Sternmarsch Arbeitslose aus ganz Spanien demonstrieren

Wut und Enttäuschung: Tausende arbeitslose Spanier haben erneut gegen die von der konservativen Regierung beschlossenen Kürzungen protestiert. Einige legten hunderte Kilometer zu Fuß zurück.
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Di überwiegend jungen Demonstranten kamen teilweise von weit her angereist. Die Arbeitslosenquote in Spanien beträgt fast 25 Prozent, bei den Jungen des Landes ist sie noch sehr viel höher. Quelle: dapd

Di überwiegend jungen Demonstranten kamen teilweise von weit her angereist. Die Arbeitslosenquote in Spanien beträgt fast 25 Prozent, bei den Jungen des Landes ist sie noch sehr viel höher.

(Foto: dapd)

MadridAm Samstag kamen Demonstranten aus verschiedenen Landesteilen in einem Sternmarsch in der Hauptstadt Madrid zusammen. Einige legten lange Strecken zu Fuß zurück.

Die überwiegend jugendlichen Demonstranten hielten Plakate hoch, pfiffen und riefen Protestslogans, während sie durch die Avenidas der Hauptstadt marschierten. "Hände hoch, das ist ein Überfall" sowie " Steh auf und kämpfe!" gehörten zu den beliebtesten Parolen. Zum Klang von Trommeln und Trompeten ging es vom Prado-Museum friedlich zur Kundgebung auf dem zentralen Platz Puerta del Sol, dem symbolischen Ort, zahlreicher sozialer Proteste. Dort setzten sich die Demonstranten auf den Boden und hielten eine "Volksversammlung" ab.

"Ich bin sehr enttäuscht und wütend", sagt die 25-jährige Alba Sánchez, die mit dem Bus aus Katalonien nach Madrid kam. "Diese ganzen Kürzungen seitens der Regierung, die uns hasst, dürfen wir nicht hinnehmen." "Sie pinkeln auf uns und sagen, es regnet", war auf einem Transparent zu lesen, "Ich kann nicht den Gürtel enger schnallen und zur gleichen Zeit die Hose runterlassen" auf einem anderen.

Polizei zückt Gummiknüppel

Die Maßnahmen von Ministerpräsident Mariano Rajoy sehen unter anderem die Erhöhung der Mehrwertsteuer und Kürzungen beim Arbeitslosengeld vor. Für neu arbeitslos Gewordene soll es nach sechs Monaten nur noch die Hälfte des Grundgehalts geben. "Das ist der Todesstoß: Sie kürzen bei denen, die keine Arbeit haben und erhöhen die Mehrwertsteuer für die, die arbeiten", sagt Rafel Ledo. Er war von der nördlichen Region Asturien aus 500 Kilometer zu Fuß nach Madrid unterwegs.

Die Demonstranten kamen aus allen Landesteilen Spaniens. Quelle: dapd

Die Demonstranten kamen aus allen Landesteilen Spaniens.

(Foto: dapd)

Spanien steckt seit dem Platzen einer Immobilienblase im Jahr 2008 in der Krise. Fast ein Viertel der Spanier sind arbeitslos, bei den jungen Leuten unter 25 Jahren hat sogar mehr als jeder Zweite keine Arbeit. Zuletzt hatten am Donnerstag landesweit hunderttausende Menschen gegen die Austeritätspolitik der Regierung protestiert. Die Proteste endeten in der Nacht zum Freitag in Madrid mit Gewalt und Festnahmen. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Schlagstöcke gegen kleinere Gruppen von Demonstranten ein.

Das Maßnahmenpaket der Regierung Rajoy sieht bis 2015 Kürzungen um 65 Milliarden Euro vor. Im Verwaltungssektor sollen 3,5 Milliarden Euro eingespart werden. Zudem soll Beschäftigten im öffentlichen Dienst das Weihnachtsgeld gestrichen werden - und das bei steigenden Lebenshaltungskosten.

Am Freitag hatten die Euro-Finanzminister Hilfskredite für Spaniens angeschlagene Banken von bis zu hundert Milliarden Euro beschlossen. Zuvor hatte auch der Bundestag dem zugestimmt. Nach dem offiziellen Beschluss der Eurogruppe stürzte die Börse in Madrid um 5,8 Prozent ab, wobei besonders Bankenaktien nachgaben. Die Behörden von Valencia kündigten zudem an, dass sie Finanzhilfe von der Zentralregierung in Madrid benötigen - aus einem Sonderfonds in Höhe von 18 Milliarden Euro für strukturschwache und überschuldete Regionen.

Die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen stiegen unterdessen über die gefährlichen Marke von sieben Prozent. Ein solcher Wert gilt über einen längeren Zeitraum als nicht tragbar. Investoren befürchten offenbar, dass auch der spanische Staat trotz der Unterstützung für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Euro-Stabilitätsfonds wird.

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30 Kommentare zu "Sternmarsch: Arbeitslose aus ganz Spanien demonstrieren"

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  • Ja, Sie haben Recht. Allerdings ist das Zauberwort "Innovationen" in diesem Zusammenhang noch nicht gefallen, und auf diesem Gebiet gäbe es auch für die stolzen Spanier noch einiges zu erwirtschaften. Oder ist ihnen nicht zuzumuten, ihren Grips anzustrengen und die Welt mit neuen Errungenschaften zu berreichern, weil sie von uns mit unserem Steuergeld gepampert werden? Aber für die Innovationen UND für die Alimentierung dieser Spezies sind dann wieder die Deutschen auf Gedeih und Verderb bis in die 20. Generation nach uns zuständig! Ich bin Architekt, aber es gibt noch sehr viel zu tun, außer Häuser zu bauen!

  • Zitat aus Artikel: "Investoren befürchten offenbar, dass auch der spanische Staat trotz der Unterstützung für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Euro-Stabilitätsfonds wird."

    Deshalb sitzen unsere Bundestagsabgeordneten im Urlaub immer auf gepackten Koffern, damit sie - für 500.000 € Reisekosten - jederzeit wieder nach Berlin reisen können, um die nächsten "Hilfspakete" abzusegnen.

  • „Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: 'Nie wieder Krieg', entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen.
    Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift finden können: 'Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.'
    Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein."

    Silvio Gesell, direkt nach dem Ende des 1. Weltkrieges

    Wer bis heute das Paradies für einen "Obstgarten" hält und die "Frucht vom Baum der Erkenntnis" für einen Apfel, muss sogar kurz vor Armageddon (globale Liquiditätsfalle) noch daran glauben, dass Zinsen (Liquiditätsverzichtsprämien) offenbar auf Bäumen wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer (alle noch arbeitenden Zinsverlierer).

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  • @ Privatier: Sie schreiben: "in der Theorie gebe ich Ihnen vollkommen recht. In der Praxis wird es dann keine Kapitalerträge, in Deutschland, über 25000.- Euro mehr geben.
    Mein Vorschlag: Einkommensteuer auf null. Dafür Erbschaftssteuer, über einem Freibetrag von 1 Mio, auf 90% und Ausnahmen für Betriebsvermögen."

    Antwort: Die Quellensteuer macht es möglich, Kapitalerträge dort zu besteuern, wo sie entstehen. Interessensvertreter des Großkapitals schreien zwar immer: "Wenn Kapitalerträge besteuert werden, dann geht das Kapital ins Ausland!" Doch das ist Unsinn - Fabriken, Handeslzentren, Dienstleistungszentren usw. kann man nicht einfach ins Ausland umsiedeln, sie sind an den Standort gebunden. Wichtig wäre es, dass Staaten ihre volle Handlungsfähigkeit zurück erhielten - Importzölle auf Produkte erheben könnten, die mit Billiglöhnen und nach niedrigen Öko-Standards produziert werden, die eigenen Exporte zum Schutz der eigenen Standards subventionieren könnten.

    Betreffend die Erbschaftssteuer teile ich Ihre Meinung zum Teil - eine völlige Befreiung von betrieblich genutztem Vermögen würde bedeuten, dass dann, wenn eine Erbschaft die Unternehmen Daimler-Benz, Deutsche Bank, Siemens usw. vollständig umfassen würde, keinerlei Erbeschaftssteuer zu zahlen wäre - das wäre erkennbar Unsinn.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

  • Tourist,
    es gibt aber auch das Phänomen, dass man heutzutage Leute zu Bedingungen arbeiten lässt, die diese für einen Hungerlohn bis in den Zusammenbruch treibt. Oder dass man Arbeiten durch Leute ausführen lässt, die sich nicht wehren können und sich selbst als weisse Neger bezeichnen (Stichwort Osteuropa).
    Es gäbe schon ein paar Möglichkeiten, Arbeitsplätze zu schaffen, nur schmälert das halt möglicherweise den Unternehmergewinn.

  • Nein, es geht nicht um reine Glaubensfragen. Merkel hat niemals geglaubt, der Euro werde für alle ein Segen sein, kein halbwegs gescheiter Mensch meint in Wahrheit. Griechenland & Co. seien durch "Sparprogramme" zu retten. Es wird bewusst Falsches behauptet, um eine ungeheuerliche Politik mit für normale Menschen unfassbaren Zielen nach Außen verklären zu können.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

  • @WinfriedSobottka
    in der Theorie gebe ich Ihnen vollkommen recht. In der Praxis wird es dann keine Kapitalerträge, in Deutschland, über 25000.- Euro mehr geben.
    Mein Vorschlag: Einkommensteuer auf null. Dafür Erbschaftssteuer, über einem Freibetrag von 1 Mio, auf 90% und Ausnahmen für Betriebsvermögen.
    Vorteil, Arbeit würde sich wieder lohnen, Anhäufung von Megavermögen über Generationen würde verhindert. Geld würde wieder real investiert, was dem Staat wieder Steuereinnahmen in Form von MwSt. generiert.

  • "Antwort: Es gibt keine wissenschaftliche Grundrichtung, die die Fiskalpolitik an die höchste Stelle setzt - Gradmesser für die Wirtschafts- und Fiskalpolitik ist generell die Herstellung eines Gleichgewichtes von Angebot und Nachfrage auf möglichst hohem Niveau"

    Richtig, und ab da wirds dann philosophisch.
    Deshalb sind alle "Expertenmeinungen" dann reine Glaubensfragen, die aus persönlicher Einstellung und dem jeweiligen Menschen- und Demokratieverständnis eine Meinung formieren. Die Kanalisierung dessen ist ebenfalls ein gutes Geschäft.

  • Dazu ein weiterer Ansatz: Spanien leidet unter einer Immobilienblase. Jetzt werden Menschen auf die Straße gesetzt, denen von den Banken unfinanzierbare und völlig überteuerte Immobilien aufgeschwatzt wurden. Warum setzt man die Menschen jetzt auf die Straße? Unbewohnte Immobilien gammeln genau so schnell wie Salat in der Sonne und bringen nicht einen Cent ein. Verkaufbar sind die auch nicht. Lasst die Spanier für kleines Geld in ihren Wohnungen, das würde die Lage deutlich entspannen.

  • Da fällt ja schon mal ein wichtiges Wort: Kreislaufanalyse. Genau darüber sollte man sich beugen: über die Kreisläufe und ein wichtiger, konstanter Parameter wäre hierbei, wer genau in dieser Vetternwirtschaft mit im Kreislauf sitzt.

    Wer nicht drin sitzt, ist deutlich.

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