Syrien-Krieg Moskau kokettiert mit einem Friedensangebot

In Aleppo fallen seit Tagen Bomben, Machthaber Assad rückt mit Hilfe der Russen vor. Doch vor der Münchner Syrienkonferenz sendet Moskau plötzlich Friedenssignale. Ist eine Waffenruhe möglich?
Update: 11.02.2016 - 20:23 Uhr 34 Kommentare
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat nach eigenen Angaben konkrete Vorschläge zur Einstellung des Feuers in Syrien vorgelegt. Quelle: dpa
Sergej Lawrow

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat nach eigenen Angaben konkrete Vorschläge zur Einstellung des Feuers in Syrien vorgelegt.

(Foto: dpa)

München/MoskauBei der Syrien-Konferenz in München haben Russland und die USA einen Neuanlauf für einen Waffenstillstand in dem Bürgerkriegsland gestartet. Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry hätten sich unter anderem über eine mögliche Waffenruhe sowie humanitäre Hilfe unterhalten, hieß es am Donnerstag aus Moskau. Die diplomatischen Bemühungen waren von weiteren Kämpfen um die syrische Stadt Aleppo begleitet.

Zuvor hatte bereits der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin erklärt, man führe „sehr wichtige“ Gespräche mit Washington über einen Waffenstillstand. Ob aber eine Einigung in greifbarer Nähe ist, war zunächst unklar. Westliche Länder werfen Russland vor, mit Bombardements in Syrien Zivilisten zu treffen und das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zu stützen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hofft dennoch auf einen Durchbruch in München. „Wenn es uns nicht gelingt die Spirale von Gewalt und Gegengewalt jetzt zu durchbrechen, dann wird sich dieser furchtbare Bürgerkrieg weiter in die Länge ziehen und weitere Opfer verursachen.“

Tod, Armut und Verzweiflung
Unter ständigem Beschuss
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Es ist die Zivilbevölkerung, die unter den erbitterten Kämpfen leidet: 470.000 Menschen sollen im syrischen Bürgerkrieg ums Leben gekommen sein. Das geht aus einem aktuellen Bericht des „Syrian Center for Policy Research“ (SCPR) hervor. Die Schätzungen des unabhängigen Instituts übersteigen die der Uno, die bisher mit 250.000 Toten rechnet, damit bei weitem.

Ständig unter Beschuss
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Die Zahl der Verletzten seit dem Beginn der Kämpfe im März 2011 stieg laut Bericht auf 1,9 Millionen. Insgesamt sind damit 11,5 Prozent der Bevölkerung im Krieg umgekommen oder wurden verwundet. Fast ein Fünftel aller Kriegstoten starb nicht an den direkten Folgen des Kriegs, sondern an fehlender medizinischer Versorgung oder humanitärer Hilfe.

Dem Krieg ausgeliefert
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Und die Zahlen werden dramatisch ansteigen, vermuten viele Experten mit Blick auf die Situation in Aleppo. Die Stadt ist zurzeit der Offensive des Assad-Regimes ausgeliefert, das von iranischen Kämpfern und russischen Kampfflugzeugen unterstützt wird. Bis zu 50.000 Menschen sind in der Stadt im Norden des Landes eingesperrt – ohne Nahrung, ohne humanitäre Hilfe.

1900 Ziele hat Russland bisher bombardiert
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Je mehr Bomben auf die syrischen Städte fallen, desto größer werden auch die Erwartungen an die Münchener Sicherheitskonferenz, die am Donnerstagabend beginnt. Die syrische Bevölkerung hofft, dass sich Russland und die USA auf ein Ende der Luftangriffe einigen. Erste Anzeichen gibt es: Die „Washington Post“ berichtet, das die Regierung in Moskau vorgeschlagen hat, die Luftangriffe zum 1. März einzustellen.

Syrien verarmt
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Währenddessen verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Zivilbevölkerung von Tag zu Tag. Im Jahr 2015 ist die Armut laut dem Bericht auf mehr als 85 Prozent gestiegen, nahezu 70 Prozent leben sogar in extremer Armut. 2,7 Millionen haben seit Beginn der blutigen Konflikte ihren Job verloren, mehr als die Hälfte aller Syrer ist arbeitslos. Die Schäden für die Wirtschaft werden auf insgesamt 255 Milliarden US-Dollar veranschlagt.

Nur das Nötigste für die Flucht
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Für viele Syrer gibt es angesichts der aussichtslosen Lage in ihrer Heimat nur einen Ausweg: Flucht. Mehr als sechs Millionen haben seit Kriegsbeginn ihren Wohnort verlassen, viele schon mehrmals. Das entspricht etwa 45 Prozent der Bevölkerung. Weitere vier Millionen Flüchtlinge haben bereits das Land verlassen.

Im Syrienkrieg gab es bislang nur geografisch sehr begrenzte Feuerpausen in einigen Dörfern, aber keine Waffenruhe im ganzen Land. Mehr als 250.000 Menschen wurden in dem brutalen Konflikt getötet, Millionen in die Flucht geschlagen.

Sogar von 470.000 getöteten Syrern berichtete der britische „Guardian“ am Donnerstag unter Berufung auf das Syrische Zentrum für Politikforschung. 400.000 Menschen wurden demnach bei Kampfhandlungen getötet. Weitere 70.000 seien ums Leben gekommen, weil sie keine ausreichende medizinische Versorgung, sauberes Wasser oder Unterkünfte gehabt hätten. Der Erhebung zufolge sind in dem Krieg mehr als elf Prozent der Bevölkerung getötet oder verletzt worden.

Am Abend begannen in München die Gespräche der sogenannten Syrien-Unterstützergruppe, der 17 Staaten angehören, die eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche ausloten wollten. An dem Treffen nahmen alle Länder teil, die für die Beendigung des seit fünf Jahren andauernden Bürgerkriegs eine Schlüsselrolle haben. Dazu zählen auch Saudi-Arabien und Iran. Die Friedensgespräche in Genf waren vor einer Woche nach nur fünf Tagen abgebrochen worden.

Russland unterstütz weiter Assad
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34 Kommentare zu "Syrien-Krieg : Moskau kokettiert mit einem Friedensangebot"

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  • HB- Redaktion"

    Kommentare nach 20h? Das erinnert an alte Zeiten las das HB noch "liberal" war und eine interessante online-Zeitung. lol

  • @Mac Guirre

    Gaddafi war schon lange wieder anerkannter Partner des Westens, sie scheinen verdrängt zu haben, dass der französische Präsident Sarkozy beste Beziehngen pflegte und mit Libyien sogar ins Geschäft kommen wollte , was die Lieferung von AKWs angeht, Gaddafis Beziehungen mit Italien waren ausgezeichnet u.s.w.

    Das war die eine Seite, die andere der arabische Frühling, mit einer angeblichen Demokratisierung des gesamten nahen Ostens, der so in die Hose ging und zu einem Chaos sondersgleichen führte, indem das Chaos hervorgerufen durch die amerikanische Interventionspolitik unter Bush noch, potenziert wurde.

    Obama hat erkannt, das die Bush-Politik ein grandioser Fehler war und hält sich mit direkter militärischer Intervention zurück, unterstützt aber mit Aufrüstung z.B. die sog, moderate Opposition in Syrien und zündelt so af einer anderen Ebene weiter.

    Inzwischen ist die Situation so verfahren, da auch regionale Mitspieler wie Saudi-Arabien, derI Iran, die Türkei,verschiedenste sunnitische Gruppen, die Kurden u.s.w. ihre eigne geostrategische Suppe kochen

  • Herr Enrico "FatFinger" Caruso, wenn Sie zu Gaddafis Zeiten widerholt in Libyen gewesen wären, würden Sie anders denken. Aber ich glaube kaum, dass Sie überhaupt einmal dort waren.

  • Was ist das denn, die Kommentarfunktion ist noch an? Ist das ein Test?

    @ Robbie McGuire
    Die unbekümnmerte Hochnäsigkeit, mit der Sie sich über die Zustände in anderen Ländern (hier: Libyen) äußern, spricht Bände. Sie besitzen überhaupt nicht so etwas wie eine "Werteskala".
    In den drei hier angesprochenen Ländern herrscht, nach dem Sturz ihrer langjährigen Herrscher, die reinste Hölle mit täglichen Bombenanschlägen, Krieg und religiös-verbrämtem Terror.
    Ich habe es weiter unten auf dieser Seite schon ähnlich geschrieben: Saddam Hussein, Muhammad al-Gaddafi und Baschar al-Assad haben so etwas, auch und gerade wegen ihrer autoritären Führung, stets verhindern können. Seit die USA dort als "Befreier" aufgetaucht sind, ist es mit diesem Frieden vorbei.
    Aber das wird Sie nicht interessieren. Ihnen geht es gut und Sie verteilen hier Ihre Sympathienoten für Personen, von denen Sie gerade mal den Namen kennen.

  • Herr Peter Spiegel, weder Gaddafi noch Berlusconi finden einen Platz auf meiner Werteskala. Dazu gehört auch der Zarewitsch

  • Herr Enrico "FatFinger" Caruso, weder das eine noch das andere. Das wäre sonst die Antwort, wer ist schlimmer: der Teufel oder Beelzebub.

  • Lieber Herr Spiegel, zur Verdeutlichung: die betreffenden Kommentare erwecken den Eindruck eines Kindergartens.

  • Aus folgendem Satz werde ich nicht schlau:
    "Zudem drohte er hat mit einem Eingreifen der Türkei in Syrien"

    Nicht nur falsch, sondern sogar Sinn störend!

  • @ Robbie McGuire
    Mal ganz davon abgesehen, was Sie so verbinden, und was den Tatsachen entspricht: Was verbinden Sie denn mit den jetzigen Zuständen in Libyen? Besser oder schlechter als unter al-Gaddafi?

  • Herr Robbie McGuire@
    Gaddafi war ein Freund von Berlusconi und somit Ihrer Wertegemeinschaft.
    Immerhin sorgte Ihr Freund für die Illegalen, so daß Frau Merkel diese nicht einladen mußte.

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