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Steve Vranakis Warum der Ex-Google-Manager jetzt für Griechenlands Regierung arbeitet

Statt Googles Vice President zu werden, will Vranakis künftig Griechenlands ramponiertes Image aufpolieren. Und ein neues Narrativ des Landes erzählen.
30.06.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Sein neues Amt in Griechenland gibt es in keinem anderen europäischen Staat. Quelle: privat
Steve Vranakis

Sein neues Amt in Griechenland gibt es in keinem anderen europäischen Staat.

(Foto: privat)

Athen Eigentlich sollte Steve Vranakis jetzt in Vancouver sein. Nach 20 Jahren in London wollte er für seinen Arbeitgeber Google in die Stadt an der kanadischen Pazifikküste zurückkehren, wo er als Sohn griechischer Auswanderer geboren und aufgewachsen ist. „Unser Hausrat war bereits in den Container verladen“, erinnert sich Vranakis, „da kam der Anruf aus Athen.“

Am Telefon war Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis. Eine Woche später saß Vranakis im Büro des Premiers. „Wir haben uns über das Land unterhalten, Mitsotakis‘ Vision und welche Leute aus allen Bereichen der Gesellschaft er in seine Mannschaft holen wollte“, erzählt Vranakis. Nach dem Gespräch im vergangenen Oktober war er Teil des Mitsotakis-Teams. „Ich dachte: jetzt oder nie“, sagt Vranakis. „In meinem Herzen bin ich ein Romantiker, ich wollte schon immer etwas für mein Land tun.“

Der gebürtige Kanadier fühlt sich, wie die meisten Griechen der Diaspora, mit der Heimat seiner Eltern eng verbunden. Seine Frau stammt aus Kreta, die drei im Ausland aufgewachsenen Kinder des Ehepaars haben die griechische Staatsangehörigkeit. Dennoch war es „eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens“, sagt Vranakis, „denn bei Google wäre die Beförderung zum Vice President der nächste Schritt gewesen.“

Der neue Titel, den er in Athen hat, klingt aber auch nicht schlecht: „Chief Creative Officer“ der griechischen Regierung. In keinem europäischen Land gibt es dieses Amt. Aber Griechenland ist nun mal anders. Da denken viele an Nepotismus, Korruption und Krisen. „Griechische Statistiken“ waren in Brüssel ein geflügeltes Wort für gefälschte Zahlen. Griechenland, das schwarze Schaf Europas.

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    Steve Vranakis will das ändern. Er möchte Griechenland „repositionieren“, ein „neues Narrativ“ des Landes erzählen und helfen, „das Vertrauen in die Nation wieder aufzubauen“. Seine Arbeit besteht vor allem darin, die Öffentlichkeitskampagnen der Ministerien und Regierungsbehörden zu konzipieren. Das Handwerkszeug dafür bringt der 48-Jährige als früherer Direktor des Google Creative Lab für Europa, Mittelost und Afrika mit. Aber in Athen muss er sich mit Ministern und Bürokraten koordinieren.

    Kampagne in der Quarantäne

    Das ist nicht die einzige Komplikation. Gerade erst hatten sich die Griechen aus dem Korsett der Sparauflagen befreit und die achtjährige wirtschaftliche Talfahrt hinter sich gelassen, da treibt die Corona-Pandemie das leidgeprüfte Land zurück in die Rezession. Steve Vranakis sieht darin eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Die Regierung Mitsotakis hat die Epidemie dank frühzeitiger Kontaktbeschränkungen besser in den Griff bekommen als die meisten anderen europäischen Länder. „Jahrelang hat Europa auf uns herabgesehen“, sagt Vranakis, „aber jetzt müssen wir nicht mehr mit gesenktem Kopf dastehen – Griechenland ist wieder da.“

    Eines der Projekte, die in der Corona-Quarantäne entstanden, ist #GreeceFromHome. Der YouTube-Kanal führt Griechenlandfans zu virtuellen Museumsbesuchen, Strandspaziergängen und Bergwanderungen, lädt zu Weinproben ein, präsentiert griechische Küche, Folkmusik, Literatur und Malerei. Prominente wie der griechische Tennisprofi Stefanos Tsitsipas, der NBA-Star Giannis Antetokounmpo oder die Komikerin Katerinas Vrana stellen ihre Heimat vor.

    Die Kampagne entstand binnen weniger Wochen in Videokonferenzen. Vranakis‘ Team ist jung. Fünf Mitarbeiter studieren an griechischen Universitäten, einer sitzt in Stockholm, ein anderer schaltet sich aus Bangkok zu. „Ich habe Leute geholt, die halb so alt sind wie ich“, sagt Vranakis. „Die Krise trifft alle, aber am schlimmsten trifft sie die Jungen, denn für sie geht es um ihre gesamte Zukunft. Ich brauche in meinem Team ihre Wut und ihre Begeisterung. Sie sind es, die Griechenlands neues Narrativ erzählen müssen.“

    Mehr: Die Rezession vernichtet in Griechenland Hunderttausende weitere Jobs. Ein Prüfstein für den konservativen Premier.

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