Syrien Regime bestreitet Angriff auf Flüchtlingslager

Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in Syrien starben mindestens 28 Menschen. Erste Berichte deuten darauf hin, dass die Armee des Landes den Angriff flog. Das Regime bestreitet das allerdings.

Amateuraufnahmen: Luftangriff zerstört Flüchtlingslager in Syrien

Beirut/GenfDie Vereinten Nationen und westliche Staaten haben den Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in Syrien mit 28 Toten als Verbrechen verurteilt. Erste Berichte deuteten darauf hin, dass die syrische Luftwaffe den Angriff geflogen habe, das müsse aber noch verifiziert werden, sagte UN-Menschenrechtskommissar Seid Ra'ad al Hussein am Freitag in Genf. Das syrische Militär wies ebenso wie Russland jede Beteiligung zurück. Die Zerstörungen in dem Lager nahe der türkischen Grenze ließen darauf schließen, dass der Al-Kaida-Ableger Nusra-Front das Camp absichtlich oder versehentlich beschossen habe, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen hochrangigen russischen Militärvertreter. Die Nusra-Front und andere islamistische Rebellen lieferten sich südwestlich von Aleppo heftige Kämpfe mit Regierungstruppen.

Bei dem Angriff auf das Lager bei Sarmada rund 30 Kilometer westlich von Aleppo wurden am Donnerstag nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 28 Menschen getötet, darunter auch Frauen und Kinder. Die Zahl der Toten könne noch steigen, da es auch viele sehr schwer Verletzte gebe. Im Internet wurden am Freitag Bilder verbreitet, auf denen Rettungskräfte versuchen, brennende Zelte zu löschen

Stadt in Trümmern
Die zerstörte Altstadt von Aleppo
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Kämpfer der radikalislamistischen Al-Nusra-Front haben mehrere Ortschaften südlich von Aleppo von den Regierungstruppen zurückerobert, darunter den strategisch wichtigen Ort Chan Tuman.

Nach den Luftangriffen nahe Aleppo
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Bei den erbitterten Kämpfen zwischen der Al-Nusra-Front und den Regierungstruppen seien in weniger als 24 Stunden mehr als 70 Menschen getötet worden, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag: 43 Kämpfer der Al-Nusra-Front und ihrer Verbündeten sowie 30 Soldaten und Damaskus-treue Milizionäre.

Ein zerstörtes Krankenhaus in Aleppo
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Bei der Al-Nusra-Front handelt es sich um den syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie kämpft im syrischen Bürgerkrieg an der Seite moderaterer Rebellengruppen. Die derzeitige Waffenruhe gilt für die Al-Nusra-Front und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht.

Erneute Luftangriffe auf die Region um Aleppo
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Die Dschihadisten eroberten der Beobachtungsstelle zufolge die Ortschaft Chan Tuman und umliegende Dörfer. Die Armee verlor demnach durch die Niederlage eine ihre Hauptverteidigungslinien in der Region. Die Rebellen seien näher an die Verbindungsstraße zwischen Aleppo und der Hauptstadt Damaskus herangerückt, hieß es weiter.

Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad
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Die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hatten die Al-Nusra-Kämpfer erst im Dezember aus Chan Tuman verjagt. Die Ortschaft liegt wenige Kilometer südwestlich der einstigen Wirtschaftsmetropole Aleppo. Für sie ist seit Donnerstag eine 48-stündige Feuerpause in Kraft getreten, die offenbar zunächst auch eingehalten wurde. Anwohner berichteten von relativer Ruhe nach zuvor rund zehn Tagen mit heftigem Beschuss.

Ein Junge fährt durch das zerbombte Aleppo
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Aleppo ist zwischen Regime und Rebellen geteilt. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren dort zuletzt mindestens 285 Zivilisten bei Luftschlägen des Regimes sowie Angriffen von Rebellen getötet worden. Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt hatte Syriens Opposition die ins Stocken geratenen Genfer Friedensgespräche mit Vertretern des Regimes verlassen.

Proteste in Aleppo gegen das Regime
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Nur einen Tag zuvor waren mindestens 28 Menschen bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden Syriens in der Stadt Sarmada nahe der Grenze zur Türkei getötet worden. Bei dem Luftangriff auf das Flüchtlingscamp kamen auch mindestens sieben Kinder ums Leben, wie Menschenrechtsbeobachter meldeten. Es wurde erwartet, dass die Opferzahl noch steigt.

Die Zeltstadt gebe es seit Wochen und sie sei aus der Luft klar erkennbar. Daher sei es äußerst unwahrscheinlich, "dass diese mörderischen Angriffe ein Unfall waren", sagte UN-Hochkommissar Seid. Seine Leute würden zusammen mit anderen Organisationen alles daran setzen, um herauszufinden, wer für dieses "besonders verabscheuungswürdige und kalkulierte Verbrechen gegen eine extrem ungeschützte Gruppe von Menschen" verantwortlich sei.

Auch die Bundesregierung reagierte entsetzt. "Die Attacken auf Flüchtlinge, auf schutzsuchende hilflose Menschen, verurteilen wir auf das Allerschärfste", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, in Berlin. "Wer so handelt, gefährdet alle Grundlagen für eine friedliche Lösung des Konflikts", sagte er in Anspielung auf die unterbrochenen Friedensgespräche in Genf. Das französische Außenministerium nannte den Angriff "ein Kriegsverbrechen oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Rund 15 Kilometer südwestlich von Aleppo lieferten sich islamistische Rebellen erbitterte Kämpfe um ein strategisch wichtiges Dorf an der Fernstraße nach Damaskus. Dabei wurden Oppositionsangaben zufolge 73 Menschen getötet. Den Aufständischen sei es gelungen, Chan Tuman wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Für Aleppo selbst gilt seit Donnerstag eine 48-stündige Feuerpause, die offenbar auch weiter eingehalten wurde. Anwohner berichteten von relativer Ruhe nach zuvor rund zehn Tagen mit heftigem Beschuss.

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