Studie China auf Weltniveau – Firmen aus Fernost immer öfter Hauptkonkurrent deutscher Unternehmen

Vor allem in den Branchen Maschinenbau, IT-Technologie und Energietechnik haben die Chinesen aufgeholt – und stoßen bereits in Hochtechnologieregionen vor.
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Deutsche Firmen fürchten die Hochtechnologie aus China Quelle: action press
Produktion bei Goldwind

Auch in der Energiebranche macht China große Fortschritte.

(Foto: action press)

Berlin, DüsseldorfEs klang wie eine Art Kampfansage Richtung Europa und Amerika, als die chinesische Regierung vor rund drei Jahren ihre „Made in China 2025“-Strategie vorlegte. Das Land wollte nicht mehr Werkbank, sondern Weltmarktführer sein, gesteuert vom Staat.

Wie eine neue Studie von Germany Trade and Invest (GTAI), der Außenwirtschaftsförderagentur des Bundes, zeigt, sind die chinesischen Unternehmen zumindest in einigen Bereichen in den vergangenen Jahren weit nach vorn gekommen.

Demnach sind die Firmen aus Fernost über alle Branchen hinweg inzwischen der zweitgrößte Konkurrent deutscher Firmen im Ausland. Zwar hinter den USA, aber noch vor Wettbewerbern aus Frankreich (Platz drei), Japan (Platz vier) und Italien (Platz fünf). GTAI befragte für die Erhebung insgesamt 43 Auslandsvertretungen. Die Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vorab vor.

„Deutsche Firmen sehen sich weltweit neben der inländischen und der traditionellen Konkurrenz durch Unternehmen aus führenden Industrieländern dem zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Firmen ausgesetzt“, heißt es darin. Die Studie untersucht den Wert des deutschen Qualitätsmerkmals „Made in Germany“.

Während sich China selbst noch zuweilen als Entwicklungsland bezeichnet, um besondere Konditionen für seine Firmen zu begründen, spielen die chinesischen Unternehmen längst auf Weltniveau.

Besonders weit vorn sind sie im Maschinenbau, wie die Umfrage der GTAI zeigt (siehe Grafik), die Außenhandelsexperten sehen sie dort als Hauptkonkurrent deutscher Unternehmen im Ausland, erst danach folgen die USA und Italien.

Auch im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik sehen die Experten die Chinesen als Wettbewerber Nummer eins, gefolgt von den USA und Japan. Im Bereich Energietechnik und Gesundheitswesen sind die Firmen aus Fernost den US-Unternehmen als Topkonkurrenten dicht auf den Fersen.

Allein im Automobilbereich und im Bereich Kosmetika sind die Chinesen nicht unter den Top Drei vertreten. Beim Autobau zählen Japan, Frankreich und Südkorea zu den Hauptkonkurrenten der deutschen Hersteller.

In vielen Branchen liefern die chinesischen Firmen inzwischen nicht nur preisgünstige Produkte, sondern stoßen bereits in Hochtechnologieregionen vor, heißt es in der Analyse der GTAI. Die Einschätzungen beruhen auf Gesprächen mit Unternehmen und decken sich mit ähnlichen Erhebungen aus jüngster Vergangenheit.

Eine Umfrage der europäischen Handelskammer in China unter 532 europäischen Unternehmen vor Ort hatte erst im Juni ergeben, dass 61 Prozent der Firmen die chinesische Konkurrenz als gleich oder sogar innovativer ansehen als europäische Firmen (siehe Grafik).

Laut einer aktuellen Umfrage der deutschen Außenhandelskammer in China unter 423 in China engagierten deutschen Betrieben glauben 41,5 Prozent der Befragten, dass ihre chinesischen Konkurrenten innerhalb der nächsten fünf Jahre Innovationsführer in ihrer jeweiligen Branche werden.

2015 waren es erst rund 30 Prozent. Es war das erste Mal, dass es mehr deutsche Unternehmen gab, die glaubten, dass die chinesischen Firmen innerhalb der nächsten fünf Jahre Innovationsführer werden, als solche, die das nicht glaubten.

Maschinenbau

Wie die GTAI-Studie zeigt, haben die Chinesen vor allem im Maschinenbau die Nase vorn. Laut den aktuellsten Zahlen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) aus dem Jahr 2016 ist China weltweit mit 13 Prozent bereits zweitgrößer Exporteur von Maschinen, gleich hinter Deutschland (16 Prozent). Erst danach kommen die USA und Japan.

„Es ist erstaunlich, wie schnell die chinesischen Unternehmen auf dem Weltmarkt nach vorn gekommen sind, sie haben rasant aufgeholt“, sagt Ulrich Ackermann, Abteilungsleiter Außenwirtschaft beim VDMA. Auf dem nordamerikanischen Markt sind die chinesischen Unternehmen bereits die Nummer eins unter den Exporteuren von Maschinen.

Allerdings beschränkt sich die Stärke der Unternehmen vor allem auf das niedrig- und mittelpreisige Segment. In vielen Bereichen kämen die chinesischen Maschinenbauer heute noch nicht an die deutschen Unternehmen heran, etwa in den Nischenmärkten, im Hochtechnologiebereich und beim Service. Auch von der Beherrschung von Industrie-4.0-Themen sind die Chinesen noch sehr weit weg, sagt Ackermann.

Der Vorsprung der deutschen Firmen in diesen Branchen ist nur schwer aufzuholen. Einen funktionierenden Wartungsservice aufzubauen dauert zum Beispiel oft viele Jahre. Beim Thema Industrie 4.0 bemühen sich die chinesischen Firmen vor allem, von dem deutschen Wissensvorsprung zu lernen.

Dennoch beobachten die deutschen Maschinenbauer die Entwicklung ganz genau. „Sorge macht uns, dass die chinesischen Unternehmen häufig nicht unter den gleichen Wettbewerbsbedingungen agieren, sondern von den verschiedensten staatlichen Ebenen subventioniert werden“, sagt VDMA-Experte Ackermann.

Er fordert die Politik auf, eine Lösung für den unfairen Vorteil der Chinesen auf dem Weltmarkt zu finden. „Wir brauchen in Deutschland und Europa eine ernsthafte Diskussion darüber, wie wir in Zukunft damit umgehen. So weiterzumachen wie bisher wird nicht funktionieren.“

Auch Regierungen weltweit zeigen sich zunehmend nervös. Bei jeder Gelegenheit fordert die deutsche Regierung gegenüber Peking die Gleichbehandlung deutscher Firmen in China. Erst in dieser Woche hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ein Gesetz auf den Weg gebracht, das den Ausverkauf deutscher Technologieunternehmen an China begrenzen soll.

IT-Technologie

Die GTAI-Umfrage zeigt, dass das Label „Made in Germany“ in manchen Ländern aufgrund des deutschen Dieselskandals und der verzögerten Fertigstellung des neuen Berliner Flughafens ein paar Kratzer erlitten hat.

Grundsätzlich sind sich die GTAI-Auslandsvertretungen aber einig, dass es immer noch für beste Qualität steht. Sehr hilfreich sei es demnach etwa zum Absatz von Produkten im Maschinenbau, im Automobilbereich und im Gesundheitswesen.

Die Umfrage offenbart jedoch eine klare Schwäche der deutschen Unternehmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Demnach wird das Label „Made in Germany“ bei der Vermarktung von solchen Produkten im Ausland sogar nur als bedingt hilfreich gesehen.

Quelle: dpa
Arbeiter im Werk der Kion Gruppe in Xiamen.

Auch hier lauert Konkurrenz vor allem aus China. Die Auslandsvertretungen der GTAI sehen die Firmen aus Fernost als Hauptkonkurrent von deutschen Unternehmen bei IKT an. Tatsächlich holen die Chinesen mit Riesenschritten auf.

Die Spitzenplätze auf der Liste der wertvollsten Firmen der Welt wurden lange Zeit von den großen US-Konzernen besetzt, doch das ändert sich gerade. Seit Anfang des Jahres gehört neben Chinas Kommunikationsriesen Tencent auch der Handelsgigant Alibaba zu den weltweit größten Technologiekonzernen mit einem Börsenwert von mehr als 500 Milliarden Dollar.

Energietechnik

Dass chinesische Unternehmen längst nicht mehr nur Nachahmer sind, zeigt auch ein Blick in die Ökobranche der Milliardennation. Auch hier verfolgt die Regierung ihr ambitioniertes Ziel, mit einem genau ausgeklügelten Plan: Bis zum 100. Geburtstag der Volksrepublik im Jahr 2049 will China bei erneuerbaren Energien weltweit Standards setzen – und der Plan scheint, nach aktueller Einschätzung, aufzugehen.

Während die Energiewende in ihrem Ursprungsland, Deutschland, stockt, dominieren chinesische Ökokonzerne dank staatlicher Subventionen längst nicht mehr nur auf dem heimischen Markt, sondern expandieren in einem rasanten Tempo in den Rest der Welt.

Mitarbeiter in einem Büro des Alibaba-Ablegers „DingTalk“. Quelle: Reuters
Alibaba Group

Mitarbeiter in einem Büro des Alibaba-Ablegers „DingTalk“.

(Foto: Reuters)

Um sich Technik und Know-how für die strategisch wichtige Branche zu sichern, hat Peking laut dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) 44 Milliarden Dollar in grüne Investments außerhalb Chinas gesteckt, in insgesamt 18 Projekte von Deutschland bis Pakistan.

Die Strategie zahlt sich aus. Beispiel Photovoltaik: Vor drei Jahren überschwemmte China den europäischen Markt mit Billigmodulen. Wo vorher deutsche Modulhersteller wie Solarworld, QCells oder Phoenix Solar den Takt vorgaben, führt mittlerweile die chinesische Konkurrenz von Jinko Solar bis Suntech die Rankings an.

Und auch in der Windindustrie wächst die Konkurrenz aus Fernost. Unter den Top 15 der weltweiten Turbinenhersteller, kommen laut dem Marktforschungsunternehmens FTI Intelligence bereits acht aus Fernost – Tendenz steigend.

Vorreiter ist China auch in Sachen Ultrahochspannungstechnik (UHV). Der Staatskonzern State Grid Corporation of China (SGCC) hat die Technik für den Stromtransport über weite Strecken mittlerweile erfolgreich industrialisiert und setzt damit bereits Standards in Ländern wie Chile, Brasilien, Australien, Russland und Südafrika. Mit strategischen Zukäufen will das Unternehmen seine Netztechnologie weltweit verbreiten.

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