Syrien Russland erklärt Giftgas-Angriff zu einer Art Unfall

Bei einem Giftgasangriff in Syrien sind viele Zivilisten getötet worden. Aktivisten berichten von mindestens 58 Opfern. Die USA machen die syrische Regierung dafür verantwortlich. Russland präsentiert eine Erklärung.
Update: 05.04.2017 - 04:33 Uhr 16 Kommentare

Dramatisches Ausmaß nach mutmaßlichem Giftgasangriff

Dramatisches Ausmaß nach mutmaßlichem Giftgasangriff

Washington/BeirutDas russische Verteidigungsministerium hat erklärt, das Nervengas in der Stadt Chan Scheichun sei bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe auf ein Giftgas-Lager der Rebellen ausgetreten. Zuvor war von einem mutmaßlichen Giftgasangriff die Rede. Die in der entsprechenden Fabrik hergestellten Chemiewaffen seien im Irak eingesetzt worden, teilte ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am frühen Mittwoch mit. Rebellen hätten den gleichen Typ chemischer Waffen bereits vorher in Aleppo genutzt, sagte er.

Die USA hatten zuvor die syrische Regierung verantwortlich gemacht und Russland und den Iran nach dem schweren Giftgasangriff in Syrien in scharfer Form aufgerufen, ihren Einfluss auf Präsident Baschar al-Assad geltend zu machen. „Es ist klar, wie Assad operiert: mit brutaler, unverfrorener Barbarei“, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson am Dienstag in Washington in einer Mitteilung. Die Unterstützer Assads sollten sich keinerlei Illusionen über ihn oder seine Absichten hingeben.

Jeder, der chemische Waffen einsetze, um seine eigenen Leute anzugreifen, zeige eine fundamentale Verachtung für menschlichen Anstand und müsse zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte Tillerson. „Wir rufen Russland und Iran auf, ihren Einfluss auf das syrische Regime auszuüben und auszuschließen, dass sich eine solch schreckliche Attacke wiederholt“, schrieb er. Die USA waren erst vor wenigen Tagen von ihrer bisherigen Linie abgerückt und hatten erklärt, die Syrer seien selbst für ihre Zukunft und die Assads verantwortlich. Die jüngste Äußerung Tillersons ist eine neuerliche Wende.

Zu den Opferzahlen bei einem der schwersten Angriffe mit Giftgas im syrischen Bürgerkrieg gibt es unterschiedliche Angaben. Aktivisten zufolge sind mindestens 58 Menschen getötet worden, darunter 19 Kinder und elf Frauen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Dienstag aus der von Rebellen kontrollierten Stadt Chan Scheichun im Nordwesten des Landes zudem Dutzende Verletzte. Die Rettungshelfer der Organisation Weißhelme berichteten sogar von 240 Verletzten. Die Hilfsorganisation Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) sprach von 100 Toten und 400 Verletzten. Mehrere Stellen machten die Assad-Regierung verantwortlich.

Die syrische Armee wies die Vorwürfe zurück. Sie habe in Chan Scheichun keine chemischen Stoffe eingesetzt und werde dies auch in Zukunft an keinem Ort tun. Der Angriff löste in vielen Staaten Empörung aus.

Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) zeigte sich zutiefst besorgt. Experten der OPCW sammelten und analysierten zur Zeit alle verfügbaren Informationen, teilte die Organisation in Den Haag mit.

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16 Kommentare zu "Syrien: Russland erklärt Giftgas-Angriff zu einer Art Unfall"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was wuerde Assad durch einen Giftgasangriff gewinnen, wenn er ueberhaupt noch
    Giftgas haette? Diese Publicity kann er ueberhaupt nicht gebrauchen! Die "Rebellen"
    werden plattgemacht, und Assad muss wieder akzeptabel werden. Mit Giftgas ist
    das nicht zu machen. Wer etwas anderes glaubt oder verbreitet, ist nicht guten Glaubens!

  • Russland erklärt Giftgas-Angriff zu einer Art Unfall.

    Handelt es sich hier um einen Artikel oder einen Kommentar, der dann so gekennzeichnet werden sollte?
    Die beiden Worte "einer Art" im Titel bringen zum Ausdruck, dass der der Artikelschreiber diese Aussage bezweifelt. Meinungen sollten nur in Kommentaren geäußert werden! Tendenziöse Berichterstattung ist unseriös.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ja da ist das Gas wieder, immer wieder taucht es auf, nicht einmal die USA glauben was so in der Zeitung steht.

    US-Präsident Trump hält nach Berichten über einen Giftgas-Angriff in Syrien an seinem Kurs fest: Es sei in der aktuellen Lage nicht mehr möglich, den syrischen Präsidenten Assad zu stürzen. Die Faktenlage über den Giftgas-Angriff ist dünn.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Nochmal...wenn man einen Giftgas Krieg führt, dann geht man nicht so dilettantisch vor. Wer Giftgas einsetzt um Krieg zu führen, der will sehr viele Menschen...hunderte und tausende auf einmal umbringen...und mit Menschen meine ich Soldaten...
    Diese Opfer wurden entweder Opfer ihrer eigenen Unbedarftheit oder Opfer von Terroristen, die diesen Vorfall Assad in die Schuhe schieben wollen damit das "Böse Buben" Spiel in Syrien und damit der Krieg weiter gekocht werden kann inkl. der ganzen Flüchtlingsthematik...der illegalen Einwanderung (Völkerwanderung) Richtung Europa und hier vor allen nach Deutschland.

  • Im Syrienkrieg wurde bekanntlich vom ehemaligen US-Präsidenten Mr. Obama eine ROTE LINIE gezogen, die dann überschritten sein sollte, wenn die syrische Regierungsarmee Giftgas einsetzt.
    Danach kam ein Giftgasangriff der keiner Kriegspartei eindeutig zugewiesen werden konnte und das Eingreifen der USA im Syrienkrieg konnte nur abgewendet werden durch die zwischen den USA und Russland vereinbarte Vernichtung der syrischen Chemiewaffen. Jetzt sind die kämpfenden Assad-Gegner erneut unter Druck und das Szenario wiederholt sich ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo zuvor die EU-Außenminister den Abgang von Assad forderten und Mr. Trump ist nach dem Giftgas-Desaster nun auch auf Linie und fordert – nach moderateren Tönen zuvor – einen Abgang Assads.
    Fragen : Wie konnte die syrische Regierungsarmee einen Giftgasangriff durchführen, wenn selbige zuvor mit hohem Kostenaufwand vollständig vernichtet wurden ?
    Verfügen die Assad-Gegner über Chemiewaffen und können sie damit einen Giftgasangriff durchführen ?
    Welche Polit-Verbrecher nutzen erneut schamlos das Elend der betroffenen Zivilisten + den entsprechenden Bildern in den Medien für ihre Polit-Spielchen ?
    Diese Fragen warten auf Antworten !!

  • Die Putin- und Assad-Versteher glauben ernsthaft, dass nach einem "Kriegsende" alle Flüchtlinge heimkehren könnten und alles gut wird. Ganz im Gegenteil. Es wird neue Flüchtlingswellen geben. Dann wegen politischer Verfolgung. Es wird eine zweite Türkei geben. Assad wird jeden, der ihm gefährlich werden könnte beseitigen. Wir, Europa und Deutschland, werden weiterhin die Folgen des Machtgeplänkels zwischen den sogenannten Großmächten zu tragen haben. Das sollte allen klar sein, die Putin und Co. bejubeln und im gleichen Atemzug Front gegen Flüchtlinge und Asylbewerber machen.

  • "Hauptverantwortung für den Schutz seines Volkes" - das hat nicht nur eine frei gewählte Regierung, sondern auch solche sogenannten "Rebellen", die gegen eine frei gewählte Regierung einen Bürgerkrieg begannen.

    Zur Erinnerung: die Opposition in Syrien hat ihre Anhänger aufgefordert, die Wahl 2016 zu boykottieren. Zusätzlich wurde berichtet, dass diese Opposition die Wahl auch mit paramilitärischen Aktionen behinderte. Bei dieser Wahl wurde die Regierungspartei mit über 80% und nur 58% Wahlbeteiligung gewählt.

    Wäre so etwas in Deutschland passiert, wären diese sogenannten "Rebellen" zu Recht als Terroristen bekämpft worden. Nur in Syrien will man so etwas nicht erlauben!

  • @Hoffmann
    Ich sprach von "sollte". Das ist der Konjunktiv, falls Sie in der Schule aufgepasst haben, geehrter Herr Hoffmann.
    Und unabhängig davon lesen sich Ihre Kommentare so, als ob Assad mit 100%tiger Sicherheit und zu keinem Zeitpunkt Kriegsverbrechen an seiner Bevölkerung verübt hätte. Und wenn Sie das mit dieser Bestimmtheit leugnen können, dann frage ich mich, woher Sie diese gesicherten Erkenntnisse haben wollen und wenn Sie es einfach nur so behaupten, sind Sie eine äußerst armselige Figur, die wirklich keinerlei Beachtung verdient.

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