Südkorea Mit Propagandabeschallung gegen den Feind

Der Süden berieselt Nordkorea wieder mit Kritik an Kim, Atomtests und Menschenrechtsverletzungen. Das ist jedoch nicht das einzige, das aus den Lautsprechern an der Grenze dudelt.
Südkorea setzt wieder einmal seine spezielle Waffe ein. Quelle: dpa
Südkorea

Südkorea setzt wieder einmal seine spezielle Waffe ein.

(Foto: dpa)

SeoulSüdkorea setzt wieder einmal seine spezielle Waffe ein: Mit an der Grenze postierten Lautsprechern nervt es seinen Erzrivalen im Norden mit Propagandabeschallung. In den Übertragungen wird die Herrscherfamilie Kim ebenso kritisiert wie das Atomprogramm, die wackelnde Wirtschaft und die Menschenrechtslage in Nordkorea. Seoul nutzt für seine Provokationen aber aber auch eine hausgemachte, eigene kulturelle Leistung: koreanische Popmusik, kurz K-Pop genannt.

Auf der Playlist Seouls stehen Lieder von Künstlern, die sich mit eher fragwürdigen Aktionen einen Namen gemacht haben. Darunter wäre eine weibliche K-Popgruppe, die berühmt dadurch wurde, dass ihre Mitglieder reihenweise bei einem Auftritt von der Bühne fielen, aber auch ein Sänger mittleren Alters, der vergangenes Jahr bekanntwurde, weil er ein Lied über den Wunsch sang, 100 Jahre lang zu leben. Manche Lieder, etwa diejenigen der Band Big Bang oder von Apink, sind bei Youtube mehrere Zehnmillionen Mal angeschaut worden.

Die Beschallung an der Grenze ist eine südkoreanische Vergeltung für den vom Norden behaupteten Atomtest. Pjöngjang hatte bekanntgegeben, man habe am Mittwoch erfolgreich eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet.

Südkorea benutzt die Propaganda, um sich seines demokratischen Systems und seiner Kultur zu rühmen. Aber auch ein wenig seichte Musik schadet nicht, scheint sich die politische Führung in Seoul sicher zu sein. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, K-Popsongs würden das Interesse der Nordkoreaner wecken.

Wie in anderen Kulturen manchmal auch, haben auch die koreanischen Songs teils zweifelhafte Botschaften. Ein Lied von Lee Ae Ran, dessen Titel so viel bedeutet wie „100 Jahre Leben“, handelt vom Tod und einem Gott der Unterwelt. In den Strophen erzählt Lee, dass es eigentlich noch nicht Zeit sei, um dem Leben Lebewohl zu sagen. Der Song wurde sowohl bei jungen als auch älteren Hörern so populär, dass auf KakaoTalk, einer Art südkoreanischem WhatsApp-Pendant, eigene Emoticons und animierte Bilder dafür entwickelt wurden. Online-Parodien des Stückes gibt es zuhauf.

Über die demilitarisierte Zone hallen nun auch die Rhythmen der Mädchenband GFriend. „Me gustas Tu“ handelt schlichtweg von einem jungen, schüchternen Mädchen, das allen Mut zusammennimmt, um einen Jungen um ein Date zu fragen. Die Gruppe ist zum einen für eingängige Popmusik und Tanzeinlagen bekannt. So richtig berühmt wurde sie aber erst, als ein Fan vergangenes Jahr ein Video auf Youtube hochlud. Darin ist zu sehen, wie die Mitglieder der Band nacheinander von einer rutschigen Bühne fallen. Neun Millionen Menschen haben sich das Video in den vergangenen vier Monaten angeschaut.

So feiert Kim Jong Un mit seiner Lieblings-Girl-Band
Kim Jong Un
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Nordkoreas Diktator Kim Jong Un lässt sich zum 70. Geburtstag der nordkoreanischen Arbeiterpartei nicht lumpen. Zusammen mit seiner Frau Ri Sol Ju (4. von links) schaute er sich in Pjöngjang die Performance einer ganz besonderen Band an: Die nordkoreanischen Medien veröffentlichten am Montag Bilder, die den Machthaber im Kreise der zwanzigköpfigen Frauen-Band Moranbong Band zeigen.

Fünf Damen für den Diktator.
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Die Moranbong Band ist die erfolgreichste Girl-Group Nordkoreas. Die Damen entzückten dabei Diktator Kim Jong Un und die übrige Parteiführung. Die Fotos wurden von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur veröffentlicht.

Ein Highlight jagte das nächste
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Die Band wurde eigens auf den Befehl des Diktators 2012 gegründet. Die Sängerinnen soll Kim eigenhändig ausgewählt haben.

Singen für den Diktator
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So feierte Kim Jong Un den 70. Geburtstag der Arbeiterpartei nicht nur mit einer obligatorischen Militärparade, sondern auch mit musikalischen Highlights.

Kim hat seinen Spaß
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Die Moranbong Band spielt eine Mischung aus Pop und Rock und soll mit ihren leichten Gute-Laune-Songs zur Lieblingsgruppe des Diktators geworden sein.

Kim inmitten seiner Mädels
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Der Moranbong ist übrigens ein Berg in der Hauptstadt Pjöngjang, der nach der Moran Blume benannt ist.

Moranbong Band
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Auf den hinteren Rängen in Pjöngjang durfte sich auch die Militär-Prominenz das Spektakel anschauen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Musik als Waffe gegen einen Feind eingesetzt wird. Als die USA 1989 in Panama einfielen, um De-Facto-Machthaber Manuel Noriega zu stürzen, spielten die US-Kräfte laute Rockmusik vor der vatikanischen Botschaft, in die sich Noriega geflüchtet hatte. Damit wollten sie ihn zum Aufgeben bringen.

Nordkoreanern ist es eigentlich untersagt, K-Pop zu hören. Nur staatlich kontrollierte Radiostationen und Fernsehsender sind in dem abgeschotteten Land erlaubt. Exilanten berichten jedoch davon, dass südkoreanische Musik in ihrem Heimatland sehr beliebt ist. Sie wird demnach auf USB-Sticks und DVDs ins Land geschmuggelt.

  • dpa
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