Straßenschlachten in Kiew „Krieg gegen das eigene Volk“

In der Ukraine hat sich die Lage dramatisch zugespitzt: Die Polizei stürmte den Maidan, das Ministerium spricht von 25 Toten. Am Morgen äußerte sich Präsident Janukowitsch zu den Gewalttaten – und drohte der Opposition.
Update: 19.02.2014 - 07:52 Uhr 19 Kommentare

Nacht der Gewalt erschüttert Kiew

Kiew/LembergBrennende Reifen, Tränengasschwaden und tödliche Schüsse: Der Machtkampf in der Ukraine ist völlig außer Kontrolle geraten. Bei den schwersten Ausschreitungen in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion sind in Kiew mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Das Innenministerium in Kiew teilte am Mittwoch mit, dass mindestens neun Polizisten bei den Ausschreitungen starben. Zudem sei mehr als ein Dutzend Demonstranten getötet worden. Ein Journalist der ukrainischen Tageszeitung „Westi“ wurde von unbekannten Maskierten erschossen.

Bei den Opfern auf beiden Seiten gebe es mehrere tödliche Schussverletzungen, sagte ein Polizeisprecherin. 241 weitere Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Mittwoch in Krankenhäuser gebracht, unter ihnen 79 Polizisten und fünf Journalisten.

Tausende Polizisten hatten am Dienstagabend ein Protestlager der Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan gestürmt. Rund 20.000 Regierungsgegner setzten sich mit Steinen, Knüppeln und Brandbomben zur Wehr und sangen dabei die Nationalhymne.

Gegen Mitternacht geriet das Hauptquartier der Regierungsgegner am Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Brand. Menschen wurden auf Tragen aus dem Gebäude gebracht. Die Feuerwehr konnte die Flammen später teilweise löschen. Auf dem Platz setzten sich Tausende Demonstranten gegen ein massives Aufgebot von Einsatzkräften der prorussischen Regierung zur Wehr. Im Zentrum von Kiew brannte es an vielen Stellen. „Hier sieht es aus wie in einem Krieg gegen das eigene Volk“, sagte Dmitro Schulko, einer der Demonstranten. Der 35-Jährige trug eine Brandbombe in den Händen, bereit, sie zu werfen. „Wir werden uns selbst verteidigen“, sagte er.

Nach der Gewalteskalation in der Ukraine hat Präsident Viktor Janukowitsch die Oppositionsführer aufgefordert, sich von radikalen Kräften zu distanzieren. Es sei noch nicht zu spät, den Konflikt und die Gewalt zu beenden, teilte Janukowitsch am frühen Mittwochmorgen mit. Einige Regierungsgegner hätten eine Linie überschritten, als sie ihre Anhänger aufgerufen hätten, mit Waffen auf den Unabhängigkeitsplatz zu ziehen. Es handle sich um Kriminelle, die vor Gericht gebracht würden.

Sollten sich die Oppositionsführer nicht von diesen radikalen Kräften distanzieren, werde er einen anderen Ton anschlagen, fügte der Präsident warnend hinzu. Ein nächtliches Krisentreffen zwischen Janukowitsch und den Oppositionsführern war zuvor ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

„Leider bringe ich keine guten Nachrichten von dem Gespräch mit“, sagte Klitschko am Mittwochmorgen der Online-Seite von „Ukrainska Prawda“ zufolge. Bei dem Treffen habe man sich nicht auf eine friedliche Lösung der Krise verständigen können. Die Verhandlungen über eine Normalisierung der Lage im Lande seien gescheitert. Klitschko warf Janukowitsch vor, die Situation falsch einzuschätzen.

Klitschko erklärte, er habe das Gespräch beendet, nachdem Janukowitsch eine bedingungslose Räumung des zentralen Unabhängigkeitsplatzes durch die Demonstranten gefordert habe. Es blieb zunächst unklar, ob die beiden übrigen Oppositionsführer das Gespräch mit Janukowitsch fortsetzten.

„Anti-Terror-Organisation“ schlägt zu
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

19 Kommentare zu "Straßenschlachten in Kiew: „Krieg gegen das eigene Volk“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Wann greift hier endlich Putin ein und besetzt die Ukraine .

    Klitschko hat hier einen Bürgerkrieg angezettelt im Auftrag der EU u.USA u. hofft nun dass Merkel ihm zur Seite springt .

    Die EU hat eigentlich schon genug Armenhäuser ,da müssen deutsche Bürger nicht noch zusätzlich zur Kasse genötigt werden von Merkel .

    Klitschko sollte man einsperren wegen Landfriedensbruch ,Gründung einer kriminellen Vereinigung, Volksverhetzung usw. .

    Das ukrainische Volk hat demokratisch gewählt mit der jetzigen Regierung nur hat die EU u. USA einen Dummen gesucht wie Klitschko um das Volk gegen die Regierung aufzuwiegeln .

    Ausländische Söldner haben auftragsweise von EU u. USA den Terror im Land losgeschlagen .Was jetzt kommt hat allein Klitschko mit seinen Auftraggebern zu verantworten.

    Die EU u. USA wollen nur das Land besetzen aus strategischen ,politischen Gründen um dort Raketen gegen Putin aufzustellen .

    Das Volk ist dabei nur im Weg der Kriegstreiber . Der" Kalte Krieg" zwischen den USA u. Rußland hat jetzt wieder Realität.

    Klitschko sollte sich schnell aus dem Staub machen sonst wird er vom ukrainischen Volk um sein Leben gebracht .

    Putin wird keine EU u. USA vor der Haustür dulden u. über Nacht das Land besetzen .

    Die Pläne dafür sollen nach geheimdienstlichen Angaben schon existieren .

    Deutschland wird keinen 3.Weltkrieg unterstützen .

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

  • Es wird ein kurzer und heftiger Kampf werden. Betrachtet man es von dem Zahlen:
    20.000 Berkuts und ca. 5.000 Sicherheitskräfte des Innenministerium. gegen das Volk! Das Militätr ist neutral und sympathisiert eigentlich mit dem Volk. Anders als in Russland steht das Militär nicht hinter der Regierung. Wenn die Massen sich bewegen, adiue Janukowitsch und sein kriminelles Gesockse. Die landen alle vor einem nationalen Volksgericht! Die Berkuts wird es dann auch nicht mehr geben, die werden aufgelöst werden.

  • Wenn die Winterspiele vorbei sind, wird sich auch der schwarze Qualm in Kiew verzogen haben, der eine Aufklärung der Vorkommnisse stark einschränkt.

    Dann kann mit vereinten Kräften - auch mit Deutschen Spezialisten wenn sie von der Ukrainischen Regierung eingeladen werden - geklärt werden, wer die Brandsätze geworfen und das Hauptquartier der Regierungsgegner zerstört hat.

    Dort führt leider das "Eigene Volk Krieg gegen die Eigene Regierung".

  • Auslöser der Räumung war der Aufruf und Benutzung der Demonstranten zur Waffengewalt um erneut Aufmerksamkeit zu erregen. Ansonsten würden die paar Hanseln die da auf den Straßen demonstrieren die internationale Gemeinde eh nicht mehr interessieren (mal abgesehen von Amerika und hier). Außerdem ist jetzt für die amerikanisch geführte (wie das Telefonat der Frau aus Amerika bewies) Demonstration in Verbindung mit den OlySpielen ein perfekter propangandistischer Zeitpumkt. Die von USA geführten sind das widerlichste an der ganzen Sache um die tut´s mir nicht leid.

  • Die Opposition sollte keine Gewalt anwenden und verhandeln, einen Ausgleich auf friedlichem Wege suchen.
    Es gibt für Janukowitsch auch noch eine andere Option, die dem "Westen" und der Opposition nicht gefallen dürfte :
    Er schafft gewaltsam "Ruhe", errichtet eine Diktatur nach der Vorgabe von Weissrussland und inhaftiert die Oppositionsführer wegen Hochverrats.
    Was macht dann der "Westen" ? NICHTS !!!! oder er riskiert in letzter Konsequenz eine Auseinandersetzung mit der Atommacht Russland.

  • Handelsblatt = Propaganda * ( Meinungsmanipulation + Lügen ) ^ 2

  • Blackout
    Europa zeigt wieder einmal sich von der politisch schlechtesten Seite.
    Wie war es in den Jahren 1990 folgenden, als Serbien in Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo mit Hilfe von Russland Völkermord begehen konnte ???
    Europa hat gehofft mit Diplomatie, das zu Regeln, was ist aber passiert ??? N I C H T S !!!!
    Dann haben die Volksvertreter wieder einmal die Amerikaner angerufen und die mussten wieder ihren Kopf hinhalten, für unsere gewählten Volksvertreter, die Weicheier !!!
    Da sieht man doch, das mit diplomatischen Gesprächen keine Friedensbekundungen halten.
    Das ein Janukowitsch seine Machtstellung auskostet um seinen Reichtum in das Ausland zu verfrachten, scheint niemand zu interessieren.
    (...)Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @ heidi,
    Haben Sie wirklich gedacht dass man ein Volk (die Deutsche) in nur 70 Jahren ändern?
    Wie damals die deutsche Großkonzerne diktieren der Regierung die Politik.

  • Krieg gegen das eigene Volk, geschürt von der EU und an deren Spitze Deutschland. Was ist aus uns nur geworden?

  • Der Westen versagt leider direkt vor seiner Haustüre. Zu groß scheint die Angst vor einer Konfrontation mit Russland. Entweder sollten die angedrohten Sanktionen jetzt kommen, oder sich eingestanden werden, dass der Westen kein Macht und ausreichende Motivation besitzt für Menschenrechte und ihre Werte einzustehen. Dass leere Drohungen hingegen die Einflussmöglichkeiten minimieren, kann sehr gut an der Entwicklung in Syrien gesehen werden. Die EU und der Westen bleiben eine Festung: gut für alle, die drin sind. Schlecht für alle, die glauben das der Westen seine Werte auch außerhalb vertritt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%