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Stephen Barclay Der Brexit-Minister aus der zweiten Reihe

Der neue Brexit-Minister setzt sich bereits seit Längerem für den EU-Austritt Großbritanniens ein. In seiner Heimat ist er dennoch ein Unbekannter.
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Der neue Brexit-Minister folgt auf Dominic Raab nach, der im Streit um das Abkommen zurückgetreten war. Quelle: dpa
Stephen Barclay

Der neue Brexit-Minister folgt auf Dominic Raab nach, der im Streit um das Abkommen zurückgetreten war.

(Foto: dpa)

LondonKeine fünf Monate war Dominic Raab britischer Brexit-Minister, bis er vergangene Woche aus Protest gegen den mit Brüssel ausgehandelten Entwurf für den Deal zurücktrat.

Einen Nachfolger zu finden war keine leichte Aufgabe: Berichten zufolge hatte der Wunschkandidat von Premierministerin Theresa May, Landwirtschaftsminister Michael Gove, dankend abgelehnt. Doch die Regierungschefin wurde fündig: Stephen Barclay leitet ab sofort das Ministerium für den Austritt aus der Europäischen Union (EU).

Er freue sich auf seine neue Aufgabe, erklärte der 46-Jährige, der sich selbst „Steve“ nennt. Doch warum andere den Posten ablehnten, wurde bereits wenige Stunden nach seiner Ernennung deutlich: Die Verhandlungen mit der EU über den Brexit führt zukünftig die Premierministerin selbst.

In dieser Woche, erklärte May noch am Sonntag, werde sie nach Brüssel reisen. Bis zum Sondergipfel der EU am kommenden Wochenende würde schließlich weiterverhandelt, vorwiegend über die zukünftige Beziehung. Barclay ist lediglich für die Umsetzung und Planung des Brexits auf der Insel zuständig – ein wesentlich engerer Zuschnitt des Ministerpostens als bisher.

Für ihn ist es dennoch ein Schritt nach oben. Bislang ist er vielen Briten unbekannt. Dabei sitzt der konservative Politiker bereits seit 2010 im Parlament. Nach seinem Geschichtsstudium an der Eliteuniversität Cambridge arbeitete Barclay mehrere Jahre in der Londoner Finanzbranche.

Unter anderem als Anwalt bei dem Versicherungskonzern Axa, bei der Finanzaufsicht und in der Geldwäsche-Abteilung der Privatkundensparte von Barclays.

Seit seinem Wechsel in die Politik vor gut acht Jahren hatte Barclay mehrere Juniorposten in der Regierung inne, zuletzt war er Staatssekretär im Gesundheitsministerium.

Ausschlaggebend für seine Beförderung sei wohl seine Meinung zum Brexit, mutmaßten britische Medien: Vor dem EU-Referendum hatte er bereits für den Austritt aus der EU geworben. Auch sein Wahlkreis Nordost-Cambridge hatte sich für „Leave“ ausgesprochen. Im Kabinett der Regierung herrscht eine fein austarierte Balance zwischen Brexit-Gegnern und -Freunden.

Den Posten des Brexit-Ministers hatte stets ein „Leaver“ inne – allerdings hatte dieser anfangs noch wesentlich mehr zu sagen.

Als vergangene Woche Raab und Arbeitsministerin Esther McVey zurücktraten, gingen gleich zwei Brexit-Verfechter von Bord, sodass die Premierministerin gezwungen war, wieder mindestens einen Brexit-Verfechter in das Kabinett zu holen. Und für den Chefposten im Arbeitsministerium wählte May mit Amber Rudd eine „Remainerin“.

Diese ist – im Gegensatz zu Barclay – ein politisches Schwergewicht, ihr Name fällt sogar in den Debatten, wer demnächst an die Regierungsspitze rücken könnte. Rudd gilt trotzdem als äußerst loyal May gegenüber, sie sei eine Art „menschlicher Schutzschild“ für die Premierministerin, lästerten britische Medien daher nach der Ernennung der 55-Jährigen.

May hatte Rudd – die bis vor sieben Monaten Innenministerin war – in der Vergangenheit zu Terminen geschickt, die sie nicht wahrnehmen konnte. Oder wollte, wie etwa TV-Debatten im Wahlkampf 2017.

In ihren ersten Statements am Wochenende nach ihrer Ernennung stellte sich Rudd so auch klar hinter May. Sie sei zuversichtlich, dass diese im Amt überleben könnte, erklärte Rudd.

Die Abgeordneten, die gerade ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin planten, sollten lieber „noch einmal nachdenken“, sagte sie. Der mit Brüssel ausgehandelte Entwurf für den Brexit, der in der vergangenen Woche für so viel Empörung gesorgt hatte, sei „nicht perfekt. Aber eine perfekte Lösung war nie im Angebot.“

Der neue Brexit-Minister Barclay hatte sich bislang noch nicht so deutlich positioniert. Auch nicht in der Vergangenheit: Lediglich zehnmal habe er im Parlament das Wort „Brexit“ ausgesprochen, zählte die Zeitung „Metro“ nach – und siebenmal in einer Debatte. In Zukunft wird Barclay wohl häufiger über das Thema sprechen müssen.

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