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Donald Trump und Xi Jinping

Die USA und China belegen sich gegenseitig mit Strafzöllen.

(Foto: AFP)

Studie Protektionismus könnte Weltwirtschaft zehn Billionen Dollar kosten

Eine neue Studie beziffert die gewaltigen globalen Kosten der Handelskriege: Sie empfiehlt den Regierungen, auf dem G20-Gipfel einen neuen Kurs einzuschlagen.
17.09.2020 - 09:00 Uhr Kommentieren

London Handelskriege könnten die Volkswirtschaften der G20 in den kommenden fünf Jahren bis zu zehn Billionen US-Dollar kosten. Mehr Freihandel hingegen würde die Erholung aus der Corona-Rezession beschleunigen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der britischen Großbank HSBC und der Beratungsfirma BCG, die am Donnerstag vorgestellt wird.

Die Ergebnisse seien dramatisch, sagte Natalie Blyth, Chefin für globale Handelsfinanzierung bei HSBC. „Sie zeigen, dass die Handelspolitik eine wesentliche Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung spielt.“

Die Ökonomen haben die konjunkturellen Auswirkungen mehrerer Handelsszenarien durchgerechnet. In ihrem Grundszenario mit den derzeit geltenden Zöllen und Handelsbarrieren würde es vier Jahre dauern, bis sich die Wirtschaft der zwanzig führenden Industrieländer (G20) wieder auf Vor-Corona-Niveau erholt. Laut der Welthandelsorganisation WTO unterliegen rund zehn Prozent aller G20-Importe aktuell Restriktionen.

Geht man davon aus, dass die Regierungen in den kommenden fünf Jahren Strafzölle abbauen und neue Freihandelsabkommen abschließen, würde der globale Handelswert jährlich um zwei bis 2,6 Prozent gegenüber dem Grundszenario steigen. Das Wirtschaftswachstum würde pro Jahr zwischen 1,8 und 2,3 Prozentpunkte stärker ausfallen, was sich auf zehn Billionen Dollar summiert.

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    Im Grundszenario, in dem etwa die Strafzölle der USA und Chinas über den Zeitraum bestehen bleiben, würden der G20 diese zehn Billionen entgehen. Es wäre der Preis des Protektionismus. Und sollten die Staaten in den kommenden fünf Jahren noch protektionistischer werden als bisher, drohen weitere Handelseinbußen von bis zu 4,9 Billionen Dollar Handelswert.

    Die Studie basiert nur auf dem Güterhandel zwischen den G20-Ländern. Würde man den Export von Dienstleistungen hinzurechnen, würde der Effekt noch dramatischer ausfallen, sagte Sakund Ramachandran, Partner bei BCG.

    Man habe vier Variablen der Handelspolitik für die Szenarien berücksichtigt: Zölle, Sanktionen, Freihandelsabkommen und die Wirksamkeit des WTO-Regimes. Jeder dieser Faktoren könne die Welt mehr oder weniger protektionistisch machen.

    Die Studie wurde durchgeführt im Auftrag der „Business Twenty“ (B20), der Unternehmervertretung, die den G20-Prozess begleitet. Sie soll eine Zahlengrundlage, aber auch konkrete Handlungsempfehlungen für den G20-Gipfel in Saudi-Arabien im November liefern.

    WTO als Schiedsrichter stärken

    Durch die Coronakrise sei der Druck noch gewachsen, Lösungen für den Welthandel zu finden, sagte Blyth. Die Autoren empfehlen, die schwer angeschlagene WTO als Schiedsrichter zu stärken, die Digitalisierung inklusive gemeinsamer Standards voranzutreiben und den Export von Dienstleistungen zu fördern. 

    Auch müsse man stärker auf die positiven gesellschaftlichen Folgen des Freihandels hinweisen, sagte Blyth. Dazu zählten etwa neue Exportmöglichkeiten für kleine Unternehmen. Auch der E-Commerce habe durch Corona starken Rückenwind erhalten, darauf müsse man aufbauen.

    Der US-Präsident hat wesentlich zum wachsenden Protektionismus in der Welt beigetragen. Quelle: action press
    Donald Trump

    Der US-Präsident hat wesentlich zum wachsenden Protektionismus in der Welt beigetragen.

    (Foto: action press)

    Eine entscheidende Frage wird sein, wer die US-Präsidentschaftswahl im November gewinnt. Sollte Donald Trump wiedergewählt werden, dürfte es keine baldige Abkehr vom Protektionismus geben. Der Republikaner hatte in den vergangenen Jahren unter anderem China und die EU mit Strafzöllen überzogen und das WTO-Regime grundsätzlich infrage gestellt.

    Die Unsicherheit durch die Handelskriege und die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen dazu gebracht, ihre Lieferketten zu überprüfen. Einen Trend zum „Re-Shoring“ sehe man aber nicht, sagte Blyth. Man sehe nur eine Restrukturierung in Asien nach dem Motto „China plus 1“.

    Unternehmen wollten nicht ausschließlich von Lieferanten aus China abhängig sein, sondern nähmen gern noch ein weiteres Land hinzu. Aber eine Verlegung der Lieferketten in den Westen sehe man bisher nicht.

    Die WTO war zuletzt wieder optimistischer über die Aussichten des Welthandels nach der Coronakrise. Es sehe so aus, als sei der Einbruch um 18,5 Prozent im zweiten Quartal der Tiefpunkt gewesen, hatte WTO-Chef Robert Azevedo im Juni gesagt. Für das Gesamtjahr rechnete er nur noch mit einem Rückgang des Handels um 13 Prozent.

    Mehr: Die WTO steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte.

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