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Studie Europa fällt bei Schlüsseltechnologien weiter zurück

Nur acht Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung entfallen auf europäische Firmen, sagt eine Studie. Vor allem bei der Vermarktung gibt es Probleme.
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Europa hängt bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz hinterher. Quelle: Reuters
Roboter

Europa hängt bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz hinterher.

(Foto: Reuters)

Berlin Von wegen Aufholjagd. Europa droht im Technologiewettlauf mit den USA und China weiter zurückzufallen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer neuen Studie „Innovation in Europe“ des McKinsey Global Instituts (MGI), die heute veröffentlicht wird und dem Handelsblatt vorliegt. „Auch Europa ist zwar digital in den vergangenen Jahren stark gewachsen, der Abstand zu den wichtigsten Wettbewerbern hat sich jedoch vergrößert“, sagte MGI-Partner und Mitautor der Studie, Jan Mischke.

Die Fakten belegen das: Von den 250 global führenden Technologieunternehmen stehen europäische Firmen nur für acht Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben – China liegt bei elf Prozent, die USA bei 77 Prozent. „Europas Anteil an den sogenannten „Superstar-Firmen“ – das sind die Top-Zehn-Prozent-Unternehmen, die ein Großteil der Gewinne abschöpfen – ist seit den 1990ern von 32 Prozent auf 16 Prozent zurückgegangen“, konstatieren die Autoren.

Die Ergebnisse der MGI-Studie decken sich mit ähnlichen Untersuchungen. Nach einer Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) aus dem vergangenen Jahr beschäftigt sich zum Beispiel weniger als die Hälfte aller deutschen Unternehmen mit der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz (KI).

Und nach einer Studie des Vodafone Instituts in neun europäischen Ländern vermissen 60 Prozent der Befragten bei ihren Regierungen den Willen zur Digitalisierung.

Spitze seien die Europäer immer noch in der Grundlagenforschung, betonen die MGI-Forscher. „Wenn es jedoch darum geht, die Forschungsergebnisse zu skalieren und wirtschaftlich umzusetzen, verlieren wir den Anschluss“, bemängelt Eckart Windhagen, Co-Autor und ebenfalls Partner bei MGI.

Europa tue sich nach wie vor schwer damit, exzellente Forschung in erfolgreiche Geschäftsmodelle zu überführen: Die Zahl der Start-ups für Künstliche Intelligenz habe sich in den vergangenen drei Jahren zwar verdreifacht. Dennoch gebe es bisher kein Unicorn – also ein Start-up mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar in diesem Bereich in Europa.

Lob für Regulierung

Mischke führt das unter anderem auf die immer noch starke Fragmentierung der europäischen Anstrengungen zurück. Aufholen könnten die Europäer nach Meinung der Autoren nur, wenn sie ihre Kräfte stärker bündeln und „strategische Prioritäten“ setzten.

So würden im Gesundheitswesen enorme öffentliche Summen ausgegeben, die man für die Beschaffung auch gemeinsam nutzen könne. Die MGI-Forscher sehen gerade im sogenannten Business-to-Business(B2B)-Geschäft gute Chancen für europäische digitale Plattformen.

Voraussetzung dafür sei allerdings ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik. „Wir müssen wie mit der Exzellenzinitiative bei den Universitäten dazu kommen, dass wir auch bei der Technologieförderung die Besten besonders unterstützen“, forderte Windhagen.

Man könne doch ein Drittel der Fördergelder den besten Unternehmen geben und den Rest per Gießkanne verteilen. Gerade in Deutschland tue man sich mit dieser Elitenförderung sehr schwer. In anderen europäischen Ländern wie der Schweiz oder Frankreich sei es kein Problem.

Lobend äußern sich die Autoren darüber, dass Europa durch frühzeitige Regulierung der Digitalwirtschaft globale Standards setze. „Da hat man wirklich vorausgedacht“, sagte Windhagen. Jetzt komme es allerdings darauf an, die richtige Balance zwischen Nutzerkontrolle und der Nutzung von Daten zu finden.

„Das ist zwar technisch nicht immer einfach, aber doch möglich“, betonte der MGI-Forscher. „Wir können jedenfalls nicht weiter halb auf der Bremse und halb auf dem Gaspedal stehen.“

Mehr: Künstliche Intelligenz prägt die Zukunft der Wertschöpfung, besonders im Mittelstand. Der täte gut daran, die Innovationskraft zu bündeln, meint Gastautor Hagen Rickmann.

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