Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Strafzölle US-Strafzölle kommen später: Was das für den Handelskonflikt mit China bedeutet

Die USA senden Entspannungssignale im Zollstreit mit China. Ob der Handelskrieg damit dauerhaft befriedet werden kann, ist allerdings ungewiss.
Kommentieren
Die USA senden Entspannungssignale im Handelsstreit mit China Quelle: AP
Robert Lighthizer und Donald Trump

Der US-Präsident und sein Handelsbeauftragter verkünden im Streit mit China einen Aufschub der nächsten Strafzollrunde.

(Foto: AP)

Washington, Berlin, Düsseldorf US-Präsident Donald Trump gibt dem massiven Druck aus der Industrie vorerst nach. Amerikanische Unternehmen warnen seit Monaten vor den wirtschaftlichen Folgen neuer Strafzölle gegen China, jetzt zieht die US-Regierung Konsequenzen. Laut Trumps Handelsbeauftragtem Robert Lighthizer werden einige chinesische Importe, die ab September mit neuen Barrieren belegt werden sollten, zunächst verschont.

Demnach sollen die Strafzölle, unter anderem für „Mobiltelefone, Laptops, Videospielkonsolen, einige Spielzeuge, Computermonitore und bestimmte Schuh- und Kleidungsstücke“, erst am 15. Dezember in Kraft treten. Das ist erheblich später als ursprünglich geplant und könnte das wichtige Weihnachtsgeschäft vor Einbußen schützen.

Lighthizer zufolge sollen einige Produkte dauerhaft von den Strafzölle-Listen verschwinden, im Verlauf des Dienstags werden weitere Details erwartet. Das genaue Handelsvolumen der Produkte, die vorerst verschont werden, ist unklar. Allerdings dürfte deren Anteil signifikant sein: Allein die US-Importe chinesischer Mobiltelefone umfassen jährlich über 40 Milliarden US-Dollar.

Die Entscheidung ist das erste Zeichen seit langer Zeit, dass Trump die Auswirkungen des Handelskonflikts mit China abmildern möchte. Der Handelskrieg mit China gilt als größter Risikofaktor für Trumps ansonsten positive Wirtschaftsbilanz. Trumps Handelsbarrieren haben die Produktionskosten für US-Unternehmen erhöht, vor allem in der Verarbeitung von Rohmaterialien, aber auch in der Fertigung.

Darüber hinaus leiden Landwirte unter den chinesischen Vergeltungszöllen auf Agrarprodukte. Im Juli waren Gespräche über einen Handelspakt in Schanghai ergebnislos zu Ende gegangen. Anschließend hatte Trump neue Strafzölle auf chinesische Produkte im Gesamtwert von 300 Milliarden US-Dollar angedroht. Parallel sind Handelsschranken auf Waren im Wert von 250 Milliarden US-Dollar in Kraft, der Freihandel zwischen den beiden größten Industrienationen der Welt wird immer weiter gedrosselt.

Jetzt rudert Trump zumindest teilweise von seinem Vorstoß zurück, der Aufschub könnte nun Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen. Lighthizer teilte mit, er habe mit dem chinesischen Vizepremier Liu He gesprochen, man wolle in zwei Wochen erneut telefonieren. Das chinesische Handelsministerium bestätigte die Gespräche chinesischer ranghoher Unterhändler mit Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin.

Trump selbst hat die jüngsten Gespräche mit China zu einem Handelsabkommen als „sehr produktiv“ bezeichnet. Es sei ein sehr gutes Gespräch gewesen, China wolle unbedingt ein Handelsabkommen, sagte Trump am Dienstag. Peking habe auch signalisiert, mehr landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen zu wollen, sagte der US-Präsident.

Gute Nachrichten für Investoren

Die Märkte reagierten auf die Nachrichten positiv. In Frankfurt drehte der Kurs des Dax im Tagesverlauf von einem Minus von 1,2 Prozent auf ein Plus von rund 0,6 Prozent. Die führenden US-Aktienindizes erholten sich ebenfalls unmittelbar. Aktien des Tech-Giganten Apple legten um etwa fünf Prozent zu.

Der Konzern hatte davor gewarnt, dass neue Strafzölle sämtliche in China hergestellte Prestige-Produkte wie iPhones, iMacs und iPads schaden würden. Trump hatte Wünsche nach Ausnahmen noch im Juni abgeschmettert. „Produziert halt in den USA, dann müsst ihr auch keine Zölle fürchten“, twitterte er damals. Nun scheint die US-Regierung zumindest zeitweise die Warnrufe der Branche erhört zu haben.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Inflation in den USA im Juli stärker angestiegen ist als erwartet. Die Verbraucherpreise legten um 1,8 Prozent zum Vorjahresmonat zu, wie das Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte. Auch die Kerninflation lag mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent im Jahresvergleich über den Analystenerwartungen. Präsident Trump hatte zuletzt immer wieder betont, dass es praktisch keine Inflation in den USA gäbe.

Damit erhöhte er den Druck auf die Notenbank Fed, den Leitzins weiter zu senken, was zugleich als Wirtschaftsstimulus fungieren sollte. Gerade der Anstieg der Kerninflation, der nun im Zielbereich von zwei Prozent liegt, verringert diesbezüglich den Handelsspielraum der Fed.

Ob der Handelskrieg durch die US-Maßnahme dauerhaft befriedet werden kann, ist allerdings ungewiss. Einst als temporäres Druckmittel gedacht, sind US-Importbarrieren längst Dauerzustand, auch im Streit mit Japan, Mexiko, Kanada und der Europäischen Union. Trump behält neue Strafzölle in Höhe von 25 Prozent vor, sollte China sich nicht bewegen. Washington wirft Peking vor, dass es ausländische Unternehmen vor dem Marktzugang dazu zwingt, Wissen und Innovationen preiszugeben.

Ein weiterer Knackpunkt sind chinesische Subventionen und Steuervergünstigungen für staatseigene Unternehmen. Die USA wollen die chinesische Seite darüber hinaus verpflichten, große Mengen an Agrarprodukten oder Flüssiggas abzukaufen. China fordert, dass die Strafzölle im Gegenzug komplett aufgehoben werden, und dass das Weiße Haus Beschränkungen für das umstrittene chinesische Telekommunikationsunternehmen Huawei lockert.

Die Bundesregierung begrüßte derweil die Entscheidung aus Washington. Alles was zur Entspannung beitrage, sei gut, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Dies könne allerdings nur ein erster Schritt sein.

Für Deutschland sei entscheidend, ob Trump auf die angedrohten Strafzölle auf Autoimporte aus der Europäischen Union verzichte. Zudem sehe man die geplanten US-Sanktionen wegen der geplanten Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland mit großer Sorge.

Mehr: Die Gefahr einer globalen Rezession ist real, doch mit den richtigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen wäre eine Krise vermeidbar. Fünf Vorschläge.

Startseite

Mehr zu: Strafzölle - US-Strafzölle kommen später: Was das für den Handelskonflikt mit China bedeutet

0 Kommentare zu "Strafzölle: US-Strafzölle kommen später: Was das für den Handelskonflikt mit China bedeutet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote