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Streit zwischen USA und China Chinas Techkonzerne ziehen jetzt nach Singapur um

Die Konzerne Bytedance, Alibaba und Tencent stellen ihr internationales Geschäft neu auf. Nicht nur wegen des Konflikts mit den USA ist China nicht mehr die erste Wahl.
17.09.2020 - 12:06 Uhr 1 Kommentar
Bytedance plant in Singapur laut Bloomberg ein neues Datenzentrum. Quelle: Reuters
Illustration des Tiktok-Logos

Bytedance plant in Singapur laut Bloomberg ein neues Datenzentrum.

(Foto: Reuters)

Bangkok Der Konzern, den die Regierungen in den USA und Indien als eine Gefahr für die nationale Sicherheit sehen, interessiert sich in Singapur nicht nur für die Daten seiner Nutzer. Er will auch deren Geld. Bytedance, der aus China stammende Eigentümer der umstrittenen Video-App Tiktok, hat in dem südostasiatischen Stadtstaat Medienberichten zufolge eine digitale Banklizenz beantragt – und plant gleichzeitig, eine Milliardensumme in der Metropole zu investieren.

Die dortige Niederlassung soll als künftige Schaltstelle für eine Expansion in neuen Wachstumsmärkten dienen, die chinesischen Investitionen noch aufgeschlossen gegenüberstehen.

Bytedance tritt damit die Flucht nach vorn an: Das Unternehmen war zuletzt ins Zentrum geopolitischer Konflikte geraten. US-Präsident Donald Trump hatte gesagt, dass die Regierung in Peking über Tiktok auf Daten von US-Bürgern zugreifen kann, und deshalb mit einem Verbot der App gedroht. Seine Regierung muss nun darüber entscheiden, ob eine geplante Partnerschaft zwischen Bytedance und dem US-Konzern Oracle die Bedenken ausräumen kann.

Trump hat indes die Aussichten für den Deal gedämpft: Mit einer Lösung, derzufolge Oracle die Rolle eines „Technologie-Partners“ übernehmen und Bytedance die Mehrheit behalten soll, wäre er „nicht glücklich“, sagte Trump am Mittwoch. Er werde allerdings erst am Donnerstag über Einzelheiten des Plans informiert. Das „Wall Street Journal“ berichtete, das Weiße Haus dringe darauf, dass US-Investoren die Mehrheit an Tiktok bekommen.

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Standort erkennen

    In Indien, gemessen an den Nutzerzahlen einer der größten Internetmärkte der Welt, ist Tiktok bereits verboten. Die Regierung in Delhi hatte die App verbannt, nachdem es zu einer Eskalation im Grenzstreit mit China gekommen war.

    Das harte Durchgreifen der Regierungen führt Chinas Techkonzernen vor Augen, wie schnell ihre globalen Ambitionen durch politische Konflikte ausgebremst werden können. Vor dem Hintergrund sortiert nun nicht nur Bytedance sein internationales Geschäft neu. Auch die führenden chinesischen Internetunternehmen Tencent und Alibaba suchen nach einem neuen Standort außerhalb Chinas, der von politischen Auseinandersetzungen mit Peking unbelastet ist – und werden in Singapur fündig.

    Der aus Shenzhen stammende Technologiekonzern Tencent, der mit seiner App Wechat wie Bytedance in den USA und Indien mit Verboten konfrontiert ist, kündigte diese Woche an, ein neues Regionalzentrum in Singapur aufzubauen. Dieses solle das Wachstum des Unternehmens in Südostasien und darüber hinaus unterstützen, teilte das Unternehmen mit.

    Auch der von Jack Ma gegründete E-Commerce-Konzern Alibaba hat in der Region offenbar große Pläne: Er befindet sich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg in Verhandlungen über eine Drei-Milliarden-Dollar-Investition in das südostasiatische Mobilitäts-Start-up Grab.

    Grafik

    Die chinesischen Technologiefirmen, deren Ambitionen über die Grenzen der Volksrepublik hinausgehen, können darauf hoffen, dass ihnen in Südostasien deutlich weniger Widerstand entgegenschlägt als im Westen. Die meisten Staaten der Region pflegen mit der Regierung in Peking gute Beziehungen.

    Die Finanzmetropole Singapur, in der zahlreiche internationale Konzerne ihre Asien-Zentrale angesiedelt haben, gilt zudem auch in Europa und Amerika als zuverlässiger Partner – und könnte jetzt Chinas Internetfirmen dabei helfen, mehr Vertrauen aufzubauen.

    So plant Bytedance in Singapur laut Bloomberg ein neues Datenzentrum, in dem Daten und Informationen der Nutzer verarbeitet werden sollen. Zuvor hatte bereits der Social-Media-Anbieter Bigo, der zum chinesischen Unterhaltungskonzern Joyy gehört, eine Verlagerung seiner Server von Hongkong nach Singapur angekündigt.

    „Angesichts der Spannungen zwischen den USA und China ergibt es für chinesische Technologiefirmen Sinn, ihre Geschäfte innerhalb und außerhalb Chinas voneinander zu trennen“, kommentierte Tommy Wu, Volkswirt bei Oxford Economics in Hongkong. Singapur könne für sie „mit Blick auf die geografische Nähe zu China und den Status als Innovationszentrum in Südostasien ein idealer Standort sein“.

    Bytedance will laut mehreren übereinstimmenden Medienberichten in Singapur innerhalb der nächsten drei Jahre Hunderte neue Mitarbeiter einstellen. Zudem sollen bereits Softwareentwickler von China dorthin umgesiedelt worden sein.

    Sollte es im Ringen um eine digitale Banklizenz Erfolg haben, könnte das dem Unternehmen in dem Stadtstaat weiteren Auftrieb geben. Eine Entscheidung darüber wollen die Behörden bis Dezember treffen.

    Gute Aussichten auf starkes Wachstum

    Alibaba ist in der Metropole schon länger präsent: Im Mai erwarb der Konzern 50 Prozent an einem 1,2 Milliarden Dollar teuren Bürohochhaus im Geschäftsviertel der Stadt, in dem er bisher Mieter war. In dem Wolkenkratzer verwaltet Alibaba unter anderem die südostasiatische Einkaufsplattform Lazada, die das Unternehmen 2016 von dem deutschen Internetkonzern Rocket Internet übernommen hatte. Seither investierte Alibaba Milliardensummen in Lazada – allerdings bisher ohne durchschlagenden Erfolg: Innerhalb von drei Jahren kam es zu drei Chefwechseln und gleichzeitig sinkenden Marktanteilen.

    Tencent engagierte sich in der Region bislang vorwiegend als Partner lokaler Firmen im Hintergrund – etwa als Investor bei dem in Singapur ansässigen Unterhaltungs- und E-Commerce-Anbieter Sea.

    Dass der Konzern sich nun stärker auf Südostasien fokussieren möchte, dürfte auch mit Problemen in einer anderen Wachstumsregion zusammenhängen: Indiens Regierung setzte nicht nur WeChat auf den Index, sondern erließ auch ein Verbot für das in dem Land extrem populäre Smartphone-Spiel PUBG Mobile, das dort von Tencent vertrieben wurde. Es kam auf dem Subkontinent laut Marktforschern auf mehr als 100 Millionen Downloads.

    Südostasien bietet Studien zufolge gute Aussichten auf ein ähnlich starkes Wachstum. Laut einem im vergangenen Jahr veröffentlichten Bericht von Google, Singapurs Staatsfonds Temasek und dem Beratungsunternehmen Bain soll sich die Digitalwirtschaft in der Region in den kommenden fünf Jahren auf 300 Milliarden Dollar mehr als verdreifachen.

    Tencent will dabei mitmischen: „Die Niederlassung in Singapur wird uns ermöglichen, das Potenzial der rasanten Digitalisierung zu heben“, teilte der Konzern mit.

    Mehr: US-Regierung prüft Oracle-Deal mit Tiktok

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    1 Kommentar zu "Streit zwischen USA und China : Chinas Techkonzerne ziehen jetzt nach Singapur um "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "US-Präsident Donald Trump hatte gesagt, dass die Regierung in Peking über Tiktok auf Daten von US-Bürgern zugreifen kann, und deshalb mit einem Verbot der App gedroht." Das ist ein recht heikler Argumentationsansatz angesichts der Tatsache, dass die größten Datenstaubsauger der Welt in den USA betrieben werden und maßgeblich für die eigene Wirtschaftskraft stehen. Spätestens seit nun auch Privacy Shield vom EuGH gekippt wurde, muss man sich mit der Frage beschäftigen, welche Konsequenz das für US-Apps innerhalb der EU hat...

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