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Syrien Syrische Truppen rücken in Ost-Ghuta vor

Es ist der größte Bodengewinn für die syrischen Truppen seit Beginn der Offensive auf Ost-Ghuta. Die Vereinten Nationen bereiten Hilfslieferungen vor.
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Die Enklave vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Aufständischen. Es wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Quelle: dpa
Ost-Ghuta

Die Enklave vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Aufständischen. Es wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert.

(Foto: dpa)

Beirut/Genf Die syrische Armee ist nach eigenen Angaben am Wochenende in der Rebellenenklave Ost-Ghuta weiter vorgerückt und treibt einen Keil in das belagerte Gebiet. Ein Kommandeur sagte am Sonntag, die Truppen müssten nur noch wenige Kilometer vorankommen, um das Rebellengebiet in zwei Teile zu spalten. Beobachtern zufolge haben die Truppen rund ein Viertel der Region eingenommen. Tausende Menschen waren auf der Flucht vor den Soldaten von Präsident Baschar al-Assad. Sie versuchten, im Zentrum von Ost-Ghuta Unterschlupf zu finden. In den vergangenen Wochen wurden bei der von Russland und dem Iran unterstützten Offensive nach UN-Angaben Hunderte Menschen getötet. „Diese Kollektivstrafe für die Zivilbevölkerung ist schlicht nicht hinnehmbar“, erklärte der UN-Koordinator für Hilfe in der Region, Panos Moumtzis.

Der loyal zu Assad stehende Kommandeur sagte, Zivilisten seien auf der Flucht in die Stadt Duma in Ost-Ghuta. Es seien noch gut drei Kilometer Vormarsch nötig, dann sei die Region geteilt. Die Einnahme Ost-Ghutas wäre ein wichtiger Sieg für Assad in dem seit rund sieben Jahren dauernden Bürgerkrieg. Seine Armee teilte mit, sie habe Kontrolle über mehrere Ortschaften in Ost-Ghuta erlangt. Mehrere Kommandozentralen, Tunnel und Befestigungsanlagen der Rebellen seien zerstört.

Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman, sagte, die Regierungstruppen hätten meist dünn besiedeltes Agrargebiet und einige Städte unter ihre Kontrolle gebracht. Ein Sprecher der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam sagte, wegen der „Politik der verbrannten Erde“ der Regierung hätten sich die Kämpfer zurückziehen und neu formieren müssen. Nun hätten sie ihre neuen Stellungen befestigt und würden aus ihnen heraus die Soldaten angreifen und letztlich aus Ost-Ghuta wieder vertreiben.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad will die Offensive seines Militärs weiter vorantreiben. Es werde aber auch weiterhin die mit Russland vereinbarte tägliche Feuerpause von fünf Stunden geben, damit Zivilisten aus dem belagerten Gebiet außerhalb von Damaskus fliehen könnten, sagte Assad am Sonntag einer kleinen Gruppe von Journalisten in Damaskus. „Es gibt keinen Widerspruch zwischen der Waffenruhe und der Militäroperation.“

Berichte, denen zufolge sein Militär Giftgas eingesetzt habe, wies Assad zurück. Diese Anschuldigungen gehörten zum „Wörterbuch der Lügen“ westlicher Staaten, sagte er.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Aufständischen. Es wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Rund 400.000 Menschen sind dort eingeschlossen. Russland hatte kürzlich eine Feuerpause von fünf Stunden täglich erklärt, um Menschen aus Ost-Ghuta heraus- und Hilfslieferungen hineinzubringen. Doch diese Kampfpause ist brüchig.

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 300 bis 400 Familien, die seit Samstag auf der Flucht seien. Das entspreche mehreren Tausend Personen. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, das russische Militär habe erklärt, die Rebellen hätten eine Ausgangssperre über die von ihnen kontrollierten Gebiete verhängt, um Zivilisten an der Flucht zu hindern. Die Rebellen haben dies wiederholt zurückgewiesen.

Nach UN-Angaben wurden seit Mitte Februar fast 600 Menschen in der Enklave getötet. Mehr als 2.000 seien verletzt worden. Statt der dringend nötigen Atempause werde noch mehr gekämpft, erklärte UN-Koordinator Moumtzis. Es gebe noch mehr Berichte über Hunger und Bomben auf Krankenhäuser. Auch bei Granatangriffen der Rebellen auf Damaskus seien Dutzende Zivilisten getötet und verletzt worden.

Die Armee hatte im Februar begonnen, Ost-Ghuta massiv zu bombardieren. Zudem griffen die Bodentruppen an. Die britische Premierministerin Theresa May war sich ihrem Büro zufolge in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump einig, dass Russland seinen Einfluss auf Syrien geltend machen müsse, um die Offensive zu beenden. Frankreich rief den Iran auf, die Assad-Führung zu einem Ende der Angriffe zu bewegen und Hilfe durchzulassen.

Die UN erklärten, ein für Sonntag geplanter Hilfskonvoi könne nicht fahren, stehe aber bereit, die Güter sofort auf den Weg zu bringen, sobald dies möglich sei. Rund 40 Lastwagen sollen Lebensmittel und Medikamente nach Duma schaffen. Nur ein kleiner Konvoi mit Gütern für 7.200 Menschen hatte Mitte Februar sein Ziel erreicht. Es war in diesem Jahr bislang der einzige.

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