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Syrien Kurden bereiten sich auf türkischen Angriff vor – Iran hält Militärübung ab

Der Einmarsch der türkischen Truppen in Nordsyrien wird seit Tagen erwartet. Die Kurden rufen ihre Kämpfer zu einer Generalmobilmachung auf.
Update: 09.10.2019 - 14:58 Uhr Kommentieren
Die Türkei will in den Norden Syriens einmarschieren. Quelle: AP
Türkische Artillerie an der Grenze zu Syrien

Die Türkei will in den Norden Syriens einmarschieren.

(Foto: AP)

Beirut Die kurdisch geführte zivile Verwaltung in Nordsyrien hat angesichts eines erwarteten Einmarsches der Türkei zu einer Generalmobilmachung im Grenzgebiet aufgerufen. „Wir rufen unser Volk aus allen ethnischen Gruppen auf, sich in die Gebiete an der Grenze zur Türkei zu bewegen, um Widerstand während dieser sensiblen historischen Zeit zu leisten“, teilte die autonome Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien mit.

Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, Verantwortung zu übernehmen, da „eine humanitäre Katastrophe über unser Volk hereinbrechen könnte“.

Vor einer geplanten Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien haben der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin telefoniert. Erdogan sagte in dem Gespräch am Mittwoch nach Angaben des Präsidialamts in Ankara, dass der geplante Einsatz im Osten des Flusses Euphrats zu Frieden und Stabilität in Syrien beitragen werde. Zudem werde er den Weg für den politischen Prozess freimachen.

Das Amt teilte weiter mit, Erdogan habe versichert, dass die Rechte und Interessen des syrischen Volkes Priorität für die Türkei hätten. Ankara schätze dazu die konstruktive Haltung Russlands. Aus Moskau gab es zunächst keine offizielle Bestätigung für das Gespräch.

Moskau unterstützt im syrischen Bürgerkrieg den Präsidenten Baschar al-Assad, Ankara dagegen die Rebellen.

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag überraschend verkündet, dass amerikanische Soldaten aus der Grenzregion abgezogen werden sollten. Dadurch wird ein türkischer Einmarsch in Syrien ermöglicht. Kritiker und die Kurden selbst werfen Trump vor, Verbündete im Stich zu lassen. Trump drohte der Türkei mit dem Zerstören ihrer Wirtschaft, sollte sie in Syrien zu weit gehen.

Derweil hat der Iran nahe der Grenze zur Türkei einem staatlichen Medienbericht zufolge überraschend eine Militärübung begonnen. Das Manöver wurde am Mittwoch angekündigt. Nähere Zahlen zu den Soldaten gab es nicht, die an der Übung in Kuschchi in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan teilnehmen.

In dem Bericht des Staatsfernsehens wurde außerdem nicht der vermutlich bevorstehende türkische Militäreinsatz im Nordosten Syriens erwähnt.

Türkei zieht seit Tagen Truppen zusammen

Dieser wird „in Kürze“ stattfinden, wie der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun in einem Meinungsbeitrag in der „Washington Post“ vom Dienstag schrieb. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits am Samstag erklärt, türkische Truppen stünden bereit, „heute oder morgen“ gegen die kurdische Miliz YPG vorzugehen.

Diese hatte entscheidenden Anteil am von den USA unterstützten Kampf und Sieg gegen die Terrormiliz IS.

Erdogan betrachtet die YPG als Verbündeten von kurdischen Untergrundkämpfern in der Türkei und deswegen als terroristische Organisation, die von der türkischen Grenze ferngehalten werden müsse. Altun schrieb, die Türkei wolle syrisch-kurdische Kämpfer im Nordosten Syriens „neutralisieren“ und die lokale Bevölkerung „vom Joch der bewaffneten Schläger befreien“.

Die Türkei zieht seit Tagen Soldaten an der Grenze zusammen. Gemeinsam mit verbündeten syrischen Rebellengruppen wolle sie gegen Kurden sowie den IS kämpfen, hieß es. Die internationale Gemeinschaft solle sich hinter Ankara stellen, forderte Altun.

Die Kurden machten sich derweil nicht nur für einen Angriff der Türkei bereit: IS-Terroristen griffen am Mittwochmorgen Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte im Norden Syriens an. Sie hätten in der Stadt Al-Rakka einen Posten attackiert und dafür drei Selbstmordattentäter eingesetzt, teilten die SDF mit. Al-Rakka war einst die De-facto-Hauptstadt des IS, der dort sein sogenanntes Kalifat ausgerufen hatte.

Mehr: Das Chaos um Syrien wird zum nächsten Brennpunkt der Trump-Präsidentschaft. Führende Republikaner verweigern Trump zunehmend den Rückhalt, dabei braucht er den dringender denn je.

  • ap
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