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Studie OECD sieht nur geringe Fortschritte bei der Gleichberechtigung

Beim Thema Gleichberechtigung geht es Frauen in der Schweiz und Frankreich der OECD zufolge besser als in Deutschland. Die Organisation will die Länder in die Pflicht nehmen.
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Soldatinnen der Bundeswehr verteilen vor dem Brandenburger Tor Blumen an Passanten zum Internationalen Frauentag. Mit der Aktion warben die Streitkräfte am Freitag um weiblichen Nachwuchs. Quelle: dpa
Internationaler Frauentag – Berlin

Soldatinnen der Bundeswehr verteilen vor dem Brandenburger Tor Blumen an Passanten zum Internationalen Frauentag. Mit der Aktion warben die Streitkräfte am Freitag um weiblichen Nachwuchs.

(Foto: dpa)

Paris Bei der Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist Deutschland laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eindeutig ein Nachzügler-Land. Im „Social Institutions and Gender Index“ (SIGI) liegt die Bundesrepublik lediglich auf Rang 13 von 40.

Wesentlich besser geht es demnach Frauen in der Schweiz, Dänemark, Schweden und Frankreich. „Politische Verpflichtungen, gesetzliche Reformen und Programme für die Gleichberechtigung setzen sich in vielen Ländern noch nicht in wirkliche Veränderungen für Frauen und Mädchen um“, schreibt die OECD in ihrem Bericht.

Dieser bietet Anlass, viele Klischees infrage zu stellen. Nicht nur die Fehlwahrnehmung, unser eigenes Land sei besonders fortschrittlich, sondern auch das Vorurteil, in südlichen Ländern Europas seien Frauen stärker benachteiligt als in nördlichen. So liegen die Südländer Portugal, Italien und Spanien vor Deutschland.

Der SIGI-Index fasst vier einzelne Faktoren zusammen: Diskriminierung in der Familie, Gefahr für die körperliche Unversehrtheit, Zugang zum Arbeitsmarkt und zu finanziellen Ressourcen sowie die Beeinträchtigung bürgerlicher Freiheiten. Deutschland weist bei diesen Kriterien Werte zwischen 13 und 18 Prozent auf. In der Schweiz gibt es dagegen laut SIGI praktisch keine Diskriminierung mehr in der Familie, aber immerhin 13 Prozent Einschränkung der physischen Integrität.

Frankreich dagegen, auf Rang vier, hat Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung zu Hause: 28 Prozent Diskriminierung stellt der Index hier fest, wogegen die Werte bei den übrigen drei Kriterien zu den niedrigsten der gesamten Erhebung zählen.

Im ebenfalls am Freitag veröffentlichten Bericht über die Gleichberechtigung und die Effekte öffentlicher Programme stellt die OECD fest, es gebe „erhebliche Fortschritte im Gesundheits- und Bildungswesen“. Doch „insgesamt ist der Fortschritt gering“.

Frauen stellten noch immer das Gros der Beschäftigten in schlecht bezahlten Jobs und bei der Teilzeitarbeit, dagegen seien sie weiterhin unterrepräsentiert in wissenschaftlichen und technischen Berufen und in Positionen mit Entscheidungsbefugnis. In mancher Hinsicht gebe es sogar Rückschläge: Die Belästigung über digitale Kanäle nehme zu, ebenfalls die offene physische Gewalt.

Beispiele für die digitale Belästigung gibt es genug. Teilweise vollzieht sie sich in aller Öffentlichkeit. In Frankreich wurden erst in dieser Woche einige gut bekannte Journalisten entlassen, die zu einer „Liga des lol“ (laughing out loud) gehörten. Diese männliche Gruppe suchte sich weibliche Opfer, die in Tweets oder auf anderem Wege systematisch als hässlich oder dumm traktiert wurden.

Die Tageszeitung „Libération“ setzte nach einer internen Untersuchung am Mittwoch zwei ihrer Mitarbeiter auf die Straße, die sich durch besonders widerliche Mobbing-Aktionen hervorgetan haben. 

OECD: Länder sollen ihrer Vorreiterrolle stärker gerecht werden

Die Organisation fordert Staaten und Verwaltungen auf, ihrer Vorreiterrolle stärker gerecht zu werden. Es sei ein Unding, dass in den Gremien, die Regeln für die gesamte Gesellschaft aufstellen, Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert seien. Im OECD-Schnitt sind lediglich 29 Prozent der Parlamentarier Frauen. Vor acht Jahren waren es 25 Prozent, den Fortschritt gibt es also nur im Schneckentempo.

Frauen stellen auch lediglich 28 Prozent der Ministerposten. In höheren Verwaltungsjobs finde man ebenfalls nur eine deutliche Minderheit von Frauen, während sie die Mehrheit der schlecht bezahlten Arbeiten erledigten.

Die OECD nimmt zur Kenntnis, dass es in allen Ländern Programme und Initiativen für Gleichberechtigung gebe. Doch komme es vor allem darauf an, „dass sich die Führungsebene einsetzt, Leadership und politischen Willen zeigt und robuste Mechanismen zur Beschluss- und Umsetzungskontrolle anwendet“.

Auf diesem letzten Aspekt insistiert die Organisation besonders. Ein gutes Monitoring sei wichtig. In den Ländern, die darauf achten, seien Maßnahmen beispielsweise zur Erhöhung des Frauenanteils auf Entscheidungspositionen deutlich erfolgreicher als in anderen.      

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