Syrien Tote bei Abschuss von russischem Militärhubschrauber

Der Kampf um Aleppo ist voll entbrannt: Rebellen rücken gegen die Kämpfer des Regimes vor. Ein russischer Militärhubschraubers wurde auf seinem Rückflug in die Luftwaffenbasis abgeschossen. Alle Insassen kamen ums Leben.

Humanitärerer Fluchtkorridor: Erste Zivilisten sollen belagertes Aleppo verlassen

MoskauBeim Abschuss eines russischer Militärhubschraubers über Syrien sind alle fünf Soldaten an Bord getötet worden. Die Transportmaschine vom Typ Mi-8 wurde nach Militärangaben am Montag in der nordsyrischen Provinz Idlib vom Boden aus getroffen und stürzte ab. Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, waren drei Mann Besatzung und zwei andere russische Offiziere an Bord. „Sie sind heldenhaft gestorben, weil sie noch versuchten, die Maschine so zu lenken, dass es am Boden keine Opfer gibt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Für die russischen Streitkräfte bedeuten die fünf Toten nach offizieller Zählung den höchsten Tagesverlust seit Beginn des Syrien-Einsatzes im September 2015. Die Soldaten hatten den Angaben nach Hilfsgüter in die belagerte Stadt Aleppo gebracht und waren auf dem Rückflug in die Luftwaffenbasis Hamaimim. Die beiden Offiziere arbeiteten in dem Stab, der lokale Waffenruhen vermittelt und überwacht sowie humanitäre Hilfe leistet.

Seit Beginn des Militäreinsatzes in Syrien im September hat die russische Luftwaffe mehrere Hubschrauber verloren und einen Kampfjet Suchoi Su-24, der von der türkischen Luftwaffe abgeschossen wurde. Zuletzt war Anfang Juli ein angeblich syrischer Kampfhubschrauber abgeschossen worden, in dem auch zwei russische Ausbilder saßen.

Blutige Kämpfe um Aleppo
Untergangsstimmung in Aleppo
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Russische Luftangriffe auf die syrische Metropole Aleppo haben nach Angaben von Aktivisten eine Offensive der Rebellen deutlich geschwächt. Die ganze Nacht über hätten die „intensiven russischen Angriffe“ auf den Südwesten von Aleppo angehalten, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Das habe die „Gegenoffensive verlangsamt“ und den Regierungstruppen die Rückeroberung von fünf Stellungen ermöglicht, die die Rebellen seit Sonntag unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

Katastrophal
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Die in Syrien breit vernetzte Beobachtungsstelle erklärte zudem, seit dem Beginn der neuerlichen Offensive am Sonntag seien 50 Rebellen und mit ihnen verbündete Dschihadisten sowie dutzende Regierungssoldaten getötet worden. Außerdem starben zahlreiche Zivilisten durch den erneuten Rebellenangriff. Die Beobachtungsstelle teilte weiter mit, dass sich unter den 30 Toten auch elf Kinder und sieben Frauen befänden. Die syrischen Regierungstruppen haben die von Rebellen kontrollierten Viertel Aleppos seit Mitte Juli komplett umzingelt. Rund 30.000 Menschen sollen eingeschlossen sein.

Hält die Blockade des syrischen Regimes?
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Bis zum frühen Morgengrauen hätten Rebellengruppen den Südwesten der Metropole heftig unter Beschuss genommen. Wer die Granaten abgeschossen hatte, war zunächst unklar. Die Stadtviertel gelten jedoch als das Hauptziel einer Offensive verschiedener Rebellengruppen. Ziel ist es die Blockade durch das syrische Regime zu brechen. Die Offensive wird von radikalislamistischen Milizen angeführt, die auf die belagerten Stadtviertel vorrücken.

Zivilisten bringen sich in Sicherheit
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Auf der Flucht vor Kämpfen in Aleppo haben sich nach russischer Darstellung mehr als 320 Zivilisten über sogenannte humanitäre Korridore in Sicherheit gebracht, sagte der russische Generalleutnant Sergej Rudskoj. Inzwischen seien in der Stadt sieben solcher Korridore für humanitäre Hilfe eingerichtet worden. Der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura sagte, die Lage in Aleppo sei extrem ernst. Die Versorgung der Menschen reiche nur noch zwei bis drei Wochen.

Auf der Flucht
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Weiterhin haben sich laut dem russischen Generalleutnant Sergej Rudskoj 82 Kämpfer ergeben. Sie erwarten nun einen Straferlass durch die syrische Regierung. Rudskoj führte zudem an, die syrische Armee hab mit russischer Unterstützung einen Angriff von 5.000 Kämpfern abgewehrt. Dabei seien rund 800 Extremisten getötet worden. Für die Zahlen lag zunächst keine Bestätigung vor.

Völlige Zerstörung
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Russland hatte am vergangenen Donnerstag die Einrichtung von Fluchtkorridoren aus Aleppo verkündet. Die Routen sollten den eingeschlossenen Zivilisten sowie den Rebellen, die ihre Waffen niederlegen wollten, einen Weg aus der belagerten Großstadt ermöglichen, erklärte Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Russland habe die syrische Regierung dazu gedrängt, diese zu begnadigen, sofern sie keine ernsten Verbrechen begangen hätten. In der Region ist unter anderem der Al-Kaida-Ableger Nusra Front aktiv.

Uno nicht informiert
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De Mistura sagte damals, die Vereinten Nationen seien über die geplanten Korridore nicht informiert worden. Es sei daher zu früh, um eine Einschätzung abzugeben. Er rief Russland und die USA zur Zusammenarbeit auf, um die Kämpfe zu verringern. Die beiden Großmächte unterstützen unterschiedliche Konfliktparteien in Syrien. Beide beteiligen sich aber auch an der Bekämpfung besonders radikaler Gruppen wie der IS-Miliz oder der Nusra Front.

Unterdessen haben syrische Rebellen am Montag südwestlich von Aleppo ihre Offensive fortgesetzt, mit der sie zu ihren eingeschlossenen Kämpfern im Osten der Stadt durchbrechen wollen. Nach Einschätzung der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte handelt es sich um die heftigste Rebellen-Offensive seit Monaten. Getragen wird sie offenbar von zwei islamistischen Gruppen: der Daschabhat Fatah al-Scham, die bis vor kurzem noch unter den Namen Nusra-Front agierte, sowie der Ahrar al-Scham. Sie haben nach eigener Darstellung in den ersten Stunden nach Beginn der Offensive am Sonntagabend mehrere Stellungen der Armee erobert.

Die Regierung bestätigte in den staatlichen Medien die Angriffe. Diese seien aber zurückgeschlagen worden. Südlich von Aleppo wurde ein russischer Hubschrauber abgeschossen. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, das Schicksal der fünf Insassen sei unbekannt. Der Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 soll Hilfsgüter nach Aleppo gebracht haben und sei auf dem Rückweg zu seinem Stützpunkt gewesen.

Der von den Rebellen kontrollierte Ostteil von Aleppo ist nach den jüngsten Geländegewinnen der Regierungstruppen vollständig eingeschlossen. Die aktuelle Rebellenoffensive zielt offenkundig darauf ab, diese Einkesselung an der dünnsten Stelle im Süden von außen zu durchbrechen und die Versorgung der eingeschlossenen Kämpfer und Zivilisten sicherzustellen.

Aleppo war vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges die größte Stadt Syriens. Sie ist seit 2012 umkämpft. In den eingekesselten Rebellengebieten der Stadt sollen noch etwa 250.000 Zivilisten leben, derzeit faktisch in einem Belagerungszustand. Die syrische Regierung wirft den Rebellen vor, sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Zusammen mit Russland erklärte die Regierung von Präsident Baschar al-Assad, sie würde in einer humanitären Aktion sichere Korridore schaffen, damit die Zivilisten die Stadt verlassen könnten.

Die Vereinten Nationen (Uno) begrüßten dies zwar prinzipiell, forderten jedoch, dass solche Korridore und die Hilfe für die eingeschlossenen Menschen unter der Ägide der Uno stehen müssten. Für Assad wäre die Rückeroberung Aleppos der größte Sieg in dem seit fünf Jahren anhaltenden Krieg. Sie würde zudem eine grundlegende Wende zugunsten Assads bedeuten, dessen Truppen seit dem Eintritt Russlands in den Krieg allmählich die Oberhand gewinnen.

  • dpa
  • rtr
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