs und setzen ihre Produkte ab.

Allein im September mobilisierten Jungunternehmen 1,2 Milliarden Dollar – mehr als je zuvor in einem einzigen Monat, hat die NGO Start-Up Nation Central ermittelt. In den ersten drei Quartalen brachten sie es auf ein Investitionsvolumen von 7,2 Milliarden Dollar, annähernd so viel wie im ganzen Jahr 2019. Für 2020 rechnen Experten mit einem Rekordergebnis. Über ihre Verkaufszahlen und Gewinne geben die meisten Start-ups keine Auskunft.

Finanzierungsprobleme haben zwar Firmen im Frühstadium, was auch zu einem Jobabbau geführt hat. „Vor dem Investitionsentscheid wollen Investoren sehen, wer das Projekt leitet und mit wem sie es zu tun haben,“ sagt die Gründerin eines jungen Start-ups aus der Nahrungsmittelbranche, „und über Zoom ist das nur bedingt möglich.“

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    Die Tatsache, „dass weder wir noch Investoren reisen können, erschwert die erste Kontaktnahme“. Sie hat geplante Neuanstellungen und neue Forschungsprojekte mangels Finanzmitteln zurückgestellt.

    Fast täglich Investitionsanfragen

    Mitten in der Coronakrise haben aber sechs Firmen die Bewertungsgrenze von zwei Milliarden Dollar überschritten. Die Märkte seien sehr liquide, schreibt Israels führende Wirtschaftszeitung Globes. Er erhalte „fast täglich“ Investitionsanfragen, meint zum Beispiel Chen Amit vom Fintech-Startup Tipalti.

    „Israels High-Tech-Firmen bieten Lösungen, die derzeit stark nachgefragt werden,“ erklärt Aviv Alper, die in einem Bericht von Start-up Nation Central soeben die Erfolgsgeheimnisse der Branche untersucht hat. Sie nennt Stichwörter wie Cloud, Künstliche Intelligenz, Telemedizin, Schutz vor Cyberangriffen und Datensicherheit.

    „Wegen Corona verzeichnen wir auf diesen Gebieten, die zu unseren Stärken gehören, eine starke Nachfrage,“ sagt Alper. Flexibel spüren Jungunternehmer neue Trends auf und passen ihre Produktion an, zum Beispiel Blue White Robotics. Ihr Produkt ist eigentlich eine Plattform für autonome Fahrzeuge.

    Als aber die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft wegen der coronabedingten Abschottung knapp wurden, setzten sie auf autonome Systeme, etwa Drohnen, um die Produktion auf den Feldern weiterhin zu gewährleisten.

    Zu den Corona-Profiteuren gehört auch das vor vier Jahren gegründete Fintech-Unternehmen Papaya Global, das Software für die Lohnverwaltung anbietet und den Zahlungsverkehr von derzeit 280 Firmen abwickelt. Ende September konnte Papaya rund 40 Millionen Dollar mobilisieren, womit das Start-up sein Kapital innerhalb eines Jahres verdoppelt hat.

    250 Millionen Dollar sammelte Next Insurance ein, unter anderem von der Munich Re Group. Das Next Insurance-Hauptquartier ist in Palo Alto, das Forschungszentrum in einem Vorort von Tel Aviv.

    Die Israelis sind unzufrieden mit der Corona-Krisenpolitik von Premierminister Netanjahu. Quelle: AFP
    Proteste in Tel Aviv

    Die Israelis sind unzufrieden mit der Corona-Krisenpolitik von Premierminister Netanjahu.

    (Foto: AFP)

    Die Anzahl der Jobs wurde in diesem Jahr um 50 Prozent erhöht, und für 2021 bestehen weitere Expansionspläne, um den bisherigen Umsatzsprung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr weiter zu steigern. Das junge Unternehmen verspricht Versicherungsprämien, die um einen Drittel unter den Preisen traditioneller Policen liegen.

    Die Erfolge der High-Tech-Unternehmer stehen im Gegensatz zum Versagen der Regierung von Benjamin Netanjahu. „Hätte sie die Krise konsistenter gemanagt, wäre Israel heute in einer besseren Situation,“ sagt Leo Leiderman. Der Chefökonom von Hapoalim, der größten israelischen Bank, befasst sich an der Tel Aviver Universität mit dem Krisenmanagement von Finanzmärkten.

    Das Kabinett habe die relevanten Politikbereiche nicht miteinander verknüpft. „Es gibt keine übergeordnete Instanz, die die einzelnen Interessen aufeinander abstimmt,“ so Leiderman. Mehr als 60 Prozent der Bürger geben in Umfragen an, dem Vorgehen der Regierung gegen die Epidemie nicht zu trauen, was der Einhaltung von Vorschriften entgegenwirkt.

    Dass die Regierung seit zwei Jahren wegen interner Streitigkeiten kein Budget verabschiedetet hat, nährt die Skepsis zusätzlich.

    Rezession von sieben Prozent

    Die Statistiker rechnen für 2020 mit einer Rezession von sieben Prozent – vor der Epidemie waren sie noch von einem Wachstum von rund drei Prozent ausgegangen. Damals hatte Vollbeschäftigung geherrscht. Mittlerweile ist fast jeder Vierte arbeitslos.

    Die Erfolge im High-Tech-Sektor können die Situation allerdings nicht nachhaltig verbessern. Lediglich acht Prozent der Arbeitnehmer sind dort beschäftigt, sie sorgen für einen Viertel der Exporte. Das Missmanagement der Regierung in der Coronakrise habe „dem Image Israels, eine Tech-Supermacht zu sein, ernsthaft geschadet,“ fürchtet Kobi Marenko, CEO von Arbe Robotics, einem Start-up, das Radarsysteme für autonome Fahrzeuge entwickelt.

    Die Stärke der innovativen Nation ist gleichzeitig auch ihre Schwäche. Israels Erfindungsgeist profitiert davon, plötzlich auftretenden Problemen flexibel mit neuen Ideen entgegentreten zu können. Beim Feldzug gegen Covid-19 funktioniert genau das nicht, weil das strikte Befolgen von Vorschriften jede Flexibilität lähmt.

    Mehr: Zweiter Lockdown: Benjamin Netanjahu zieht erneut die Notbremse in der Pandemie.

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