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Streit mit der Türkei Warum die USA jetzt Griechenland und Zypern umwerben

Wegen der Spannungen mit der Türkei baut Washington seine Verbindungen zu Griechenland und Zypern aus. Für die umworbenen Partner ist das riskant.
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Ausgerechnet unter dem linksgerichteten griechischen Premierminister Alexis Tsipras kommen sich Athen und Washington näher. Quelle: Reuters
Alexis Tsipras und Donald Trump

Ausgerechnet unter dem linksgerichteten griechischen Premierminister Alexis Tsipras kommen sich Athen und Washington näher.

(Foto: Reuters)

AthenDer zyprische Staatspräsident sitzt auf einem Hügel über der Inselhauptstadt Nikosia, in einem schlichten zweistöckigen Gebäude aus der britischen Kolonialzeit. Staatsgäste kommen nicht oft auf das entlegene Eiland im östlichen Mittelmeer. Und wenn doch, ist der Andrang der örtlichen Medien umso größer. Wie diese Woche, als Staatschef Nikos Anastasiades den US-Senator Bob Menendez begrüßte.

Während Menendez den Medienvertretern vom „Beginn einer neuen Ära“ in den Beziehungen der USA zu Zypern berichtete, machte im griechischen Hafen Piräus die „USS Mitscher“ fest, ein Lenkraketenzerstörer der United States Navy. Kommandant Ian Scaliatine organisierte eine Führung für griechische Medienvertreter. „Unsere Zusammenarbeit mit Griechenland ist von vitaler Bedeutung für die Sicherheit in dieser extrem wichtigen Region“, erklärte der Fregattenkapitän den Journalisten.

Beide Besuche signalisieren einen Paradigmenwechsel im östlichen Mittelmeer. Während in den Beziehungen zwischen den USA und der Türkei eine Eiszeit anbricht, erwärmt sich Washington zunehmend für Griechenland und Zypern als Partner in der Region.

Mit der Bestellung russischer Luftwahrraketen vom Typ S-400 hat der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan eine schwere Krise im Verhältnis zu den USA heraufbeschworen. Die US-Regierung droht Erdogan nicht nur mit einem Lieferstopp bestellter Tarnkappenjets vom Typ F-35. Sie könnte auch Wirtschaftssanktionen verhängen.

Aber ungeachtet aller Warnungen will Erdogan an dem Deal festhalten. Die russischen Raketen sollen ab Juli geliefert werden. In Washington wachsen die Zweifel an der Bündnistreue des Nato-Partners. Damit kommen Griechenland und Zypern ins Bild.

Vor seiner Abreise nach Nikosia brachte der demokratische Senator Menendez gemeinsam mit seinem republikanischen Kollegen Marco Rubio einen überparteilichen Gesetzentwurf zur Sicherheits- und Energiepartnerschaft im östlichen Mittelmeer in den Kongress ein. Ziel ist es, die Kooperation zwischen Griechenland, Israel und Zypern bei der Erdgasförderung im östlichen Mittelmeer und die militärische Zusammenarbeit der drei Länder zu unterstützen.

Zugleich erhöht der Gesetzentwurf den Druck auf Ankara. Er sieht vor, dass die USA keine F-35-Kampfflugzeuge an die Türkei liefern dürfen, solange die Regierung in Ankara an der Beschaffung der russischen Raketen festhält. Das US-Außenministerium soll außerdem verpflichtet werden, dem Kongress binnen 90 Tagen eine detaillierte Aufstellung über die Verletzungen des Luftraums Griechenlands und Zyperns durch türkische Militärmaschinen vorzulegen.

Türkei erhebt Ansprüche auf Bodenschätze vor Zypern

Ankara zieht nicht nur die Grenzen in der Ägäis in Zweifel. Die Türkei, die seit 1974 den Nordteil Zyperns mit 35.000 Soldaten besetzt hält, erhebt auch Ansprüche auf die Bodenschätze vor der Südküste des EU-Staates Zypern. Dort bohrt unter anderem der US-Energiekonzern Exxon Mobil nach Erdgas.

„Wir machen klar, dass wir die Aggression der Türkei im östlichen Mittelmeer nicht länger dulden“, sagte Menendez. Er und Rubio fordern jetzt eine Aufhebung des Waffenembargos, das die USA 1987 gegen Zypern verhängt hatten, um eine friedliche Lösung der Inselteilung zu fördern. Außerdem schlagen die Senatoren Militärhilfen für Griechenland und Zypern in Höhe von insgesamt sieben Millionen Dollar vor. Senator Rubio: „Es ist für die USA an der Zeit, diese Zusammenarbeit zu vertiefen und unseren Verbündeten zu helfen, die Sicherheit im östlichen Mittelmeer zu garantieren.“

Auf militärischer Ebene verhandeln Washington und Athen bereits über eine engere Kooperation. Im Gespräch ist unter anderem die Stationierung von KC-135-Tankflugzeugen der US Air Force auf der griechischen Luftwaffenbasis Larissa und die Nutzung der Flughäfen von Thessaloniki und Alexandroupolis durch die Amerikaner. Souda Bay auf Kreta ist bereits einer der wichtigsten Marinestützpunkte der US Navy im Mittelmeer. Jetzt ist eine weitere Basis auf der Insel Karpathos im Gespräch.

Schon im Dezember 2018 startete das US-Außenministerium mit Griechenland einen „Strategischen Dialog“ über eine engere Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen, aber auch in der Energiepolitik. Washington unterstützt die die Pläne Griechenlands, Zyperns und Israels zum Bau der East-Med-Pipeline, die Erdgas aus dem östlichen Mittelmeer nach Italien bringen soll. Die Leitung würde Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen.

Die Beziehungen zwischen den Washington und Athen sind inzwischen so eng wie zuletzt in den 1960er-Jahren, vor dem von den USA goutierten Putsch der Athener Obristen, der in Griechenland eine Welle des Anti-Amerikanismus auslöste. Ausgerechnet unter dem Links-Premier Alexis Tsipras, der noch vor wenigen Jahren als Oppositionsführer gegen den „US-Imperialismus“ wetterte, kommen sich Athen und Washington näher – ein weiteres Beispiel für Tsipras‘ erstaunliche Wandlung vom linksradikalen Rebellen zum nüchternen Realpolitiker.

Griechenlands geostrategisches Gewicht wächst durch das Zerwürfnis zwischen Ankara und Washington. Das bedeutet aber auch neue Risiken. Eskaliert der Raketenstreit mit den USA, könnte die Türkei für die Griechen und Zyprer zu einem völlig unberechenbaren Nachbarn werden.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar will eine der S-400-Batterien bei Istanbul stationieren. Die Raketen haben eine Reichweite von 380 Kilometern. Damit könnte die Türkei Flugzeuge über Nordgriechenland und der östlichen Ägäis abschießen.

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