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Studie analysiert Troika-Vorgaben „Sparpolitik bedroht Hunderttausende Griechen“

Der Sparkurs, den Griechenland im Gegenzug für Finanzhilfen fahren muss, hat die Einkommen in dem Krisenland drastisch einbrechen und die Armut ansteigen lassen. Wie stark und mit welchen Folgen, zeigt eine neue Studie.
19.03.2015 - 11:02 Uhr 77 Kommentare
Obdachlos ist keine Seltenheit mehr in Griechenland. Die Sparpolitik der EU hat die Menschen in noch mehr Not gedrängt, sagt eine aktuelle Studie. Quelle: dpa
Armut in Athen

Obdachlos ist keine Seltenheit mehr in Griechenland. Die Sparpolitik der EU hat die Menschen in noch mehr Not gedrängt, sagt eine aktuelle Studie.

(Foto: dpa)

Berlin Wie sehr die Sparpolitik Griechenland schon zugesetzt hat, zeigen die jüngsten Versuche der Regierung in Athen, gegenzusteuern und den Bürgern Entlastung zu verschaffen. Am Mittwoch billigte das Parlament ein Gesetz zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung. Für humanitäre Maßnahmen sind dabei etwa 200 Millionen Euro vorgesehen.

Dabei geht es um Strom und Essensmarken für mittellose Menschen und um die Möglichkeit für säumige Schuldner, mit bis zu 100 Raten ihre Schulden an den Staat und die Rentenkassen zu begleichen. Auch wenn die Hilfen sogleich heftige Kritik der Kontrolleure der Geldgeber auslösten,  den Bürgern dürften sie zumindest etwas Erleichterung verschaffen. Die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärte am Mittwoch, die Unterstützung der Bevölkerung sei Teil der Vereinbarung, die Athen mit den Partnern im Euro-Land am 20. Februar unterzeichnet habe.

Die generelle Not der Griechen können die Maßnahmen freilich nicht abfedern. Dazu hat der Austeritätskurs, den das hoch verschuldete Griechenland einschlagen musste, um im Gegenzug Finanzhilfen von den internationalen Partnern zu bekommen, zu große Verwerfungen nach sich gezogen. Das geht aus einer heute veröffentlichten Studie im Auftrag des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Demnach hat die Sparpolitik in Griechenland die Einkommen der privaten Haushalte in dem Krisenland drastisch einbrechen und die Armut ansteigen lassen. Im Schnitt sind die nominalen Bruttoeinkommen der griechischen Privathaushalte in nur vier Jahren von 2008 bis 2012 um ein knappes Viertel gesunken, errechneten die Studienautoren Tassos Giannitsis und Stavros Zografakis. Lohnkürzungen hätten knapp die Hälfte dieses Rückgangs verursacht. Aus Sicht der Experten fielen die Kürzungen weit umfassender aus als nötig gewesen wäre, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft zu stärken.

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    Die Nettoeinkommen seien um weitere fast neun Prozent gefallen, weil die Steuerbelastung deutlich erhöht worden sei, heißt es in der Untersuchung weiter. Zwar hätten alle sozialen Schichten durch Kürzungen, Steuererhöhungen und Wirtschaftskrise beträchtlich an Einkommen eingebüßt. Besonders stark seien aber Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen betroffen. „Das liegt unter anderem am starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und an Steuererhöhungen, die teilweise regressiv wirkten“, erläutern die Autoren. Zudem hätten Beschäftigte in der Privatwirtschaft insgesamt deutlich höhere Einkommensverluste erlitten und seien stärker von Arbeitslosigkeit bedroht gewesen, als die Beschäftigten im öffentlichen Sektor.

    Für Gustav Horn, wissenschaftliche Direktor des IMK, liefert die Untersuchung auf repräsentativer Datenbasis „die Chronik eines angekündigten Desasters“. Die nüchternen Zahlen zeigten, wie Millionen Menschen in Griechenland „durch eine überharte und sozial völlig unausgewogene Austeritätspolitik wirtschaftlich abgestürzt sind“, sagte Horn. „Hunderttausende sind in ihrer Existenzgrundlage bedroht, weil die von der Troika aus EU, EZB und IWF geforderte und von den bisherigen Regierungen sehr kurzsichtig und zum Teil interessengeleitet umgesetzte Sparpolitik kaum soziale Abfederung kannte.“

    IMK-Chef Horn: „Ein Politikwechsel ist dringend erforderlich“
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    77 Kommentare zu "Studie analysiert Troika-Vorgaben: „Sparpolitik bedroht Hunderttausende Griechen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Feiden
      ich verstehe Ihre Kritik sehr gut. Ich habe auch geschrieben, dass es keine Lösung gibt, die allen gerecht wird. Entgegen Ihrem Kommentar ist es natürlich so, dass auch in meinem Vorschlag (nahezu) alle belastet werden (inkl. EU-Beamter, Politiker etc.) Auch Aktienbesitzer (die Inhaber des Unternehmens sind) werden entgegen Ihrer Aussage belastet. Es wird kein gerechtes Modell geben um die Schulden zu begleichen. Momentanes Ziel ist es doch, auf eine Inflation zu hoffen, die die Schulden langfristig entwertet. Zahlen werden dies die ca. 90 % der Leute, die über keine bzw. kein nennenswertes Vermögen verfügen. Sofern jemand über 1.000.000 € Vermögen verfügt (egal in welcher Form investiert) und sich dann sorgen macht, er könne davon 250.000 € verlieren (oder müsste dann einen Kredit über 250.000 € aufnehmen) sollte sich bewusst sein, dass er immer noch mehr besitzt als 98 % der gesamten Bevölkerung. Und wenn er dann immer noch Angst davor hat, sollte er sich aus meiner Sicht fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Ich habe von Ihnen noch keinen Vorschlag gehört, wie das Problem zu lösen ist.

    • Die sozialen Verhaeltnisse in Griechenland sin unertraeglich und muessen verbessert werden. Das sehe ich auch so.
      Der von Griechenland geforderte Schuldenschnitt wird dies erreichen?
      Sicher nicht - darauf ist die Verhandlungsposition der griechischen Regierung aber ausgelegt. Europa soll am Ende bezahlen und Griechenland bleibt im Euro.
      Das ist das Wahlversprechen und die einzige Verhandlungsstrategie Athens, allen anderen Aussagen zum Trotz.
      Dies wird aber weder die deutsche Waehlerschaft noch andere Laender auf Dauer mittragen.
      Langfristig gibt es aus meiner Sicht nur eine Loesung:
      Griechenland scheidet geregelt aus dem Euro aus, wird mit einer schwaecheren Drachme mit der Zeit wieder wettberwerbsfaehiger und erhaelt dafuer ein Zugestaendis beim Schuldenschnitt.
      Dies sollte die Verhandlungstrategie Europas und Frau Merkels sein.

    • Forscher sprechen von „hochproblematischen Unwuchten“
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      Die einzige "hochproblematische Unwucht", die ich erkennen kann, ist die Tatsache, dass sich der griechische Staat und seine Bevölkerung in geradezu obszöner weise über alle Maßen und über jede menschliche Vernunft bis über die Hutschnur verschuldet haben - auf unsere Kosten. Und nun, wo die Party endgültig vorbei ist, werden sie noch anmaßender und erpressen uns ganz ungeniert, damit wir ihre Schulden übernehmen sollen. Charakterloser und unmoralischer geht es nicht mehr. Schmeißt sie raus aus dem Euroverbund - und meinetwegen auch aus der EU, sie haben sich den Rausschmiss redlich verdient!

    • Sehr geehrter Herr Neuerer, schade, dass Sie die Kernaussage ausgelassen haben, nämlich dass die Belastungen, Lohnkürzungen etc. für die Angestellten in der Privatwirtschaft weitaus höher ausgefallen sind als für die unzähligen Beamten und Angestellten des Öffentlichen Dienstes im Land meiner Väter. Auch dass jedwede Kürzungen für diese Privilegierten entwedet nicht umgesetzt oder einfach von griechischen Gerichten als verfassungswidrig erklärt wurden, ist Ihrem Bericht nicht zu entnehmen. Wenn Sie sich die Mühe machen und recherchieren sollten, werden Sie erkennen, dass diese Bevölkerungsgruppe immer noch kaum zu leiden hat. Und vergessen Sie nicht, es geht hier um gut 1,2 Mio Menschen, die in Griechenland im Staatsdienst sind.

    • https://www.youtube.com/watch?v=8aI61cLFR40
       Die Spur der Troika" - Äußerst aufschlussreicher Bericht, den zumindest einige der Handelsblatt-Leser verstehen dürfte. Nicht nur Griechenland ist der unglaublichen Arroganz der Eurokraten ausgesetzt. In Portugal, das viel in eine gute ( Aus) bildung investierte, sollen Akademiker für den Mindestlohn von 400 € mtl. Leben und am besten noch eine Familie ernähren. Nebenbei: Die Eurokraten halten diesen Mindestlohn noch für zu hoch!

      Griechenland erhielt Kredite, obwohl es schon als zahlungsunfähig galt, um europäische Banken und sie Wiederwahl Sarkozys zu retten.

      https://www.youtube.com/watch?v=8aI61cLFR40
       

    • Lieber Herr Papadakis. Ihre Meinung zeigt mir doch, dass zumindest ein Teil (eventuell ein Großteil?) der griechischen Bevölkerung überhaupt nicht Willens ist, an seiner Situation irgend etwas zu ändern. Schon der Umstand, dass es unserer "ausgebeuteten Unterschicht welcher nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gegönnt wird" anscheinend besser geht als dem Großteil der griechischen Bevölkerung ist für mich erstmal ein Indiz dafür, dass das Leben in Deutschland zur Zeit etwas mehr dolce ist als in Griechenland. Auch der Umstand, dass die griechische Bevölkerung zwar am Kapital des deutschen Steuerzahlers genesen möchte sein Wesen allerdings mit ständigen Nazivergleichen verunglimpft führt bei mir erstmal zu der Einsicht, dass es gar nicht möglich ist mit ihres gleichen "friedlich" unter einem Dach zu leben. Die Tatsache, dass Griechenland schon einmal aus einer Währungsunion geflogen ist (Lateinische Münzunion) und zwar aus denselben Gründen, die Sie in die gegenwärtige Lage gebracht haben (Bilanzbetrug/ zu hohe Ausgabenpolitik) zeigt mir, dass Ihr Volk scheinbar nicht in der Lage ist bestimmte systematische Fehler selbst in 100 Jahren auszumärzen. Daher würde ich konstatieren, dass Sie zuerst ein paar verhasste deutsche Tugenden verinnerlichen, damit wir irgendwann mal in den Genuss des "dolce vita" kommen. Zur Zeit haben wir allerdings den Status Quo, dass meine Generation und die Generation meiner Kinder in ihren "unterbezahlten Frustjobs" für die achtjährige Party Ihres Landes in der Haftung stehen. Wie dies mit einem friedlichen Zusammenleben zu vereinbaren sein soll, kann ich zur Zeit -wohl auch aufgrund meines beschränkten deutschen Wesens- leider nicht nachvollziehen.

    • Hab ein anderes Verständnis von Sparen. Wenn man von seinen Einnahmen etwas weglegt für schlechte Zeiten, das ist Sparen. Die Griechen geben aber mehr aus als sie einnehmen. Das ist keine Sparpolitik, sondern ein Leben auf Pump.

    • @ Heise

      Die US-Panzer sind doch schon in Bayern.... :-)

      http://www.merkur-online.de/politik/usa-schicken-panzer-nach-deutschland-4813046.html

      Aber nur wegen der Ukraine-Krise.....

    • @Papadakis
      Sorry, aber Sie schreiben Unsinn. Ich bin selbst mit einer Griechin aus Griechenland (nicht Deutschland) verheiratet und pflege enge freundschaftliche Beziehungen nach Griechenland. Die Wahrheit ist, dass Griechenland schon immer voller Neid auf den kapitalistischen Wohlstand in Deutschland geschaut hat und ein ganz dickes Stück von diesem Luxus-Kuchen abhaben wollte. Deutsche Produkte sind oder waren in Griechenland ganz ganz hoch angesehen. Wer etwas auf sich hielt, der hatte WMF Besteck, eine Miele Küche und den Audi, BMW oder zumindest VW Golf vor der Tür. Der Capuccino in Kifisia ist teurer als auf der Kö in Düsseldorf. Tatsache ist: Griechenland hat zu viel gewollt und zu wenig dafür geleistet, sondern alles nur fremdfinanziert. Diese Blase ist geplatzt! Und dafür kriegt jetzt - was ich übrigens nicht richtig finde - die gesamte griechische Bevölkerung die Quittung. Eigentlich gehören die griechischen Regierungen der letzten 2 Dekaden geschlossen in den Knast und zwar für immer, denn Sie haben ihr Volk verraten.

    • @ Herzig (Lach Cole...usw.?)
      Nachdem wir eben festgestellt haben, dass die Griechen-Kredite als Geschenke anzusehen sind (da stimme ich mit Ihnen übrigens 100%ig überein), stellen wir jetzt fest, dass wir (wie die BCG, der IWF, die Deutsche Bundbank und das DIW bereits vor längerer Zeit festgestellt haben) in der Eurozone einen massiven Schuldenschnitt brauchen. Ist im Übrigen ja auch nichts Neues.
      Die Frage ist an der Stelle, wer die Chose bezahlen darf. Und an der Stelle, fällt Ihnen (als EU-Beamter?)- wiederum nix besseres ein, als nicht diejenigen, die die Fehlentscheidungen zu verantworten haben, an den Verlusten zu beteiligen und diejenigen Großkonzerne die am Euro am meisten verdient haben (was passiert mit Target?) mit ins Zahlboot zu nhemen, sondern es sollen jene belastet werden, die zwar die Misere nicht verbockt haben, die aber schlicht und ergreifend -etwas haben - und sich ohnehin gegen die allmächtige Staatsgewalt am schlechtesten wehren können. Man wird die Privathaushalte melken, dass die Schwarte kracht. Griechische Oligarchen, Politische Fehlentscheider,. Grosskonzerne Hedgefonds usw. gehen ungeschoren aus dem Debakel hervor.

      So stelle ich mir EU und Europa vor: die, die die eigenen Verträge missachten belieben ungeschoren, und der einfache Steuerbürger, der sich an alles halten muss und seine Arbeitsleistung an der Quelle besteuert bekommt, darf die Suppe auslöffeln ! Prima!
      PS: wenn von meiner "imaginären Million" nix liquide verfügbar ist (Immos., Betrieb), darf ich doch wohl ein Darlehn über 250 TEUR abstottern? Und das soll mir nicht weh tun?
      Aber so ist das bei der EU. Wie bei Pippi Langstrumpf: "Ich mach mir die Welt, wide, wide wie sie mir gefällt!"

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