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Südostasien Mysteriöser Virusausbruch beendet Vietnams Corona-Wunder

Der 100-Millionen-Einwohner-Staat glaubte, die Pandemie besiegt zu haben. Nun ist Covid-19 unter rätselhaften Umständen zurückgekehrt – und gefährdet auch die Wachstumsziele.
30.07.2020 - 14:55 Uhr Kommentieren
Durch den erneuten Ausbruch ist Vietnams Erfolgsgeschichte vorerst beendet. Quelle: AFP
Testcenter in Hanoi

Durch den erneuten Ausbruch ist Vietnams Erfolgsgeschichte vorerst beendet.

(Foto: AFP)

Bangkok Mit Patient 416 ist das schon besiegt geglaubte Virus nach Vietnam zurückgekehrt. Der 57-Jährige ist am Wochenende in der Küstenmetropole Danang mehrfach positiv auf Covid-19 getestet worden. In dem südostasiatischen Land ging damit eine einzigartige Erfolgsserie zu Ende: 99 Tage in Folge stellten die Gesundheitsbehörden keine einzige lokale Infektion fest.

Strikte Quarantäneauflagen für aus dem Ausland heimkehrende Vietnamesen sollten verhindern, dass sich das Coronavirus wieder ausbreiten kann. Doch genau das ist jetzt passiert. Bis Donnerstag wurden mehr als 40 weitere Menschen positiv getestet. Nun rätselt das Land darüber, wie es dazu kommen konnte. Fest steht, dass das neue Infektionsgeschehen die Rückkehr zur Normalität für die Vietnamesen erst einmal beendet.

Angesichts der erfolgreichen Viruseindämmung konnten Bars, Restaurants und Schulen wieder ohne Einschränkungen öffnen. Der Inlandstourismus nahm langsam an Fahrt auf. Doch die neue Ansteckungswelle bedeutet nun einen massiven Rückschlag: Das Land kehrt erneut zu einem teilweisen Lockdown zurück. Die Hoffnung auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum inmitten der Pandemie droht sich in Luft aufzulösen.

Pandemiebekämpfung nach Lehrbuch

Für Beobachter im Ausland ist die Entwicklung in Vietnam in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie zeigt, wie schwer sich die Pandemie trotz strengster Einreisekontrollen aufhalten lässt. Gleichzeitig wird am Beispiel Vietnams zu sehen sein, ob die Pandemiebekämpfung nach Lehrbuch zweimal hintereinander funktioniert.

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    Denn rückblickend hat Vietnam im Umgang mit dem Coronavirus so gut wie alles richtig gemacht. Die Behörden nahmen die neuartige Krankheit von Anfang an sehr ernst: Bereits im Januar untersagten sie Flüge aus der chinesischen Provinz Wuhan, in der das Virus erstmals nachgewiesen worden war. Im Februar wurden alle Schulen geschlossen. Als erstes Land außerhalb Chinas riegelte Vietnam ganze Dörfer ab, in denen einzelne Fälle aufgetreten waren – und testete systematisch sämtliche bekannten Kontaktpersonen von Erkrankten auf das Virus.

    Im März beschloss die Regierung in Hanoi ein Einreiseverbot für Ausländer. Vietnamesische Staatsbürger müssen nach Rückführungsflügen aus dem Ausland für 14 Tage in eine staatliche Quarantäneeinrichtung. Mit diesen strikten Vorgaben schaffte es Vietnam, die Zahl der bestätigten Infektionen auf wenige Hundert zu begrenzen. Der 100-Millionen-Einwohner-Staat ist zudem das größte Land der Welt, das nach den offiziellen Statistiken keinen einzigen Covid-19-Todesfall zu beklagen hat.

    Regierung gibt sich kämpferisch

    Doch irgendwo hat das System offenbar versagt. Vietnams Behörden und Gesundheitsexperten glauben nicht, dass sich das Virus monatelang unentdeckt ausbreiten konnte. Stattdessen gehen sie davon aus, dass es wohl trotz der strikten Kontrollen aus dem Ausland eingeschleppt wurde.

    Vietnams Staatsmedien berichteten in den vergangenen Tagen mehrfach von Schleuserringen, die Chinesen illegal ins Land gebracht hatten. Auch dass es zu Verstößen gegen Quarantäneauflagen gekommen sein könnte, scheint nicht ausgeschlossen.

    Die Behörden versuchen nun mit ihrem alten Erfolgsrezept den Schaden so gering wie möglich zu halten. Danang, wo der erste neue Fall auftrat, wurde vom Flug- und Bahnverkehr abgeschnitten. Strände dort sind nun geschlossen und größere Menschenansammlungen verboten. In der Hauptstadt Hanoi und in der südvietnamesischen Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt dürfen Bars und Nachtklubs vorerst nicht mehr öffnen.

    Sollten weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens nötig werden, könnte das Vietnams ambitionierte Wachstumsziele für dieses Jahr gefährden. Regierungsberater gingen zuletzt von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von bis zu vier Prozent in diesem Jahr aus – während andere Länder in der Region unter einem massiven Einbruch der Wirtschaftsleistung leiden.

    „Die relative Stärke von Vietnams Wachstumsdynamik verdankt das Land seinem Erfolg in der Eindämmung der Pandemie“, kommentierte die Ratingagentur Fitch. Premierminister Nguyen Xuan Phuc will diesen Erfolg noch nicht verloren geben. Er zeigte sich kämpferisch: „Wir müssen jetzt noch schneller und noch entschlossener handeln, um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.“

    Mehr: Wie Vietnam zum Überraschungssieger im Kampf gegen Corona wurde

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