S&P unter Beschuss Herabstufung "schon ernst zu nehmen"

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von neun Euroländern stößt auf harsche Kritik. Doch nicht nur Ärger macht sich breit, sondern auch ernsthafte Sorgen um das Top-Rating des Rettungsfonds.
Update: 14.01.2012 - 00:30 Uhr 12 Kommentare
EU-Währungskommissar Olli Rehn. Quelle: Reuters

EU-Währungskommissar Olli Rehn.

(Foto: Reuters)

Brüssel/WienTrotz Herabstufung der bisherigen AAA-Länder Frankreich und Österreich will die Eurozone die Top-Bonität für den Rettungsfonds EFSF erhalten. „Die Teilhaber des EFSF bekräftigen ihre Entschlossenheit, die Möglichkeiten für die Bewahrung des AAA-Ratings zu prüfen“, erklärte Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker am späten Freitagabend. Zuvor hatte S&P Frankreich und Österreich als erste der drei maßgeblichen Ratingagenturen die Spitzenbewertung genommen.

Dadurch entsteht im EFSF ein großes Loch, denn alleine der französische Anteil von rund 160 Milliarden Euro kann nun vermutlich nicht länger für die Ausgabe von AAA-Anleihen zur Finanzierung von Rettungsprogrammen für Pleitekandidaten genutzt werden.

Ohne den Anteil aus Paris schmölze die Ausleihsumme auf unter 300 Milliarden Euro. Andererseits würde der Verlust der Spitzenbewertung für die EFSF-Schuldscheine das Geldleihen für den Fonds verteuern. Juncker beteuerte deswegen, der EFSF „hat ausreichende Ressourcen zur Verfügung“, um seine Verpflichtungen aus laufenden und möglichen zukünftigen Rettungsprogrammen zu erfüllen.

Zugleich betonte der Eurogruppen-Chef, dass das Aufspannen des dauerhaften Rettungsschirms ESM auf Juli vorgezogen und der ESM statt nur mit Garantien auch mit eigenem Kapital ausgestattet wird. „Deswegen wird er von den Ratingnoten seiner Mitglieder nicht so stark beeinträchtigt“.

Ob der Ausleih-Deckel von 500 Milliarden Euro aufgestockt werden muss, soll im März entschieden werden. EU-Währungskommissar Olli Rehn kritisierte, dass S&P Frankreich und Österreich das AAA nahm und auch Italien, Spanien und fünf weitere Euro-Staaten herabstufte. Das sei „inkonsistent“, sagte Rehn, denn es komme zu einer Zeit, in der die Länder „an allen Fronten entschlossen auf die Schuldenkrise reagieren“.

So würden die Konsolidierungen ebenso vorangetrieben wie Strukturreformen, der Bankensektor gestützt und die Brandschutzmauern gestärkt. Rehn betonte mit Blick auf die zuletzt stark gesunkenen Zinsen für Italien und Spanien, dass die Spannungen an den Anleihenmärkten gerade erheblich nachgelassen hätten.

EZB-Banker: „Eine politische Aktion“
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12 Kommentare zu "S&P unter Beschuss: EU-Kommission wettert gegen Rating-Entscheidung"

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  • Wettern ist das eine, aber die Zeichen der Zeit und zwar zur rechten Zeit zu erkennen, das ist das Andere.

    Eben diese Zeit vorher hat die EU Commission, Barosso, verschlafen. Sie waren unfähig und sind es wahrscheinlich auch weiterhin. Bei der Besetzung der Ämter sollte mehr auf Qualität geachtet werden. Das gilt auch für unsere Regierung, z.B. für Ämter der EZB. Diese Steine fallen nur auf die Füße (siehe exemplarisch der Fall "Wulff").

    Es macht keinen Sinn, wenn das Kind im Brunnen liegt den Retter zu beschimpfen. Es sei denn, ...

  • Hallo aus Mainz,
    warum werden nicht alle Einnahmen der Ratingagenturen
    öffentlich gemacht? Beispiele:
    England dürfte heute nur die Bewertung "A" und die
    USA ebenfalls nur mit "A" bewertet werden. Es ist inzwischen bekannt, dass der S&P das Geld ausgeht. Warum werden derartige Infos nicht veröffentlicht?

  • Ist doch logisch.Die Herabstufungen waren angekündigt und nur eine Frage der Zeit.
    Euro ade ! Meinen Segen dazu hat er.Je schneller, desto besser für Deutschland.

  • Oh das Winseln der Eurokraten ist mal wieder Musik in meinen Ohren. :)
    Sie sehen ihr kollektivistisches Utopia den Bach runter gehen, und wollen auch noch den letzten Rest an Bonität in Europa für ihren Traum opfern.

    Der Euro ist ein Paradebeispiel für die Segnungen des Kollektivismus.

  • Hört sich doch alles an wie eine Nazi-Wochenschau von 1944. An allen Fronten... blablabla... Wunderwaffe EZB, Volkssturm ESM... bis alles wegen dieses "politischen Projekts" in der Katastrophe geendet ist.
    Ich freu mich drauf!

  • Da hat sich nichts beruhigt! Die Auktionen für kurzfristige (!) Staatasanleihen von Spanien und Italien leifen deshalb "gut", weil die spanischen und italienischen Banken diese Papiere quasi risikofrei mit dem Geld kaufen konnten, das ihnen die EZB kurz vor Weihnachten für 3 Jahre zum Leitzins fast geschenkt hat. Die beiden nationalen Notenbanken haben zudem Druck auf die Geschäftsbanken ausgeübt, ja auch genügend Gebote für die Staatsanleihen abzugeben. Ein genilaer Schachzug von Herrn Draghi: Er flutet die Banken mit billigstem 3-Jahresgeld damit diese dann die Staatsanleihen kaufen können und er (EZB) es nicht tun muß. Natürlich kauft auch diese Strategie wieder nur Zeit und macht die Krise letztendlich schlimmer. Wie unsinnig das Ganze ist hat man bereits am Freitag gesehen, als dann mittelfristige Italien-Bonds vom Markt nicht mehr gut aufgenommen wurden und infolgedessen die Renditen langlaufender Papiere deutlich stiegen. Also: Nicht blenden lassen von kurzfristiger Effekthascherei!

  • So kommts wenn man meint man müsse gegen der Völker Willen Äpfel, Birnen, faule Tomaten und Kartoffeln in einen Topf werfen und behaupten es käme reinster Traubenwein heraus. Jeder sollte wieder zu seiner Währung zurückkehren und diese EU Scheisse in die Tonne kippen. Man kann auch gemeinsam sein ohne sich gleich den Hintern gegenseitig zu wischen. Unsere Politiker sollten für diesen ganzen Betrug und Wahnsinn lebenslang hinter Gitter.

  • Mit diesen einsichtslosen EU-Bankrotteuren kann man kein
    Mitleid mehr haben.
    Bestünde eine Wechselkursunion könnte man die Beurtei-
    lungen von S&P ignorieren, da die EU dann selbst in der
    Lage wäre die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer
    Länder einzuschätzen.
    So ist man den Beurteilungen der Ratingagenturen hoff-
    nungslos ausgeliefert, die mit ihren Einschätzungen im-
    mer den aktuellen Ereignissen hinterherhinken, wie man
    am Beispiel der Lehmanbrüder sehen konnte, die noch kurz
    vor ihrem Bankrott eine Topboniät eingeräumt bekamen.
    So kann man jetzt für die BRD von Alarmstufe 1 mit der
    Verschleuderung unseres Volksvermögens durch die EZB
    ausgehen.
    Mit dem geplanten ''Fiskalpakt'' bei unsere Finanzho-
    heit an das Scharze Loch Brüssel abgegeben werden soll,
    dürfte nun des Ende des Alleinsubventionierers BRD der
    EUdSSR eingeläutet sein.

  • Die an den verschiedenen "Rettungsaktionen" der illiquiden (oder davon bedrohten) EU-Staaten beteiligten Regierungen - einschließlich der EU-Institutionen - haben ja ganz bewußt die Schulden anderer zu ihren eigenen Schulden gemacht.

    Somit rückten sie selbst an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit heran und haben sie wahrscheinlich zum Teil schon erreicht. Sie konnten nicht ernsthaft erwarten, daß die Marktteilnehmer und auch die Ratingagenturen dies nicht bemerken und entsprechend bewerten.

    Worüber beschweren sie sich nun? Wer Hochinfektiöse umarmt, muß sich nicht wundern, wenn er sich ansteckt.

  • "Die österreichische Nationalbank sieht die Entscheidung der Rating-Agentur Standard & Poor's als Störung für die positive Entwicklung in Europa.„Das ist ja eine politische Aktion, wenn in einem Schlag ganz Europa heruntergeratet wird oder zumindest eine negative Perspektive erhält.“

    Komisch, kaum beruhigt sich der Markt ein bisschen (siehe spanische/ital. Anleiehn), kommen auch schon wieder diese Terroristen, um ein bisschen Oel ins Feuer zu giessen... Zum Glueck schiessen sich die Amis damit selbst ins Bein: Euro-Krise = billiger € = billige Waren aus der EU, mehr Export fuer uns...

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