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Strafprozess Mexikanischer Drogenboss „El Chapo“ schuldig gesprochen

Der mexikanische Drogenboss „El Chapo“ ist schuldig gesprochen und für den Rest seines Lebens zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.
Update: 12.02.2019 - 21:17 Uhr Kommentieren
Die Jury sah seine Schuld in allen zehn Anklagepunkten als erwiesen an. Quelle: Reuters
„El Chapo“

Die Jury sah seine Schuld in allen zehn Anklagepunkten als erwiesen an.

(Foto: Reuters)

New YorkDer mexikanische Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán ist in seinem Strafprozess schuldig gesprochen worden und muss für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Die Jury sah die Schuld des 61-Jährigen in allen zehn Anklagepunkten als erwiesen an, wie Richter Brian Cogan am Dienstag in New York verkündete. Für den schwersten Anklagepunkt, die Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, schreibt das Strafgesetzbuch der USA lebenslange Haft vor. Guzmán kann keinen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen und dürfte damit bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben.

Guzmán, der wegen seiner Körpergröße von 1,64 Meter den Spitznamen „El Chapo“ („der Kurze“) trägt, hörte bei Verlesung des Urteils genau zu. Er blickte dabei durch den Saal zu seiner Frau Emma Coronel und hob den Daumen. Dann wurde er abgeführt.

Das Urteil nahm er seinen Anwälten zufolge positiv hin. „Wir waren ganz ehrlich gesagt verärgerter als er“, sagte Guzmáns Anwalt Jeffrey Lichtman nach dem Schuldspruch am Dienstag in New York. „Er ist ein sehr optimistischer Typ, er hat uns wieder bessere Laune gemacht.“ Der 61-Jährige sei insgesamt ein positiver Mensch.

Richter Cogan dankte der Jury für ihr Durchhaltevermögen in dem langen Verfahren, einem der größten Strafprozesse um Drogenkriminalität in der Geschichte der USA. Die nach Bundesgesetz zulässige Todesstrafe war in dem Prozess nach einer Einigung zwischen den USA und Mexiko, die Guzmán nach seiner Festnahme ausgeliefert hatten, ausgeschlossen.

Die weiteren der insgesamt zehn Anklagepunkte drehten sich um die Herstellung und internationale Verbreitung der Drogen Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie den Gebrauch von Schusswaffen und Geldwäsche. Richter Cogan muss das Strafmaß noch offiziell verkünden.

Die US-Regierung feiert Guzmáns Verurteilung als großen Erfolg. Guzmáns „kriminelles Unternehmen flutete die Straßen der Vereinigten Staaten mit Hunderten Tonnen Kokain sowie enormen Mengen anderer gefährlicher Drogen wie Heroin und Methamphetamin“, teilte der amtierende US-Justizminister Matthew Whitaker nach dem Urteil mit.

Guzmán habe unaufhörlich versucht, den Einfluss des von ihm geführten Sinaloa-Kartells auszubauen und an Macht zu gewinnen, erklärte Whitaker. Das habe zu einer „Welle der Korruption und Gewalt“ in Mexiko sowie in den USA geführt. Das Urteil zeige die „herausragende Reichweite der US-Regierung“ und sei in dem Kampf gegen Drogenschmuggel eine „unwiderlegbare Botschaft an die in Mexiko verbleibenden Hauptakteure, dass sie letztlich festgenommen und verurteilt werden“. Die USA und Mexiko würden weiter mit allen Mitteln gegen Drogenschmuggler und deren Organisationen kämpfen.

Staatsanwalt Richard Donoghue sagte, Guzmáns „blutige Herrschaft an der Spitze des Sinaloa-Kartells ist beendet, und der Mythos, dass er nicht zur Rechenschaft gezogen werden könne, ist widerlegt“. Unter anderem lobten auch Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen und die Spitzen der Drogenbekämpfungsbehörde DEA und der Bundespolizei FBI das Urteil.

Rund 35 Stunden über sechs Tage hatte die zwölfköpfige Jury aus acht Frauen und vier Männern über Guzmáns Schuld oder Unschuld diskutiert. Auch eine Verurteilung in nur einem oder einigen der Anklagepunkte hätte für Guzmán eine jahrelange oder lebenslange Haftstrafe bedeutet. Ein Freispruch schien angesichts der teils erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess über zweieinhalb Monate massenhaft Beweismaterial vorgelegt und mehr als 50 Zeugen aufgerufen. Guzmáns Anwälte riefen dagegen nur einen einzigen Zeugen auf und beendeten ihre Verteidigung des Falls innerhalb von 30 Minuten. Ihre Strategie bestand im Wesentlichen darin, die Zeugen der US-Regierung als Lügner darzustellen, die durch Aussagen gegen Guzmán lediglich eigene Haftstrafen verringern wollten. Guzmán selbst hatte darauf verzichtet auszusagen.

Trotz der mitunter erdrückenden Beweislast und der vollständigen Verurteilung in allen Anklagepunkten wollten Guzmáns Verteidiger „natürlich“ Berufung einlegen, wie Anwalt Lichtman sagte. „Der Kampf ist noch nicht vorbei“, sagte Lichtman. Über den äußerst harten Gerichtsprozess sagte er: „Wir haben wie die Teufel gekämpft.“

Guzmán ist derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan eingesperrt. Offen ist, ob er seine Strafe dort absitzen soll oder in eine andere Haftanstalt verlegt wird. In Mexiko gelang es Guzmán bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten.

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  • dpa
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