Syrien Neuer Anlauf bei Waffenruhe lässt Syrer hoffen

Formell gilt in Syrien bereits seit Februar eine vereinbarte Waffenruhe. Doch die erwies sich in den vergangenen Tagen als zunehmend brüchig. Nun starten die Konfliktparteien einen neuen Anlauf.
Update: 29.04.2016 - 19:28 Uhr
In Syrien kommt es wieder zu neuen Eskalationen. Quelle: AFP
Syrien

In Syrien kommt es wieder zu neuen Eskalationen.

(Foto: AFP)

Beirut/MoskauDie syrische Armee hat am Freitag eine temporäre Waffenruhe für die Hauptstadt Damaskus und deren Außenbezirke sowie die Provinz Latakia erklärt. Die Feuerpause gelte aber nicht für die umkämpfte Stadt Aleppo im Nordwesten des Landes, hieß es in einer im Fernsehen vorgelesenen Erklärung. Dort kamen mindestens 15 Menschen beim Beschuss einer Moschee ums Leben. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hob die Zahl der Toten nach den Luftangriffen auf ein Krankenhaus und anliegende Gebäude vom Mittwoch auf 50 an.

Die Feuerpause für die syrische Hauptstadt soll am Samstag um 01.00 Uhr (Ortszeit) beginnen und in und um Damaskus 24 Stunden dauern, in Latakia drei Tage. Welche Auswirkungen die einseitig ausgesprochene Waffenruhe haben wird, war zunächst unklar. Es galt als unwahrscheinlich, dass sich die Rebellen daran halten werden - nach tagelangen Luftangriffen der Regierung auf von ihnen kontrollierte Bezirke von Aleppo. Oppositionellen Aktivisten zufolge starben in der Stadt in der vergangenen Woche mehr als 200 Menschen.

Das syrische Staatsfernsehen schrieb den Angriff auf die Moschee in Aleppo Rebellen zu, die ein von Regierungstruppen gehaltenes Viertel treffen wollten. Mehrere Raketen schlugen den Angaben zufolge nach den Freitagsgebeten in der im Viertel Bab al-Faradsch gelegenen Malla-Chan-Moschee und Umgebung ein. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt.

Wohin die Syrer zurückkehren
Ausschreitungen in Idomeni
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Im Flüchtlingslager in Idomeni an der mazedonischen Grenze ist es am Wochenende zu Ausschreitungen gekommen. Die Migranten weigern sich, in die offiziellen Aufnahmelager zu gehen. Sie wollen stattdessen ihre Weiterreise nach Mitteleuropa erzwingen – doch sie werden daran scheitern. Für viele von ihnen bleibt nur die Rückkehr nach Syrien. Angesichts der Spannungen in Indomeni warnt der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, vor einer Radikalisierung wütender Migranten. Der Umgang der Behörden mit den Protestierenden müsse gut überlegt sein. „Was Sie heute sehen, sind die Dschihadisten von morgen“, sagte Toskas am Montag dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Steine gegen Tränengas
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Am Sonntag hatten Migranten versucht, gewaltsam den mazedonischen Grenzzaun zu überwinden, um sich den Weg nach Mitteleuropa freizukämpfen. Sie zerstörten einen Teil des Zauns und schleuderten Steine auf die mazedonischen Sicherheitskräfte. Die mazedonische Polizei setzte massiv Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse ein. Bei den Auseinandersetzungen seien mindestens 300 Migranten und 23 mazedonische Polizisten verletzt worden, teilten Behörden und humanitäre Organisationen mit.

Kein Weg nach Mitteleuropa
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In Idomeni sitzen mehr als 11.000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor wenigen Wochen abgeriegelt worden war. Seitdem fordern sie immer wieder die Öffnung der Grenze zu Mazedonien, um von dort aus weiter Richtung Deutschland und in andere europäische Länder zu kommen. Gemäß dem Abkommen werden alle Menschen, die nach dem 20. März auf illegalem Weg Griechenland erreichen, in die Türkei zurückgeschickt.

Die Ersten kehren nach Palmyra zurück
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Knapp zwei Wochen nach der Rückeroberung Palmyras aus den Händen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind die ersten geflüchteten Einwohner kurzzeitig in die syrische Oasenstadt zurückgekehrt. In von der syrischen Regierung gestellten Bussen fuhren hunderte Einwohner am Samstag in die als „Perle der Wüste“ bekannte Stadt, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Doch an eine „Perle“ erinnert in Palmyra kaum noch etwas.

Zerstörte Häuser
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Viele der Rückkehrer finden nur noch Trümmer vor. Erstmals durften hunderte Bewohner am Samstag in ihre alte Heimatstadt zurückkehren – für wenige Stunden, dann wurden sie mit von der Regierung gestellten Bussen wieder nach Homs zurückgebracht. Es sei zu gefährlich, sagte ein örtlicher Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Sprengsätze müssen geräumt werden
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Überall lägen Sprengsätze und Minen des IS, zudem gebe es weder Wasser noch Strom. Es werde mindestens drei Wochen dauern, bis die Menschen auch über Nacht bleiben könnten.

45 Prozent der Stadt sind zerstört
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Überwältigt vom Ausmaß der Schäden brechen einige der Rückkehrer in Tränen aus. Halb eingestürzte Wohnblocks säumen die Straßen, andere Häuser sind komplett zerstört, vor ihnen türmen sich Trümmer, kaputte Möbel und Abfall. Palmyra ist zu 45 Prozent zerstört, sagt die Provinzregierung.

Zuvor hatte es Berichte über Luftangriffe der Regierung auf Teile von Aleppo gegeben, die von Rebellen gehalten werden. Dabei seien mindestens zehn Menschen getötet worden, berichteten die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Lokalen Koordinationskomitees.

In dem von Rebellen gehaltenen Viertel Mardscheh seien nahe einer Klinik Geschosse eingeschlagen, so die Aktivisten weiter. Angaben über Opfer gab es zunächst nicht, das Hospital sei am Freitag leer gewesen, hieß es. Schon am Mittwoch waren in einem von Rebellen gehaltenen Viertel das Kuds-Krankenhaus und angrenzende Häuser Ziele von Luftangriffen gewesen. Dabei seien mindestens 50 Menschen gestorben, darunter Patienten und sechs medizinische Mitarbeiter, teilte Ärzte ohne Grenzen am Freitag mit. Die USA vermuten hinter den Angriffen die syrische Armee.

Der Beschuss des Hospitals habe einen der letzten Orte in Aleppo getroffen, „wo man noch Menschlichkeit finden konnte“, schrieb die Organisation weiter. Ärzte ohne Grenzen warnte zudem, dass die 250.000 Anwohner in den von Rebellen gehaltenen Vierteln Aleppos der Gefahr ausgesetzt seien, ganz von medizinischer Hilfe und anderer Versorgung abgeschnitten zu werden.

In der seit Wochen wieder besonders umkämpften Stadt hatte es am Morgen einige Stunden Kampfpause gegeben, bevor die Bombardements erneut begannen. Aus Furcht vor Angriffen durch russische und syrische Flugzeuge hatten Imame in den Rebellen-Gebieten ihre Freitagsgebete in den Moscheen zum Teil ausgesetzt, wie es hieß.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, rief am Freitag alle Konfliktparteien auf, nicht zu einem totalen Krieg zurückzukehren. Offiziell gilt in Syrien seit Ende Februar eine Feuerpause, die allerdings immer wieder gebrochen wird. Die Terrormiliz Islamischer Staat und die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Nusra-Front sind von der Waffenruhe ohnehin ausgenommen.

  • ap
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