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Studie Deutschland ist im Umgang mit China zu naiv

China steuert die Marktführung in wichtigen Schlüsseltechnologien an. Eine neue Studie zeigt: Deutschland nimmt dieses Streben nicht ernst genug.
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Deutschland müsse seine Innovationskraft stärken, um mit China mitzuhalten, so die Studie. Quelle: dpa
Chinesische Flagge

Deutschland müsse seine Innovationskraft stärken, um mit China mitzuhalten, so die Studie.

(Foto: dpa)

Berlin Die Studie untersucht die „Made in China 2025“-Strategie Pekings, die im Jahr 2015 ausgerufen wurde. Der Plan sieht vor, in bestimmten Schlüsselbereichen wie etwa Stromversorgung und Telekommunikation zum Weltmarktführer zu werden und ausländische Hersteller zu verdrängen.

Nach der Untersuchung des Berliner China-Thinktanks Mercator Institute for China Studies (Merics) kommt die Strategie voran. Seit dem Start seien bereits 90 Prozent der knapp 4000 Projekte, die die chinesische Regierung zu diesem Zweck verfolgt, umgesetzt worden. China investiere Hunderte Milliarden Dollar in den Plan.

„Deutschland ist eine der Industrienationen, dessen wirtschaftliche Basis direkt von Chinas Ambitionen gefährdet sein könnte“, warnen die Forscher. Sie sehen Deutschland und Europa noch zu wenig vorbereitet. „Man muss damit rechnen, dass China in einer ganzen Bandbreite von Bereichen enorm aufholen wird“, sagt Max Zenglein, Leiter des Wirtschaftsprogramms bei Merics und einer der Autoren.

In Zukunftstechnologien wie der Künstlichen Intelligenz, beim autonomen Fahren und der E-Mobilität setze China bereits Maßstäbe. Zenglein appelliert an Politik und Wirtschaft, die Strategie ernster zu nehmen. „Das Chinabild von vielen Politikern und Wirtschaftsvertretern in Deutschland ist veraltet“, kritisiert er.

Viele deutsche Akteure hofften anscheinend, dass ihr Engagement eines Tages in einen Wettbewerbsvorteil auf dem chinesischen Markt führen werde. Häufig blendeten sie dabei das Risiko von ungewolltem Know-how-Transfer in den Feldern aus, die entscheidend für die Fortschritte ihrer eigenen Industrie sind.

Im Februar hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eine Industriestrategie für Deutschland vorgestellt, die als Antwort auf Chinas Pläne gilt. Sie sieht unter anderem vor, dass sich der deutsche Staat an Firmen in wichtigen Schlüsseltechnologien beteiligt, um unliebsame Übernahmen durch ausländische Investoren zu verhindern. 

„Es geht nicht darum, China kleinzuhalten“

Gerade in den Branchen, in denen China noch keine eigenen Fähigkeiten hat und ausländische Technologieführer die wichtigsten Teile ihrer Wertschöpfungskette außerhalb Chinas halten, versucht der chinesische Staat durch verschiedene Ansätze, an das Know-how zu kommen.

So werden die ausländischen Firmen etwa durch besseren Marktzugang oder bessere Joint-Venture-Bedingungen angelockt oder durch Zukäufe ins Land geholt. Headhunting oder „sogar Industriespionage oder Cyberattacken“ gehörten ebenfalls zu den Maßnahmen, heißt es in der Studie. 

Gegen diese Strategie gebe es drei Ansätze, so Zenglein. Zuallererst müsse Deutschland seine Innovationskraft stärken, um technologisch mit China mitzuhalten. „Es geht nicht darum, China kleinzuhalten“, betont der Chinaforscher. „Zweitens sollten sich Wirtschaft und Politik überlegen, in welchen Bereichen der Forschung und Entwicklung eine Zusammenarbeit mehr schadet als nützt.

„Europa ist derzeit noch sehr naiv“, so der Forscher. Drittens sollten sich die europäische Politik, aber auch die Unternehmen mehr trauen und ihre Interessen gegenüber China mutiger durchsetzen. „Europa spielt derzeit nicht die Stärke aus, die es hat“, so Zenglein.

Mehr: Die Regierung in Peking beobachtet zunehmend auch Unternehmen. Westliche Firmen sind ahnungslos oder überfordert – brauchen aber gute Ratings.

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