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Südkorea Bürgermeister von Seoul tot aufgefunden

Die Polizei hat die Leiche Park Won Soon gefunden. Es wird davon ausgegangen, dass sich der Bürgermeister von Seoul das Leben genommen hat.
10.07.2020 - 03:03 Uhr Kommentieren
Die Polizei vermutet, dass sich der Oberbürgermeisten von Seoul das Leben genommen hat. Quelle: dpa
Polizisten tragen die Leiche von Park Won Soon

Die Polizei vermutet, dass sich der Oberbürgermeisten von Seoul das Leben genommen hat.

(Foto: dpa)

Tokio Südkorea wird vom dramatischen Tod des Seouler Bürgermeisters Park Won Soon erschüttert. Am Mittwoch hatte eine ehemalige Sekretärin ihn der sexuellen Belästigung beschuldigt. Am Donnerstagvormittag sagte Park dann laut Medienberichten seine Termine ab, schulterte einen Rucksack und verschwand. Nachdem seine Tochter um 17.17 Uhr ihn dann offiziell als vermisst meldete, begann eine große Suchaktion mit fast 800 Polizisten.

In der Nacht auf Freitag hatte die Nation endlich Gewissheit. In den Bergen hinter dem Präsidentenpalast fanden Spürhunde den Leichnam des Bürgermeisters der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt. Die Polizei wollte bisher nicht zum Todesgrund Stellung nehmen. Die Medien gehen aber von einem Selbstmord aus. Die Familie hatte eine Nachricht gefunden, die für sie wie ein letzter Wille gewirkt haben soll.

Die Entwicklung ist ein Schock mit möglicherweise großen innenpolitischen Auswirkungen. Der progressive Politiker Park hatte 2011 erstmals die Wahl zum Bürgermeister von Südkoreas politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Zentrum gewonnen. Mit seiner Sozialpolitik und Frauenförderung und den wiederholten Wahlerfolgen galt der frühere Menschenrechtsanwalt daher als einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge von Staatspräsident Moon Jae-in, dessen Amtszeit 2022 endet.

Erst am Mittwoch hatte er sich noch mit einem ambitionierten umweltpolitischen Plan profiliert. Mit seinem „neuen grünen Deal“ versprach er, bis 2050 die Megacity auf erneuerbare Energien umzustellen und nur noch Elektro- und Brennstoffzellenautos zuzulassen. Doch sein Auftritt wurde noch am gleichen Tag vom Vorwurf der sexuellen Belästigung überschattet.

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    Laut südkoreanischen Medien beschuldigt eine ehemalige Sekretärin den Bürgermeister, sie seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit im Jahr 2017 mehrfach berührt zu haben. Sie untermauerte ihre Anschuldigungen mit Textnachtnachrichten, die sie mit Park ausgetauscht hatte. Laut ihrer Aussage habe es auch andere Opfer sexueller Übergriffe durch den Bürgermeister gegeben. Die Polizei wollte daher Ermittlungen aufnehmen.

    Sexuelle Missbrauchsvorwürfe überraschen

    Die Vorwürfe überraschen angesichts von Parks Werdegang. Zwar hatte sein Image als Kämpfer der Armen zuletzt Kratzer erhalten, weil er in einigen Stadtteilen Neubauprojekte durchboxte, die alteingesessene, ärmere Mieter vertrieben. Aber in den 1990er Jahren hatte er als Anwalt einen der ersten Gerichtsprozesse um sexuelle Belästigung gewonnen.

    Zudem setzte er sich stark für die sogenannten „Trostfrauen“ ein, Südkoreanerinnen, die während des Weltkriegs zur Prostitution in den Kriegsbordellen des japanischen Militärs gezwungen wurden. 2018 unterstützte er dann in Südkorea die #MeToo-Bewegung, in der Frauen ausgehend von den USA sexuelle Belästigung offenbarten.

    Die Medien werden daher in den kommenden Tagen wahrscheinlich weitere Details aufdecken. Gleichzeitig könnte auch Südkoreas hohe Selbstmordrate wieder Teil der öffentlichen Debatte werden. Das Land liegt mit 26,9 Freitoden pro 100.000 Einwohner beständig in der globalen Spitzengruppe – auch Mächtige sind darunter, die sich Skandalen durch Selbstmord entziehen. 2009 stürzte sich der frühere Präsident Roh Moo-hyun nach Korruptionsvorwürfen und Krankheit von einer Klippe.

    Offen ist allerdings, wie sich der neue Fall auf die innenpolitische Diskussion auswirken wird. Präsident Moons Demokratische Partei hatte im Mai nach Moons erfolgreichen Management der Covid-19-Pandemie die absolute Mehrheit im Parlament errungen. Aber auch Moon leidet unter diversen Skandalen um Machtmissbrauch und Korruption in seinen Reihen.

    Die neuen Vorwürfe gegen Park könnten die konservativen Kräfte daher stärken, besonders in Seoul. Die Geschäfte werden bis zu den Wahlen im April 2021 per Gesetz vom Vize-Bürgermeister Seo Jeong-hyup weitergeführt, der bisher wenig in Erscheinung getreten ist.

    Mehr: Nordkoreas Militär prüft Besetzung der entmilitarisierten Zone.

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