Studie Bill Gates warnt vor Migrationsströmen durch Instabilität in Afrika

Bill Gates warnt davor, dass der Westen Afrika nicht ignorieren sollte. Dabei lobt er jedoch das Engagement von Kanzlerin Merkel auf dem Kontinent.
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Seine Stiftung veröffentlicht einmal pro Jahr den sogenannten „Goalkeepers Report“. Quelle: dpa
Bill Gates

Seine Stiftung veröffentlicht einmal pro Jahr den sogenannten „Goalkeepers Report“.

(Foto: dpa)

New YorkEine neue Studie der Gates-Stiftung zeichnet ein düsteres Bild: Bis 2050 werden 86 Prozent aller extrem armen Menschen weltweit in Subsahara-Afrika leben. Knapp die Hälfte dieser Menschen, die mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag überleben müssen, werden demnach in nur zwei Ländern leben: der Demokratischen Republik Kongo und Nigeria.

Dabei konnte die Weltgemeinschaft bislang große Fortschritte verbuchen: Seit dem Jahr 2000 schafften es rund eine Milliarde Menschen, sich aus extremer Armut zu befreien. Ein Erfolgsmodell dafür ist zum Beispiel Äthiopien, das auf dem besten Weg sei, „extreme Armut komplett bis 2050 abzuschaffen“, schreibt die Gates-Stiftung in dem „Goalkeepers Report“, der am Dienstag veröffentlicht wurde und dem Handelsblatt vorab vorlag.

Doch das rasante Bevölkerungswachstum gefährdet den Kampf gegen Armut und droht nun, diese Fortschritte rückgängig zu machen. „Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, wird die Zahl der Armen in der Welt nicht mehr sinken - und könnte sogar steigen“, warnen Bill und seine Frau Melinda Gates in dem Bericht.

Dies wird auch Auswirkungen auf Europa haben. Wenn Instabilität in Afrika durch Armut, Nahrungsknappheit, Krankheiten und mangelnder Bildung herrscht, machen sich zahlreiche Einwohner auf den Weg nach Europa auf der Suche nach einem besseren Leben. Bill Gates warnte in einem Telefongespräch mit Journalisten davor, dass der Westen Afrika nicht ignorieren sollte. „Afrika in eine Phase der Instabilität abstürzen zu lassen ist die größte Bedrohung für Migration“, sagte er.

„Die riesigen Migrantenströme gehen auf Instabilität zurück,“ sagte Gates. „Es besteht kein Zweifel, dass Entwicklungshilfe Bedingungen schafft, die es viel wahrscheinlicher machen, dass Stabilität in Afrika herrscht.“

Als warnendes Beispiel nannte er Syrien, welches ein „kleines“ Land sei. Doch durch den Bürgerkrieg, der 2011 ausbrach, wurde ein Exodus in Gang gesetzt, der das Asylsystem in Europa „in Frage gestellt“ hat. Er fügte hinzu: „Afrika ist eine ganz andere Größenordnung.“

Es sei jedoch „fantastisch“, wenn Staatschefs in afrikanische Länder reisen. „Erst kürzlich waren Angela Merkel, Theresa May und Präsident Macron alle in Afrika. Wann immer diese Reisen stattfinden, tun wir unser Bestes, um sicherzustellen, dass die Herausforderungen und die Fortschritte in der Region hervorgehoben werden“, sagte der Microsoft-Gründer. Er lobte zudem, dass das Budget für Entwicklungshilfe, die Deutschland weltweit leistet, gestiegen ist.

Die Bundeskanzlerin besuchte im August Nigeria, Ghana und Senegal. Im Mittelpunkt stand die Bekämpfung der Fluchtursachen, Sicherheitsbedrohungen wie die islamistische Terrororganisation Boko Haram in Nigeria, sowie wirtschaftliche Kooperationen mit deutschen Firmen. Nigeria zählt zu den Hauptherkunftsländern von Migranten, die auf der Mittelmeerroute nach Europa und Deutschland gelangen wollen.

Nun muss ein verstärkter Fokus auf Investitionen in Bildung und Gesundheit in der Region liegen, betonte Gates. Vor allem in junge Menschen soll investiert werden, schreiben Bill und Melinda Gates. Dies könnte neue Chancen für Produktivität und Innovationen eröffnen und somit eine „dritte Welle“ der Armutsminderung erzielen – nach der ersten Welle in China und der zweiten in Indien.

Seit 2017 veröffentlicht die Stiftung den „Goalkeepers Report“, in dem Entwicklungen zu Bildung, HIV/Aids, Malaria, Kindersterblichkeit, Technologie und Landwirtschaft analysiert werden. Die Studie soll bis 2030 einmal jährlich herausgegeben werden – die Vereinten Nationen haben sich dieses Jahr als Ziel für nachhaltige Entwicklung gesetzt mit den „UN Sustainable Development Goals 2030“.

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