Stockholmer Friedensforschungsinstitut Waffenexporte in den Nahen Osten boomen

Vor allem in Konfliktgebiete werden immer mehr Waffen geliefert, zeigen Zahlen des Friedensforschungsinstituts Sipri. Deutschland bewegt sich gegen den Trend.
6 Kommentare
Ein scheinbar aus Banknoten gefalteter Panzer während einer Demonstration gegen Aufrüstung und Waffenexporte in Berlin. Quelle: dpa
Waffenexporte

Ein scheinbar aus Banknoten gefalteter Panzer während einer Demonstration gegen Aufrüstung und Waffenexporte in Berlin.

(Foto: dpa)

StockholmJedes dritte ins Ausland verkaufte Waffensystem ging zuletzt in einen Staat im Nahen Osten. Vor allem wegen der Waffenlieferungen in diese Region mit den meisten kriegerischen Konflikten sind die weltweiten Waffenexporte insgesamt weiter gestiegen. Das zeigen die neuen Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri.

Auch Deutschland steigerte seine Waffenlieferungen in die Länder des Nahen Ostens, verdoppelte sie sogar. Allerdings ausgehend von einem relativ niedrigen Niveau.

Die Sipri-Friedensforscher haben die Fünf-Jahres-Periode von 2013 bis 2017 mit der von 2008 bis 2012 verglichen. Der Waffenhandel nahm in diesem Vergleich weltweit deutlich zu: insgesamt zehn Prozent. Deutschlands Anteil an allen Waffenexporten ist allerdings gesunken.

Insgesamt hat die letzte große Koalition damit ihr Versprechen gehalten, weniger Waffen exportieren zu wollen: Um 14 Prozent sanken die Ausfuhren im letzten fünf Jahres-Zeitraum laut Sipri. In Frankreich legten sie dagegen um 27 Prozent zu – weshalb Deutschland vom drittgrößten zum viertgrößten Waffenexporteur wurde, und mit Frankreich seinen Platz in der Rangfolge tauschte.

Die Bedeutung dieses Rangtausches sollte man allerdings nicht überbewerten: Die USA sind mit 34 Prozent der mit Abstand größte Waffenexporteur der Welt, gefolgt von Russland mit 22 Prozent. Die verbleibenden 44 Prozent des Weltexports teilen sich in viele kleine Tranchen auf: Frankreich kommt auf 6,7 Prozent, Deutschland auf 5,8 Prozent, China auf 5,7 Prozent, Großbritannien auf 4,8 Prozent der Exporte.

Wie Sipri-Forscher Siemon Wezeman gegenüber dem Handelsblatt erläuterte, liegt innerhalb der deutschen  Waffenexporte der Anteil des Nahen Ostens nunmehr bei einem Viertel. Am höchsten war er während des Jahres 2016: Die Lieferungen an die kurdischen Peschmerga dürften also einen wichtigen Anteil daran haben. Im Nord-Irak war es eine bewusste Strategie der Bundesregierung, Kämpfer vor Ort aufzurüsten: Die Kurden sollten den IS im eigenen Land bekämpfen, was ihnen auch gelang.

Ein Trend lässt sich auch in China ausmachen: Die Importe des Landes gehen zurück, die Exporte steigen. Dahinter steht, dass China selbst sehr viel mehr Waffen produziert als einkauft, seine Industrie modernisiert, und wie die anderen Waffenexportnationen dieses Geschäft gezielter als früher  als Mittel der strategischen Politik ausbaut.

Chinesische Waffen gingen vor allem an Pakistan. Dessen Rivale Indien wiederum blieb der größte Waffeneinkäufer der Welt, beliefert von Russland und den USA, mit einem Importanteil von zwölf Prozent. Auf Platz zwei der Importeure steht Saudi-Arabien mit zehn Prozent, wobei die Waffen vor allem von den USA und aus Europa kamen.

Wezeman erwartet, dass die Waffenexporte in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden: Raketenabwehrsysteme etwa wurden von Osteuropäern in den USA bestellt. Die EU-Staaten wollen  angesichts neuer Bedrohungen aus Russland und für den Anti-Terrorkrieg weiter aufrüsten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dri
Startseite

Mehr zu: Stockholmer Friedensforschungsinstitut - Waffenexporte in den Nahen Osten boomen

6 Kommentare zu "Stockholmer Friedensforschungsinstitut: Waffenexporte in den Nahen Osten boomen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "USA und Europa liefern massenweise Waffen in den Mittleren Osten"


    ...und der mittlere Osten schickt us dann massenweise Flüchtlinge.


    Merkels Gefasel von "die Ursachen der Flüchtlingswelle gekämpfen" ist nur noch lächerlich. Und die Sozzen sind auch nicht besser.

  • Die alten Waffen müssen ja irgendwie und irgendwo entsorgt werde, sonst braucht man ja keine neuen. Zudem heizt man so die schwelende Konflikte weiter an und kann sich dann vielleicht noch als Vermittler und Friedensbotschafter profilieren. Wir, also der Westen mit seinen Werten, sind halt die Guten.

  • Ausgerechnet die Politiker, die jetzt die Waffenexporte schärftens verurteilen, haben in der letzten Woche ca. 1000 deutsche Soldaten zusätzlich ins A U S L A N D in Kriegsgebiete geschickt.
    Wo blieb der Aufschrei der "Grünen", der "Linken", der Kirchen, der Gewerkschaftler, der Künstler, der Professoren und so weiter........????
    Es ist und bleibt eine verlogene Politik.

  • Waffen stehen für den "Frühling", wenn ich die System-Medien richtig verstanden habe, es wird also ein besonders intensives Erblühen u.s.w im Mittleren Osten geben.

  • Und so lange das so ist, müssen die Damen und Herren Waffenexporteure dann eben auch mit den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen leben. Ganz einfach!

    Bei kaum einem anderen Thema wird eine derartige Heuchelei betrieben. Da Blut klebt auch an den Händen derer, die wissen mussten, wie und wofür die gelieferten Waffen eingesetzt werden.

  • "Die USA nutzen Waffenhandel nach Ansicht der Friedensforscher als außenpolitisches Instrument, um strategische Partnerschaften zu schmieden. "

    Ach nee... sag bloss... bei welchen Staaten ist das eigentlich nicht so? Ach ja Deutschland! Da hat uns ja Frau Kässmann erklärt, dass wir ganz toll international sind.... und das heisst wir tanzen mit anderen Nationen unseren gemeinsamen Namen. Und kaputt gemacht wird das nur durch das Gewinnstreben und die pösen pösen Waffen (Achtung, die Waffen nicht die religiösen Eiferer sind auch auf staatlicher Ebene das Problem!!!). Aussderdem ist nur die Gier schuld, dass wir die Waffen verkaufen, weil da ein Haufen Geld gemacht wird.

    Also zurück zur Realität: die Summen sind im internationalen Handel vollkommen zu vernachlässigen! Und bei internationaler Kooperation ist besonders Sicherheit und Verteidigung im Fokus, und kooperieren heisst hier wirklich kooperieren und nicht im Kaffeekränzchen im Gemeindehaus dumm rumschwätzen....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%