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Südostasien Amerika fürchtet chinesische Militärbasis in Kambodscha

Hat Kambodscha der chinesischen Regierung einen Marinestützpunkt im Golf von Thailand versprochen? Ein milliardenschweres Bauprojekt wirft Fragen auf.
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Laut Medienberichten soll China einen Militärstützpunkt in Kambodscha bauen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Militärboote vor Sihanoukville

Laut Medienberichten soll China einen Militärstützpunkt in Kambodscha bauen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Bangkok Eine noch vor kurzem verschlafene Strandstadt in Kambodscha ist heute eine boomende chinesische Enklave: In Sihanoukville leben offiziellen Angaben zufolge ebenso viele Chinesen wie Kambodschaner – jeweils rund 80.000. Andere Schätzungen gehen von der dreifachen Zahl an Chinesen aus.

Von den Hotels, Restaurants und Dutzenden Casinos in dem Urlaubsort werden laut den lokalen Behörden inzwischen 90 Prozent von Chinesen betrieben. Chinesische Schriftzeichen finden sich praktisch an jeder Häuserwand.

Kambodschas Küste am Golf von Thailand stößt aber nicht nur auf Interesse bei chinesischen Tourismusinvestoren, sondern auch bei Militärstrategen. Besonders die USA fürchten, dass China gerade dabei ist, sich in dem südostasiatischen Staat eine Basis für seine Streitkräfte zu sichern. Belegen soll das ein angeblicher Geheimvertrag. Und auch ein aufsehenerregendes 3,8-Milliarden-Dollar-Geschäft eines chinesischen Konzerns wirft Fragen auf.

Die Vereinbarung zwischen Kambodscha und China soll laut US-Behörden in diesem Frühjahr unterzeichnet worden sein, wie das „Wall Street Journal“ am Montag unter Berufung auf amerikanische Quellen berichtet. Die genauen Details des Abkommens kennt die US-Regierung demnach zwar nicht.

Die Beamten hätten jedoch Einblick in einen Entwurf, der China für 30 Jahre Zugang zu der kambodschanischen Marinebasis Ream geben soll, und der anschließend immer um zehn Jahre verlängert werden kann. China soll demnach den Stützpunkt ausbauen können, damit es genug Platz für seine Kriegsschiffe gibt. Außerdem soll Chinas Armee Soldaten und Waffen an der Basis stationieren dürfen, heißt es in dem Bericht.

Dementi aus Kambodscha

Sollte das zutreffen, würde Kambodscha zum ersten chinesischen Militärstützpunkt in Südostasien werden – und zum zweiten weltweit. Eine offizielle ausländische Militärniederlassung hat China bereits im ostafrikanischen Staat Dschibuti etabliert.

Analysten glauben, dass die Basis in Kambodscha China wichtige strategische Vorteile geben würde, unter anderem wenn es darum geht, seine Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer zu verteidigen.

Kambodschas Regierung dementierte die Berichte über eine militärische Zusammenarbeit mit der Volksrepublik am Montag jedoch vehement: „Das ist die schlechteste ausgedachte Nachricht gegen Kambodscha, die es je gegeben hat“, sagte Premierminister Hun Sen. Der autoritäre Machthaber Kambodschas hat in den vergangenen Jahren zunehmend die Nähe zur Regierung in Peking gesucht und profitiert von milliardenschwerer Entwicklungshilfe Chinas.

Auch das gute Geschäft mit dem Massentourismus aus China nützt dem Land, das zu den ärmsten Staaten in Südostasien gehört. Doch massive Investitionen aus China in Kambodschas Tourismusinfrastruktur wecken im Westen auch die Sorge, dass es den Geldgebern in Wahrheit um etwas anderes als die Entwicklung einer neuen Urlaubsdestination geht.

Im Zentrum steht dabei das Projekt Dara Sakor westlich von Sihanoukville und nicht weit entfernt von der Marinebasis Ream. Ein chinesischer Konzern hat dort einen 99-jährigen Pachtvertrag für ein 360 Quadratkilometer großes Gebiet bekommen, das 20 Prozent von Kambodschas Küste umfasst.

Überdimensionierter Flughafen

Das Unternehmen, Tianjin Union Development Group, will dort Luxushotels, einen Tiefseehafen, Schnellzugstrecken und auch einen Flughafen schaffen. Insgesamt belaufen sich die geplanten Investitionen auf 3,8 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro).

Die Arbeiten an dem Flughafen sind bereits weit fortgeschritten. Er soll eine Kapazität von zehn Millionen Passagieren haben, obwohl die Gegend bisher vergleichsweise wenig besucht wird. Der knapp vier Autostunden entfernte Flughafen von Sihanoukville hatte bisher weniger als eine halbe Million Passagiere zu vermelden.

Dass der Regionalflughafen derart groß angelegt wird, halten amerikanische Beobachter offenbar für verdächtig. Die Start- und Landebahn in Dara Sakor sei nicht nur ausreichend für große Passagiermaschinen, sondern auch für militärische Transportflugzeuge.

Zudem glaubt die US-Regierung laut „Wall Street Journal"-Bericht, dass auch Vorbereitungen getroffen wurden, die es Kampfflugzeugen ermöglichen würden, schnell aufsteigen zu können. Die Investoren weisen die Vermutungen über einen militärischen Hintergrund jedoch zurück. Sie beteuern, mit dem Flughafen rein kommerzielle Absichten zu verfolgen.

Die USA machen unterdessen deutlich, dass sie die Beschwichtigungen für nicht besonders überzeugend halten. „Wir sind besorgt, dass die kambodschanische Regierung mit der Zustimmung für die ausländische Militärpräsenz die Geschlossenheit der südostasiatischen Staatengemeinschaft gefährden könnte“, teilte die amerikanische Botschaft in der Hauptstadt Phnom Penh mit.

Bereits im Vorjahr hatte US-Vizepräsident Mike Pence einen besorgten Brief an Hun Sen geschrieben, als erste Gerüchte über eine chinesische Militärpräsenz in dem Land laut wurden. Im Juni fragte dann das US-Verteidigungsministerium bei der Regierung in Phnom Penh nach, warum eine ursprünglich aus Kambodscha beantragte finanzielle Unterstützung für die Modernisierung der Marinebasis im Golf von Thailand nun doch nicht mehr erwünscht sei. Dass die Chinesen hier nun Hausherren seien, wären zumindest eine plausible Antwort.

Mehr: Warum jetzt auch Kambodscha Plastikmüll zurückschickt.

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2 Kommentare zu "Südostasien: Amerika fürchtet chinesische Militärbasis in Kambodscha"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wahrscheinlich profitiert Kambodscha von diesen Investitionen - ob auch dauerhaft? Das USA dort etwas für die Bevölkerung tut, ist mir nicht bekannt. Ich denke: auf Dauer lassen sich die Chinesen in Südostasien nicht mehr zurück drängen. Ob das auf Dauer für die einheimische Bevölkerung gut ist, und die ihre Souveränität verliert, vermag ich nicht zu beurteilen. Bei einem derartig kleinen Land kann es schnell zu einer Überflutung durch Chinesen kommen. Nochmals: von den USA kann man nicht viel erwarten.

  • Kambodscha ist ein souveraenes Land - China uebrigens auch. Die koennen Militaerbasen
    einrichten, wo sie wollen. Wie waers mit Cuba, das von Trump erneut angefeindet wird.

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