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Studie Krisenfeste Deutsche: Welche Länder im Corona-Stresstest am besten dastehen

Wie schlagen sich verschiedene Länder und Systeme in der Coronakrise? Während europäische Staaten die vorderen Plätze belegen, sind China und die USA abgeschlagen.
23.04.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Eurasia: Deutschland im Corona-Stresstest auf Platz 2 Quelle: AFP
Proteste gegen den Lockdown in Ohio, USA

Die USA landen in einer Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise nur auf Platz 11.

(Foto: AFP)

Peking, Berlin Die Coronakrise ist bei Weitem noch nicht überstanden, doch das internationale Ringen um die Deutungshoheit der Pandemie hat bereits begonnen. Die Krisenanfälligkeit der Länder wird dabei zum neuen Lackmustest für unterschiedliche politische und wirtschaftliche Systeme.

Als eine der ersten Denkfabriken hat jetzt die Eurasia Group in New York einen Vergleich über die Resilienz einzelner Nationen vorgelegt. Danach schneiden skandinavische Länder wie Norwegen und Schweden gut ab, aber auch Deutschland, Japan und die Schweiz zeigen sich gegenüber der Pandemie besonders krisenfest.

Wie schon im Ländervergleich der Londoner Deep Knowledge Group landet Deutschland auch bei Eurasia auf Platz zwei. Dass die Studie selbst stark betroffenen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich noch ein gutes Gesundheitssystem bescheinigt, ist nur damit zu erklären, dass es in Entwicklungs- und Schwellenländern noch viel schlechter aussieht. Hinzu kommt, dass ein gutes Gesundheitssystem wie in Italien überfordert wird, wenn die Politik nicht entschlossen handelt. Erst der Mix macht Länder widerstandsfähig.

„Die krisenfesten Länder verbinden ein hohes Maß an politischer Leistungsfähigkeit, sozialem Zusammenhalt und guter Gesundheitsversorgung mit einer geringen finanziellen Verwundbarkeit. Wenn es in dieser Gruppe eine Schwäche gibt, dann ist es die Anfälligkeit ihrer Volkswirtschaften gegenüber einem globalen Abschwung“, sagt Eurasia-Experte Alexander Kazan.

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    Deutschland hat also nicht nur mit seinem guten Gesundheitssystem gepunktet, sondern auch mit seiner umsichtigen politischen Führung, der sozialen Absicherung und seinen finanziellen Ressourcen. Dass die finanzielle Verfassung der Länder im Verlauf der Krise noch wichtiger wird, bestätigt auch Sven Smit, Co-Chairman des McKinsey Global Instituts in Amsterdam: „Die wirtschaftliche Resilienz wird natürlich stark davon abhängen, ob Länder in der Lage sind, die jetzt aufgenommenen Schulden auch zurückzuzahlen.“

    Die beiden Supermächte Amerika und China, deren Rivalität sich durch die Pandemie noch verstärkt hat, schaffen es in der Eurasia-Liste nicht unter die ersten zehn Nationen, sondern landen abgeschlagen auf Platz 11 und 12. Das Ergebnis widerspricht den Behauptungen von US-Präsident Donald Trump, die USA hätten besser als andere Länder auf das Virus reagiert. Es entlarvt aber vor allem die Propaganda Pekings, die Pandemie zeige die Überlegenheit des chinesischen Regimes in Krisenzeiten. Inzwischen mehren sich die Vorwürfe gegen die Führung in Peking: Trump droht China mit „Konsequenzen“, sollte sich herausstellen, dass die Behörden die Pandemie hätten stoppen können.

    Der US-Bundesstaat Missouri will Peking sogar mit einer Klage zur Verantwortung ziehen. Auch im US-Kongress gibt es Forderungen nach Schadensersatz, denen jedoch wegen des völkerrechtlichen Grundsatzes der Staatenimmunität keine Erfolgschancen eingeräumt werden. Dennoch gerät China mehr und mehr ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik.

    Chinas Fehler rächen sich

    Dass China am Anfang der Krise viel zu spät reagiert hat, ist inzwischen Konsens unter Experten. Anfang Februar gab die Zentralregierung in Peking selbst „Unzulänglichkeiten“ und „Mängel“ zu. Bereits im Januar hatte der Bürgermeister der Stadt Wuhan, Zhou Xianwang, im chinesischen Staatssender CCTV eingeräumt: „Wir haben Informationen nicht rechtzeitig weitergegeben und auch keine wirksamen Informationen zur Verbesserung unserer Arbeit genutzt.“ Erst am 23. Januar reagierte Bürgermeister Zhou und riegelte Wuhan komplett ab.

    Grafik

    Laut Schätzungen hatten zu diesem Zeitpunkt jedoch schon rund fünf Millionen Menschen die Stadt verlassen. In einer gemeinsamen Studie haben amerikanische, britische und chinesische Forscher herausgefunden, dass die Fallzahlen um 66 Prozent hätten reduziert werden können, wenn die Maßnahmen zur Eindämmung des Krankheitserregers nur eine Woche früher ergriffen worden wären. Hätte die Eindämmung drei Wochen früher begonnen, hätte das eine Reduzierung der Fallzahlen von 95 Prozent gebracht, so die Studie.

    „Nach einer verzögerten Reaktion hat China das Prinzip ‚testen, isolieren, nachverfolgen‘ in extremer Weise umgesetzt und dabei auch Menschenrechtsverletzungen in Kauf genommen“, sagt Maike Voss, Leiterin eines Projekts zu globaler Gesundheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). So wie viele andere Experten auch kritisiert Voss, zu welch hohem Preis die Millionenmetropole Wuhan abgeriegelt wurde. Zur Gesundheit gehörten nicht nur die Infektionskrankheiten, so Voss. Es gehe auch um Folgekosten, die durch verschleppte Erkrankungen und durch Präventionsmaßnahmen entstehen. „Menschenrechtsverletzungen haben auch Auswirkungen auf die Gesundheit.“

    Seit Beginn der Krise wird über den Ursprung des Virus gerätselt. Zunächst hieß es, dass der erste menschliche Träger sich auf einem Wildtiermarkt in Wuhan angesteckt haben müsse. Im März streuten Vertreter der chinesischen Regierung die Behauptung, dass das Virus von US-Militärs nach China eingeschleppt worden sei. Berichte von US-Diplomaten und Äußerungen von Vertretern der US-Regierung deuteten zuletzt darauf hin, dass ein Unfall in einem Labor in Wuhan, das Viren erforscht, die Pandemie ausgelöst haben könnte. Das Labor bestreitet die Vorwürfe.

    Zweifel an chinesischen Daten

    Derzeit könnten noch keine Schlussfolgerungen über die Quelle des Coronavirus gezogen werden, sagte Takeshi Kasai, Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO für den Westpazifik. Die verfügbaren Beweise ließen jedoch auf einen tierischen Ursprung schließen, so Kasai bei einer Online-Pressekonferenz.
    Eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle in China ist nahezu unmöglich. Ähnlich wie schon bei anderen Katastrophen zuvor, wie etwa dem verheerenden Erdbeben in der südchinesischen Provinz Sichuan, konnten chinesische Journalisten zwar auch im Fall von Corona für einen kurzen Zeitraum relativ frei berichten.

    Dann fiel die Zensurschranke jedoch wieder. Anfang April erließ China eine neue Regel, nach der Forschungsinstitute ihre Forschung am Coronavirus bei chinesischen Behörden registrieren müssen. Beobachter werten das auch als Maßnahme zur Kontrolle der Forschungen durch die Regierung in Peking.

    Seit Beginn der Krise werden immer wieder Zweifel an den Daten aus China geäußert. Experten bezeichneten die gemeldeten Zahlen wiederholt als „Spitze des Eisbergs“. Besonders in Wuhan wurde die Zahl der Todesfälle in Zweifel gezogen. Mitte April korrigierte sich die Stadt schließlich und meldete 50 Prozent mehr Todesopfer. Sie begründete die Fehler mit Überforderung des medizinischen Personals und der Behörden gerade in der Anfangsphase.

    Sowohl bei der Zahl der Infizierten als auch bei der Zahl der Todesfälle hat China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern weit weniger gemeldet als andere, deutlich kleinere Staaten. „Die chinesischen Fallzahlen muss man als qualitative Aussagen sehen, das heißt, die Tendenz stimmt, aber die Zahlen im Einzelnen werden nicht stimmen“, sagte Sebastian Heilmann, Professor für Politik und Wirtschaft Chinas an der Universität Trier, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

    Mehr: Steuersenkungen, Prämien, Hilfen: Deutschlands Ökonomen streiten über Staatshilfen

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    1 Kommentar zu "Studie: Krisenfeste Deutsche: Welche Länder im Corona-Stresstest am besten dastehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie laecherlich. Ja, in China ist das Virus zu erst ausgebrochen und es wird nur drauf rumgeritten, um von der eigenen Inkompetenz und Hilfslosigkeit abzulenken. Wenn anderswo die Grippe ausbricht wird auch nicht jedes mal ein DNA Test durchgefuehrt, um verlaesslich festzustellen, dass es sich um ein neuarties Virus handelt. Ich moechte gar nicht wissen wie Deutschland oder die USA reagiert haetten wenn das Virus dort zuerst ausgebrochen waere. Man schaue sich lediglich jetzt die Reaktionszeit und das Krisen Management beider Laender an. Grottenschlecht und bedenkend, dass man bereits wusste was auf einen zukommt was bei China nicht der Fall war.

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