Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Südamerika USA soll Kuba-Sanktionen aufgeben

US-Präsident Barack Obama erklärt sich gesprächsbereit, Kubas Staatschef Raul Castro signalisiert Entgegenkommen: In der US-Politik gegenüber dem sozialistischen Karibikstaat zeichnet sich eine grundlegende Wende ab. Die forderten die Staaten Südamerikas bei ihrem Gipfeltreffen nun ein. Die USA sollen die Sanktionen gegen Kuba aufgeben.

HB PORT-OF-SPAIN. Dazu haben die Staatschefs Obama gedrängt. Dies berichtete ein Obama-Berater nach einer Sitzung der südamerikanischen Staatengruppe Unasur am Samstag in Port of Spain (Trinidad), wo an diesem Wochenende der Gipfel der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) stattfindet.

Obama habe deutlich gemacht, dass nach den Erleichterungen, die die USA für Kuba vergangene Woche beschlossen haben, der nächste Schritt zu einer bilateralen Verständigung von der Führung in Havanna kommen müsse, so der Berater, der namentlich nicht genannt werden wollte. Obama habe betont, dass er einen "neuen Dialog mit Kuba" anstrebe, aber "der Wandel wird nicht über Nacht kommen". Die USA hofften, dass die lateinamerikanischen Staaten ihren Einfluss in Kuba geltend machten, damit es dort Fortschritte bei Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit gebe.

Das Treffen der zwölf südamerikanischen Präsidenten mit Obama fand den Angaben zufolge in einer "sehr höflichen und positiven" Atmosphäre statt. Es sei eine "sehr offene Aussprache" gewesen und der US-Präsident habe erneut betont, dass er gekommen sei, um zuzuhören und zu lernen. Nachdem einige der Staatschefs auf die "interventionistische" Politik der USA in der Vergangenheit verwiesen hätten, habe Obama darum gebeten, gemeinsam in die Zukunft zu schauen und der "Versuchung zu widerstehen, alles, was schief läuft, und jedes Problem, das existiert, den USA anzulasten". Mehrere Unasur-Vertreter hätten erklärt, dass sie eine "neue Ebene des Vertrauens, eine neues Engagement zur Zusammenarbeit" sähen.

Besondere Beachtung fanden die Begegnungen zwischen Barack Obama und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Bei einem Treffen bemühte Obama sein bestes Spanisch und sein berühmtes Lächeln. "Como estas?" (Wie geht's Dir?) fragte der US-Präsident seinen Amtskollegen, der in den USA bisher die Verkörperung des bösen, imperialistischen Kapitalismus sah. In Obamas Vorgänger George W. Bush hatte Chávez sogar den leibhaftigen Teufel erkannt, wie er einmal vor der Uno sagte. Schon die wenigen Worte Obamas am Rande des OAS-Gipfels in Trinidad aber scheinen Chávez milde gestimmt zu haben, im Nachhinein sprach er von der kurzen Begrüßung als einer sehr "feinsinnigen" Geste Obamas, der ein sehr "intelligenter Mann" sei.

Das venezolanische Präsidialamt erklärte, Chávez habe dem US-Präsidenten gesagt, dass er auf bessere Beziehungen zwischen den beiden Staaten hoffe. Chávez selbst sagte vor Journalisten, er habe Obama auf Englisch gesagt, dass er dessen Freund sein wolle: "Wir haben keine Komplexe, die uns daran hindern würden, einander die Hand zu reichen. Ich bin dankbar für diese Geste." Am Samstagvormittag schüttelten sich beide Staatsmänner erneut die Hände, und Chávez klopfte Obama auf die Schulter. Er überreichte dem US-Präsidenten zudem ein Buch über die Geschichte Lateinamerikas.

Die USA stehen bei den linksgerichteten Regierungen Lateinamerikas zwar noch immer am Pranger. So wetterte der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega geschlagene 50 Minuten gegen die "Arroganz" und die "Inhumanität" des kapitalistischen Systems. Und wie fast alle anderen Redner forderte er die Aufgabe der US-Sanktionen gegen Kuba. Obama reagierte ironisch auf die Rede Ortegas: "Ich bin dankbar, dass Präsident Ortega mich nicht wegen Sachen beschuldigt hat, die sich ereigneten, als ich drei Monate alt war."

Aber auch wenn der US-Präsident manche anti-amerikanischen Ausbrüche nicht ernst nimmt, wusste er um die Herausforderung in Trinidad. Also war seine 15-minütige Rede gespickt mit großen Gesten der Versöhnung und Bescheidenheit - und mit leisen Forderungen an die Lateinamerikaner. "Amerika hat sich geändert", betonte er, nun müssten sich aber auch die anderen bewegen.

Obama hat die gleiche Botschaft nach Trinidad gebracht, mit der er die Welt seit fast drei Monaten zu beeindrucken versucht. Es gebe ein "neues Amerika", das in Augenhöhe und fair mit der Welt umgehen möchte. Aber die USA seien "nicht für alle Probleme in der Welt verantwortlich", betonte Obama. Der neue US-Präsident streckt fast allen in der Welt demonstrativ die geöffnete Hand aus - und hofft auf eine positive Resonanz, auf Kompromissbereitschaft in bisher verfeindeten oder misstrauischen Staaten.

Konservative Kommentatoren in den USA wie die des "Wall Street Journal" warnen allerdings schon seit der Europareise Obamas, dass er es wohl vermöge, Beifall und Begeisterung auszulösen - dies aber werde nichts an der Politik von Ländern wie dem Iran, Russland oder eben Kuba ändern. Obama versucht auch deshalb, Erwartungen früh zu dämpfen: Es werde eine "lange Reise" mit Kuba geben, bevor sich das Verhältnis normalisieren werde.

Startseite
Serviceangebote