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Taxi-Streik in Madrid

Taxifahrer blockierten am Montag die Castellana Avenue.

(Foto: AP)

Streik in Madrid Spanische Taxifahrer erzielen Erfolge gegen Uber – und schaden sich selbst

Taxifahrer blockieren in Madrid eine Hauptstraße, um schärfe Regeln für ihre Mitbewerber zu fordern. Die Proteste wirken sich für die Branche jedoch auch negativ aus.
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Madrid In der Nacht zu Montag war Madrids Hauptverkehrsader, der Paseo de la Castellana, ein Meer aus weißen Taxis: Rund 2000 „Taxistas“, die auch aus anderen Regionen Spaniens gekommen waren, verbrachten die Nacht in ihren Wagen, um am Montagmorgen ein Verkehrschaos zu verursachen – und damit noch einmal auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Sie fordern schärfere Regeln für die digital buchbare und weniger regulierte Konkurrenz von Uber und anderen Anbietern. Schon im vergangenen Sommer hatte die Taxibranche zahlreiche spanische Städte mit Streiks lahmgelegt. Hinter den Protesten steht der Versuch einer etablierten Branche, sich gegen junge Wettbewerber zu schützen.

Die spanischen Taxifahrer fürchten, dass das starke Wachstum der neuen Fahrdienste die teuer erworbenen Taxi-Lizenzen wertlos macht. Eine Lizenz kostet aus zweiter Hand beim Weiterverkauf rund 130.000 bis 140.000 Euro – und spiegelt damit dem Wert wider, den der Markt dem bislang gut geschützten Taxigeschäft beimisst. Auch Konkurrenten wie Uber oder der spanische Fahrdienstanbieter Cabify benötigen Lizenzen, deren Preise liegen beim Verkauf aber nur bei rund 50.000 Euro.

Die Taxifahrer beschweren sich außerdem, dass sie anders als die neuen Rivalen strikten Vorschriften unterliegen, etwa zwei Ruhetagen pro Woche oder die Begrenzung auf ein Stammgebiet. Sie fordern aber keine Liberalisierung ihrer Restriktionen, sondern Daumenschrauben für die Neuen.

Dabei berufen sich die Taxifahrer auf ein Gesetz aus dem Jahr 2015, das die Anzahl von privaten Fahrdiensten festlegt: Demnach sollte auf 30 Taxis nur ein Fahrdienst kommen. In der Realität ist das Verhältnis aber sechs Mal so hoch: Auf fünf Taxis kommt ein Fahrdienst. In Metropolen wie Madrid und Barcelona ist die neue Konkurrenz noch stärker.

Die spanische Regierung hat das heikle Thema bei der ersten Streikwelle im Sommer auf die 17 autonomen Regionen des Landes abgewälzt. Auf regionaler Ebene könnten die Zahlen besser kontrolliert werden, wurde dies begründet.
Das hat der Taxibranche einen ersten Erfolg beschert.

In der vergangenen Woche hat die Regionalregierung von Katalonien vorgeschlagen, dass Kunden von Diensten wie Uber und Cabify die Wagen nicht mehr sofort, sondern mit mindestens einer Viertelstunde Vorlauf ordern müssen. Diese Spanne kann lokal auf bis zu eine Stunde erhöht werden – was die Hauptstadt Barcelona offenbar beabsichtigt. Uber und Cabify drohten daraufhin damit, Barcelona zu verlassen. Dies wäre für die Taxifahrer ein großer Erfolg.

In Madrid räumte die Polizei am Montag die Blockade der Castellana und ließ die Taxis abschleppen. Die Madrider Regionalregierung hatte vorgeschlagen, dass ein Fahrdienst mindestens 300 Meter von dem Kunden entfernt sein müsse, der ihn bucht. Die „Taxistas“ lehnten das Angebot postwendend ab und streiken weiter unbefristet.

„Kollaps der Stadt“

Die spanische Wettbewerbsaufsicht CNMV, die sich in der Vergangenheit bereits für eine Liberalisierung des Marktes eingesetzt hat, forderte die Regionen auf das Überleben der neuen Fahrdienste zu sichern. Sie hält das einst festgesetzte Verhältnis von 1:30 für nicht sinnvoll, weil es die Zahl der Wagen „künstlich beschränkt“ und damit die Fähigkeit des Marktes „neue Dienste zu entwickeln und zu verbessern, die den Bürgern nutzen“.

Zu den Innovationen der neuen Dienste gehört etwa das Angebot des spanischen Wettbewerbers Cabify, die Kunden per App oder direkt im Wagen die Musik und die Temperatur festzulegen oder gratis eine kleine Flasche Mineralwasser zu trinken. Die wiederholten Streiks und Blockaden könnten den Taxifahrer schaden: Zum einen treiben sie der Konkurrenz damit neue Kunden in die Arme. Die Zahl der Spanier, die sich in der vergangenen Woche die Uber-App auf ihr Handy luden, war vier Mal größer als in der streiklosen Woche davor.

Zum anderen bringen sie mit ihren Verkehrsblockaden die Bevölkerung und Verhandlungspartner gegen sich auf. „Das legitime Streikrecht beinhaltet nicht den Kollaps der Stadt“, erklärte der Abgesandte der spanischen Regierung in Madrid, Manuel Rodríguez Uribes. In einer Online-Umfrage der katalanischen Tageszeitung La Vanguardia gaben 72 Prozent der Befragten an, der dort geplante Schutz der Taxibranche schade den Kunden.

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