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Stimmungsbericht aus Hanoi Panzer, Blaulicht und Kim-Jong-Un-Souvenirs

Vietnams Hauptstadt zeigt sich am Tag vor dem USA-Nordkorea-Gipfel im Ausnahmezustand. Für viele Vietnamesen ist das Treffen ein faszinierendes Spektakel.
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„Experten befürchten, dass Trump zu viel aufgibt und zu wenig bekommt“

HanoiFür Kim Jong Un macht der vietnamesische Englischlehrer Hoai Anh Pham gerne eine Ausnahme: Für ein paar Stunden lässt er den Unterricht ausfallen, damit seine Schüler die Ankunft des nordkoreanischen Machthabers in Vietnams Hauptstadt Hanoi persönlich erleben können. Auch Pham selbst stellt sich an die Absperrung vor dem Hotel, in dem Kim unterkommt. Hunderte Schaulustige sind bereits da.

Am späten Vormittag sehen sie, wie eine Wagenkolonne mit Blaulichtfahrzeugen vorbei rast. Pham ist mit dem kurzen Augenblick zufrieden. „Ich freue mich über dieses wundervolle Ereignis in unserer Stadt.“ Am Tag vor dem zweiten Gipfeltreffen von Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump, das dieses Mal auf vietnamesischem Boden stattfindet, zeigt sich Hanoi von einer ungewohnten Seite.

In mehreren Straßen haben sich Panzer positioniert. Staatliche Einsatzkräfte marschieren durch die Acht-Millionen-Einwohner-Metropole, die sich plötzlich für kurze Zeit im Fokus der Weltpolitik wiederfindet. Die Straßenecken im Stadtzentrum sind mit nordkoreanischen, amerikanischen und vietnamesischen Flaggen verziert. Nordkorea und die USA versetzen die Stadt in den Ausnahmezustand.

Phuonh Thu, eine 35 Jahre alte Bankangestellte, gehört ebenfalls zu den Schaulustigen, die den Trubel aus der Nähe erleben möchten. Es ist ein kühler Tag in der nordvietnamesischen Stadt. Thu trägt eine rosarote Regenjacke.

„Ich bin stolz, dass Vietnam dieses wichtige Treffen ausrichten kann“, sagt sie. „Ich würde mich freuen, wenn es für uns bald möglich ist, unkompliziert nach Nordkorea zu reisen.“ Dass Nordkorea im Fall einer Annäherung an den Westen zur gefragten Urlaubsdestination werden könnte, hatte auch Trump bereits prognostiziert.

In der Hauptstadt  Hanoi versuchen die Menschen das Fahrzeug mit dem nordkoreanischen Staatsoberhaupt Kim Jong Un zu fotografieren. Quelle: imago/Kyodo News
Menschenauflauf

In der Hauptstadt Hanoi versuchen die Menschen das Fahrzeug mit dem nordkoreanischen Staatsoberhaupt Kim Jong Un zu fotografieren.

(Foto: imago/Kyodo News)

Nach seinem ersten Treffen mit Kim in Singapur schwärmte er davon, das Land touristisch zu erschließen. „Sie haben tolle Strände“, sagte er über die Nordkoreaner. Kurz vor seinem Abflug Richtung Hanoi prophezeite Trump abermals eine rosige Zukunft für Nordkorea: „Mit einer kompletten Denuklearisierung wird Nordkorea rasant zum wirtschaftlichen Kraftzentrum aufsteigen“, schrieb er auf Twitter.

Das Bild, das Kim bei seiner Ankunft in Vietnam abgab, war dann aber noch weit von dem einer wirtschaftlichen Großmacht entfernt. Statt wie Trump mit einem Regierungsflieger anzureisen, kam er am Dienstagmorgen mit dem Zug an der Grenze an.

Kims Jet ist womöglich nicht einsatzfähig. Nach Singapur reiste Nordkoreas Machthaber im vergangenen Jahr mit einem von China geliehenen Flugzeug.

Im Grenzort Dong Dang bereitete ihm Vietnam einen Empfang mit rotem Teppich. Von dort fuhr Kim mit dem Auto weiter zu seinem Hotel nach Hanoi. Bei heruntergelassenen Fenster winkte er beim Aufbruch in Richtung der Fotografen. Einen kurzen Blick konnten die Vietnamesen dann erst am späten Abend wieder auf ihn werfen, als er sich in die nordkoreanische Botschaft in der Nähe des Ho-Chi-Minh-Mausoleums begab.

Kim Jong Un verlässt das Botschaftsgebäude in Hanoi. Quelle: Reuters
Stippvisite

Kim Jong Un verlässt das Botschaftsgebäude in Hanoi.

(Foto: Reuters)

Den genauen Ablauf seines Besuchsprogramms hielten sowohl die Nordkoreaner, als auch die vietnamesischen Gastgeber geheim. Medienberichten zufolge könnte Kim am Mittwoch Industriegebiete und Fabriken besuchen.

Der vietnamesische Konzern Vingroup bereitete sich auf den Besuch einer nordkoreanischen Delegation vor – ohne zu wissen, ob Kim unter den Besuchern sein würde. Ein erstes Treffen mit Trump, dessen Air Force One am Dienstagabend in Hanoi erwartet wird, ist erst für den darauffolgenden Mittwochabend geplant.

Dann wollen sich die beiden Staatsoberhäupter zu einem Zweiergespräch treffen. Bei einem gemeinsamen Abendessen sollen auch Berater beider Seiten anwesend sein. Der Kern des Gipfels ist für Donnerstag geplant – mit mehreren Gesprächen zwischen Trump und Kim.

Experten, die für nukleare Abrüstung plädieren, äußerten die Befürchtung, dass Trump zu große Zugeständnisse machen könnte, ohne wesentliche Änderungen in Nordkorea zu erreichen. Die möglichen politischen Konsequenzen des Treffens spielen am Tag vor dem Gipfel in Hanoi aber nur eine Nebenrolle.

Kim Jong Un und Donald Trump treffen sich beim Gipfel in Hanoi Quelle: AP
T-Shirts

Die Straßenverkäufer preisen ihre Souvenirs zum Gipfeltreffen an.

(Foto: AP)

Die Stadt feiert das Ereignis als Spektakel. Im Medienzentrum, für das sich rund 3000 Journalisten akkreditiert haben, stellte die Regierung vietnamesisches Essen vor und präsentierte anschließend ihre Sonderbriefmarke zum Gipfel. Ein paar Hundert Meter weiter versuchten Souvenirverkäufer, mit dem Treffen gute Geschäfte zu machen.

Der Kassenschlager schien ein vier Euro teures T-Shirt mit den Gesichtern Trumps und Kims zu sein. Die Botschaft, die darunter stand, richtete an die komplexen Verhandlungen eine simple Forderung: „Peace!“

Mehr: Lesen Sie hier eine Analyse dazu, was der Gipfel bringen könnte: Das wollen Trump und Kim beim Gipfel in Hanoi erreichen

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