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Straße von Hormus Britische Reederei P&O sagt alle Kreuzfahrten im Persischen Golf ab

Die zunehmenden Spannungen am Persischen Golf führen zu erheblichen Einschnitten der Seefahrt: Nach BP zieht sich auch der Kreuzfahrtriese P&O zurück.
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P&O Cruises hat alle Kreuzfahrten im Persischen Golf für die kommende Wintersaison 2019/20 abgesagt.
Oceana-Kreuzfahrtschiff

P&O Cruises hat alle Kreuzfahrten im Persischen Golf für die kommende Wintersaison 2019/20 abgesagt.

Berlin Der Kreuzfahrtriese P&O lässt keine Schiffe mehr durch die Straße von Hormus fahren. Zuvor hatte bereits der britische Ölriese BP bekanntgegeben, keine Schiffe mehr das Nadelöhr der internationalen Ölindustrie passieren zu lassen. Nach dem Festsetzen von zwei Tankern durch die iranischen Revolutionsgarden an der Straße von Hormus sowie eines iranischen Megatankers vor Gibraltar steigen die Spannungen am Persischen Golf massiv.

P&O Cruises hat alle Kreuzfahrten im Persischen Golf für die kommende Wintersaison 2019/20 abgesagt, teilte Firmenchef Paul Ludlow mit. Alle bestehenden Buchungen von Oktober an würden storniert und die Kunden voll entschädigt. Angesichts der zunehmenden Spannungen in der Region sei es nicht sinnvoll, an Kreuzfahrten mit Basishafen Dubai festzuhalten.

Ludlow begründete im Fachmagazin „Breaking Travel News“ seine „ungewöhnliche Entscheidung“ so: „Obwohl wir zu schätzen wissen, dass unsere Gäste enttäuscht sein werden, ist die Sicherheit unserer Gäste und Crew von größter Bedeutung. Angesichts unseres Status als britisches Unternehmen und der Unsicherheit in der Region mussten wir diese schwierige Entscheidung treffen.“ Das Schifffahrtsunternehmen lässt seine Schiffe, darunter auch die in Dubai stationierte „Oceana“, zwar unter der Flagge des britischen Überseegebiets der Bermudas fahren, gilt aber als eine britische Reederei.

P&O ist bisher die erste Kreuzfahrt-Reederei, die Konsequenzen aus den zunehmenden Spannungen in der Region zieht. Aus diplomatischen Kreisen in Europa heißt es, dass auch andere Branchengrößen über mögliche Einschnitte nachdenken.

„Touristen an Bord werden ja wohl schlecht in Begleitung einer Marine-Fregatte herumgefahren werden können“, sagte ein Diplomat mit Verweis auf die Diskussion um US- und europäische Militärmissionen im Persischen Golf.

Die Bundesregierung lehnt eine Beteiligung an einer US-Mission ab, da Washington eine völlig andere Iran-Politik betreibe und man in einen US-Konflikt mit Teheran hineingezogen werden könnte. Zugleich prüfen Berlin und Paris eine eigene europäische Beobachtermission rund um die Straße von Hormus, durch die ein Drittel des weltweit verbrauchten Öls verschifft wird.

Deutschland ist nicht nur wegen der in Rostock ansässigen Aida Cruises, einer Marke des britisch-amerikanischen Kreuzfahrtunternehmens Carnival Corporation zu der auch P&O gehört, ein wichtiger Kreuzfahrten-Markt. So sind deutsche Schiffbauer führend im Bau der Überseegiganten – und Deutschland einer der wichtigsten Märkte für Kreuzfahrten.

Die Vereinigten Arabischen Emirate in der Immobilienkrise

Vor allem für Dubai ist der Rückzug von P&O ein herber Rückschlag: Erst am Mittwoch hatte das Emirat am Persischen Golf den Abschluss seiner Kreuzfahrtsaison 2018/2019 mit einem Rekordanstieg von 51 Prozent bei Kreuzfahrttouristen und einem Anstieg von 38 Prozent bei der Zahl der ankommenden und abfahrenden Kreuzfahrtschiffen verkündet. Demnach fertigte das Mina Rashid Cruise Terminal in Dubai insgesamt 846.176 Kreuzfahrtbesucher und 152 Schiffsanläufe während der Saison ab. Für die kommende Saison 2019/2020 waren bisher 211 Schiffsanläufe bestätigt, heißt es in einer Stellungnahme Dubais. Ob es dazu aber nun auch kommen wird, ist offen.

Gehörten die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen auch Dubai zählt, mit Saudi-Arabien bisher zu den engsten Verbündeten der USA gegen den Iran, hat das Land politisch seine Rhetorik gegenüber Teheran deutlich abgeschwächt. Die VAE und Saudi-Arabien wollten „Verhandlungen, um die Spannungen zwischen den USA und Iran abzubauen“, sagte VAE-Staatsminister Anwar Gargash kürzlich. Es gebe „nur politische Lösungen“.

In diplomatischen Kreisen wird diese Kurskorrektur der bisherigen Anti-Iran-Koalition am Golf damit begründet, dass „Dubai am schlimmsten unter einer militärischen Konfrontation in der Region leiden“ würde. In die VAE reisen jährlich inzwischen 20 Millionen Touristen und schon jetzt hat Dubai erhebliche Probleme, all die neu gebauten Hotels vollzubekommen.

Das Emirat, in dem mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa das welthöchste Gebäude steht und das 2020 die Weltausstellung Expo austrägt, durchleidet momentan eine erhebliche Immobilienkrise – die allerdings auch schon vor Ausbruch des Tanker-Kriegs an der Straße von Hormus begann.

Mehr: Die USA fordert von US-Handelsschiffen vorab Informationen über ihre Passagen durch den Persischen Golf. Grund sind die politischen Spannungen.

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