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Stimmung in Zypern „Wir kaufen keine deutschen Produkte mehr, auch keinen Mercedes“

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Nur noch Bares wird akzeptiert
Protest von Bank-Mitarbeitern vor dem zyprischen Finanzministerium am Samstag. Quelle: dpa

Protest von Bank-Mitarbeitern vor dem zyprischen Finanzministerium am Samstag.

(Foto: dpa)

„Ich kann meine Lieferanten nicht mehr bezahlen, klagt der Eigentümer eines Restaurants. „Sie akzeptieren nur noch Cash. Wenn sich nicht bald etwas tut kann ich spätestens kommende Woche dichtmachen.“ Dabei scheint er noch Glück im Unglück zu haben: Zahlreiche der Tische sind an diesem milden Frühlingsabend belegt. Die Bars und Restaurants an der zentralen Geschäftsmeile sind gut besucht, auch wenn hier viele keine Kartenzahlung mehr akzeptieren.

Gespenstige Leere macht sich dagegen breit in Gassen, die von kleinere Einkaufsläden und Boutiquen geprägt sind. Die Zyprer halten ihr Geld zusammen und geben es nur noch für dringend Benötigtes aus. „Sollten die Banken nicht bald wieder öffnen, haben wir bald enorme Probleme, über die Runden zu kommen“, sagt ein Kioskbesitzer.

Sorgen um Ihre Existenz machen sich nicht nur die Kleinunternehmer und Ladenbesitzer: Etwa 3000 Bankmitarbeiter haben sich am Samstag vor dem Parlament versammelt. Sie sind auf die Straße gegangen, um gegen die geplante Aufspaltung eines der größten Institute des Krisenlandes zu protestieren. Sollte es dazu kommen, dürfte das hunderte Arbeitsplätze kosten. Die Demonstranten zerpflücken in Sprechchören die internationalen Geldgeber an, die so genannte Troika aus Europäischer Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank. „Sie wollen unser komplettes Bankensystem zerstören“, skandieren die Menschen.

Schon tags zuvor war es zu Unruhen vor dem Parlament gekommen. Schwer bewaffnete Polizisten riegelten das Gebäude ab. „Es sind nicht nur wir, die ihre Existenzgrundlage verlieren werden, es betrifft alle Zyprer!“, empörte sich eine aufgebrachte Demonstrantin. „Wir befinden uns in großer Not, das ganze Banksystem, das ganze Land steht vor dem totalen Kollaps. Zahlen sollen hierfür aber nur die Mitarbeiter der Laiki Bank, das ist eine große Ungerechtigkeit! Alle müssen sich an der Rettung des zyprischen Finanzsystems beteiligen!“

Eine andere Frau rief: „Wir sind mitten im vierten Weltkrieg, den Deutschland entfacht hat. Ganz Europa wird sich gegen dieses Unrecht auflehnen, das uns widerfährt. Wir wollen nicht die Sklaven der Deutschen werden.“ Passend dazu stand auf einem Banner: „Nein zum vierten Reich!“, auf einem anderen Plakat: „Besser aufrecht sterben als auf Knien weiterleben!“ Die Zyprer glauben, ihr einst großer Bankensektor wird jetzt mutwillig zerstört – und damit das Rückgrat ihrer Wirtschaft gebrochen. Sie sind sicher: Durch die erzwungenen Spardiktate und die Entscheidung große Vermögen zu belasten, wird Zypern als Finanzstandort langfristig zerstört.

Und für diese Misere machen nicht nur die Bankangestellten vor allem Deutschland verantwortlich. „Erst wenn Zypern untergeht, haben Merkel und Schäuble ihr Ziel erreicht“, empört sich Taxifahrer Nikos Nikolaidou während eines ausgiebigeren Gesprächs auf der Fahrt vom Flughafen Larnaka an der Südostküste der Insel ins Landesinnere: „Warum tun sie uns das an? Die Deutschen führen einen Wirtschaftskrieg gegen uns.

Dann wird es unappetitlich, es folgen die wohl unvermeintlichen Nazi-Sprüche: „Hitler hat es mit Waffengewalt getan, Merkel und Schäuble versuchen es diesmal indem Sie unsere Wirtschaft, unserer Arbeitsplätze zerstören. Wir kaufen keine deutschen Produkte mehr, auch keinen Mercedes“, wird Nikos lauter, blickt dabei betont verächtlich auf den Stern am Lenkrad seiner E- Klasse und lässt den Motor aufjaulen beim Spurt zur nächsten Ampel – die Straßen sind auffällig leer. Nicos ist sich auch sicher, zu wissen, was der wahre Grund dafür ist, dass man „uns jetzt ausquetscht, an die Wand stellt“: Die Europäer hätten beschlossen den Finanzsektor Zyperns ein für alle Mal „platt zu machen“. „Vor allem ausländisches Schwarzgeld, das hier angeblich gewaschen wird, ist Ihnen doch schon seit Jahren ein Dorn im Auge“.

„Quittung für zu hohen Lebensstandard“
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216 Kommentare zu "Stimmung in Zypern: „Wir kaufen keine deutschen Produkte mehr, auch keinen Mercedes“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum geht in deutschland keiner auf die strasse
    und demonstriert gegen,Zypern,griechenland,portugal & Co.
    Ich bin auch kein liebhaber der deutschen steuerpolitik und anderer sachen von Merkel & co. aber das was dort abläuft ist nur noch widerlich, deshalb nie wieder Urlaub in diesen so. Südstaaten.

  • "Wir kaufen keine deutschen Produkte mehr, auch keinen Mercedes“ => soso, ich glaube gekauft wird weiter, aber nicht b e z a h l t . Die Bundesbank solls richten (Target 2). Das geht alles nicht mehr lange gut, die EZB kann nicht zaubern. Und die Immobilienpreise in D kennen nur eine Richtung.... ja warum bloß???

  • Argentinien war in Zeiten nationaler Währungen die einzige unrühmliche Ausnahme von Staatspleiten. Eine recht dümmliche Währungspolitik, den Peso fest an den Dollar zu knüpfen, da er dadurch komplett überbewertet war. Aber durch die Schaffung einer Währungsunion gegen alle Gesetze der Volkswirtschaftslehre und der Vernunft haben die europäischen Plutokratenhäuptlinge diese Situation zum Gesetz erhoben. Wie die Kaninchen auf die Schlange starren heute, nach der Einführung des Euro, die PIIGS+F auf den Euro-Kurs: Sie müssten ihn eigentlich abwerten, um ihre negative Zahlungsbilanzen aufzuwerten und ihre Wettbewerbsfähigkeit international zu erhöhen – Aber wie das tun bei einer Gemeinschafts-Währung, die sie hauptsächlich mit der Erwartung angenommen haben, gleichzeitig einer Haftungsgemeinschaft anzugehören. Man hat zwar Maastricht beschworen, aber ein Meineid zu schwören gehört in dieser EU zum guten Ton. Und, geht es den anderen Staaten der Währungsunion grundlegend besser als Griechenland und Zypern? Wenn man nach der Zwangsformel: Währungsunion = Politische Union, ob sie wollen oder nicht rechnet, sind sie alle noch gesund. Aber wer mit etwas Realismus an die Angelegenheit herangeht, merkt vielleicht, daß von 17 Staaten der Währungsunion 15 schon unter die Rettungsschirme gehören. Vielleicht sind sie schon pleite und das weiss nur der Draghi, der „ultra vires“ Geld schaufelt und er sagt das keinem der Plutokratenhäuptlinge der EU? Unsere Geschichte holt uns alle ein: Die düstere Prophezeiung des Jaques Chirac nach dem EU-Gipfel 1997 in Strasbourg: Die Währungsunion ist das größte währungspolitische Abenteuer der Geschichte gewinnt jetzt Wahrheit: Konnten das die tumben Könige aus dem Abendlande: Schmidt, Kohl und Schröder begreifen? Wohl kaum. Vertreten müssen die gar nichts, denn nur das Volk büßt immer, was die Könige tun, sagt der römische Satiriker Horaz.
    Wer befreit uns von diesem Übel? Die Alternative für Deutschland? Probieren sollten wir´s!!!

  • na ist doch toll, Kauft euch doch einen wolga oder oder einen lada, oder ein anderes russisches auto (gibts da welche ?) Ich kann mir auch keinen mercedes und bmw kaufen.

  • kit_fisto Ihr Name scheint programmverdächtig. Sie sind trotzdem durch die Troll-Sperre geschlüpft - mein Glückwunsch. Wir sind alle zu einem gewissen Grad ahnungslos. Das ist für Sie kein Problem, weil Sie ja nicht einmal den Versuch machen Ahnung vorzutäuschen. Leute wie Sie mit ihren unterirdischen Beiträgen sorgen dafür, dass solche Seiten zur Verbalkloake verkommen.

  • Auch ich kann es nicht mehr hören und sehen , der Euro hat schon hier im Lande viel kaputt gemacht jetzt folgen andere aus der Eurozone und der dumme Deutsche darf die Zeche mal wieder mit zahlen. Unsere Politiker schreien sie haben kein Geld , blasen aber Milliarden zum Fenster raus und Deutschlands Zukunft ?? Naja wenn ich mal in Rente gehe das sind noch etwa 20 Jahre kann ich mir die Kugel geben! Die einzigsten die in Europa alles richtig gemacht haben ist die Schweiz !! die machen diesen Blödsinn nicht mit !

  • Wieviel Geld haben Sie den nach Zypern transferiert?
    Und warum?

  • Ich kann es nicht mehr sehen und hören!! Diese Länder wie Griechenland, Spanien, Italien, Zypern waren noch nie in der Lage dem Euro beizutreten.Warum soll der Deutsche Steuerzahler weiter bluten für zum Teil korrupte und kriminelle Regierungen wie in Griechenland, Italien und Zypern? Die nehmen unser sauer verdiendtes Geld und beleidigen uns in einer Tour! Meiner Meinung nach müssen die alle raus aus dem Euro-Raum, oder noch besser den Euro gleich ganz abschaffen.Es wird Zeit, dass die Deutschen auf die Straße gehen und gegen die Ausbeutung unserer Steuergelder protestieren!!! Sind wir denn der Selbstbedienungsladen für Sozialschmarotzer?

  • "Unser Wohlstand beruht wesentlich auf der jahrzehntelangen Ausbeutung der damaligen 3. Welt im Besonderen deren Rohstoffe. Heute kommen billige Programmierer aus Indien etc. hinzu. "

    Schmarrn!
    Der deutsche Wohlstand ist mit einer Tatsache zu verdanken, die manche Länder nicht haben, oder noch nicht haben.
    Das duale Ausbildungssystem im Handwerk und die, leider eingestampfte, praktische Komponente in technischen Studiengängen.
    Durch die duale Ausbildung konnten die Infrastrukturen geschaffen werden, so gut wie jeder hat die Möglichkeit mit einem nicht vorhandenen Hauptschulabschluß sich bis zum Studium "durchzubeißen", mit Fleiß und Disziplin und Organisationstalent.
    Bildung ist das Stichwort, aber davon bekommen leider auch immer weniger Deutsche was ab, wie es scheint.

  • "Zinsen können nur über neue Kredite bezahlt werden. Dies setzt aber ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum in Höhe des Durchschnittszinses in einem Wirtschaftsraum voraus."
    Mit dieser Aussage haben sie im Grunde recht - nur die Schlussfolgerung kann ich nicht teilen. Grundannahme für Ihre Schlussfolgerung ist ein stabiler Geldwert bzw. eine Nettoverzinsung (nach Steuern) oberhalb der Inflationsrate sowie keine Kreditausfälle im Sinne von Abschreibungen auf Forderungen (keine PWB/EWB). Eben dies ist aber in der Praxis in heutigen Zeiten nicht gegeben so dass faktisch über den bloßen Besitz einer Geldforderung (selbst wenn sie verzinst wird) kein "realer" d.h. inflationsbereinigter Mehrertrag (bzw. größerer Anteil am Produktivvermögen) erwirtschaftet werden kann. Theoretisch ist der Wert des Sach/Produktivvermögens und des Geldvermögens einer Volkswirtschaft ja stets identisch und die echte Produktivität wird ja durch das Produktivvermögen (z.B. Herstellung & Verkauf Waren) geleistet; Banken können hier stets nur ergänzende aber elementare Dienstleister sein (d.h. Zahlungsverkehr & Finanzierung Investitionen).

    In früheren Zeiten (bsp. Mittelalter) wäre Ihre Aussage (Kreditausfälle nicht berücksichtigt) durchaus richtig und die Macht hätte sich tatsächlich durch den Zinseszinseffekt im laufe der Zeit stark auf den Gläubiger verschoben, denn die damals gebräuchlichen Gold und Silbermünzen waren nicht beliebig vermehrbar (jedoch konnte der Edelmetallgehalt "angepasst" werden). Hier entledigten sich die Schuldner jedoch in regelmäßigen Abständen ihrer ungeliebten Gläubiger - womit die Forderung beglichen war (bsp. Templerorden oder auch der damals schon übliche Anitsemitismus)

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