Syriza greift Tsipras an „Ein Grabstein für Griechenland“

In Brüssel macht Tsipras’ Angebot Hoffnung, in Athen versetzt es die politische Linke in Wallung. In seiner Syriza-Partei gibt es Widerstand gegen die Reformpläne. Scheitert Tsipras ausgerechnet an den eigenen Leuten?
Update: 23.06.2015 - 15:27 Uhr 39 Kommentare

Frankreichs Dessous-Schneider unter Druck

AthenIm Wahlkampf hat Alexis Tsipras gegen den Sparkurs der Gläubiger getönt – als Regierungschef muss er nun schmerzhafte Zugeständnisse machen. In Brüssel sind die Geldgeber von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und der EU erleichtert, dass Tsipras seine Blockadehaltung lockert. Eine Einigung scheint erreichbar. Doch in Athen bringt Tsipras mit dieser Politik die eigenen Leute gegen sich auf.

So keimt die Hoffnung auf einen Durchbruch in der hellenischen Schuldentragödie womöglich zu früh auf. In der linkpopulistischen Syriza-Partei formiert sich Widerstand gegen die neuen Reformpläne. Der linke Flügel hatte schon früher gefordert, alle Rückzahlungen an die Geldgeber einzustellen – und notfalls auch Neuwahlen in Kauf zu nehmen. „Wenn die Reformen vor allem aus Sparmaßnamen bestehen, die das tägliche Leben der Menschen in diesem Land weiter negativ beeinflussen, dann wird es erhebliche politische Probleme geben“, klagte am Dienstag der linke Syriza-Abgeordnete Costas Lapavitsas.

Aber nicht nur die extreme Linke des kommunistischen Flügels von Syriza, auch Abgeordnete gemäßigterer Gruppen innerhalb der Regierungspartei üben teils harsche Kritik. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass diese Maßnahmen nicht akzeptiert werden können – sie sind extrem und unsozial“, erklärte etwa Alexis Mitropoulos, stellvertretender Parlamentspräsident und Syriza-Abgeordneter. „Es wird schwierig werden, dieses Programm durch die einzelnen Parteiflügel der Syriza zu bringen“, sagte der Parlamentarier stellvertretend für den sozialdemokratischen Teil der Partei.

Sobald das Reformprogramm abgeschlossen sei, werde man zusammenkommen um sich auf eine gemeinsame Haltung festzulegen. So wie das Programm aber derzeit vorliege, könne es am Ende nicht vor das griechische Parlament kommen, ergänzte Mitropoulos.

Deutlicher wurde einer seiner Parteifreunde: „Eine Vereinbarung auf Basis der neuen Vorschläge der Regierung wäre ein Grabstein für Griechenland“, sagte Jannis Michelojannakis gegenüber dem TV-Sender Channel 9. Daher würden die Reformpläne nicht die Organe der Syriza passieren, prophezeite der Abgeordnete.

Solch eine Vereinbarung würde seiner Überzeugung nach in ein Sparprogramm münden, das noch schlimmer wäre als die vorhergegangenen. Zudem würde es die soziale Verelendung vergrößern, die Syriza zu beenden versprochen habe.

„Mehr Selbstmorde“
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39 Kommentare zu "Syriza greift Tsipras an: „Ein Grabstein für Griechenland“"

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  • Valide Meinung aber sehr geschmacklos von Ihnen diese Zeitspanne zu nennen. Ich sag ja auch nicht "1939-1945 lassen grüßen".

  • Können sie das Griechenbildchen auf dem Grabstein nicht gegen eines für der EU tauschen, es wäre erbaulicher am Morgen und hätte Zukunft.

  • Sehr interessante Ansicht, höre ich nicht zum ersten Mal.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ...Schlimmer noch: die Herren der EZB haften in keiner Weise für ihr Handeln und sind vor Strafverfolgung geschützt. Das hat mit Rechtsstaatlichkeit aber nicht das Mindeste zu tun!

  • Draghi bräuchte nur mit dem Daumen nach unten zeigen und schon wäre jegliche politische Diskussion um Griechenland beendet! Ist das demokratisch? Auch die täglich neu gewährten ELA-Kredite werden zunehmend ein Problem. Obwohl die EZB aufgrund des Rechts, beliebig Geld drucken zu können und deshalb keine Unterkapitalisierung zu fürchten braucht, ist es eine Schande, wie Draghi die Stabilität des Euro regelrecht gefährdet und das noch quasi mit Zustimmung des BVerfG und des EuGH, die mit einer beispiellosen Ahnungslosigkeit agieren. Selbst die Politik scheint der Machtfülle der EZB nichts entgegen setzen zu wollen. Ich bin zutiefst erschüttert, was hier abläuft!

  • @ JP Keller
    „Deutschland würde zur D-Mark zurück kehren. Und mit dieser ständig aufwertenden DM würden die Exporte dramatisch wegbrechen. 4-5-6m Arbeitslose in Deutschland. Nur Panik? Ich hoffe es.“

    In den nächsten 10 Jahren gehen in Europa ca. 50 Millionen Menschen in den Ruhestand.
    Nachfolgend stehen aber nur 20 Millionen arbeitsfähige junge Menschen bereit, um die Lücke zu füllen. Sie sehen also, dass es überhaupt kein Problem wäre, wenn die Wirtschaft endlich erkennen würde, dass sie jetzt handeln muss, um die entstehenden Unterbesetzungen der Belegschaften rechtzeitig aufzufüllen. 30 Millionen Jobs werden zukünftig in Euroland neu besetzt werden müssen.

  • In Griechenland war ich leider noch nie, aber Griechen und ihr Olivenöl und viele andere bekannte Spezialitäten sind phantatisch. Eines Tages werde ich es kennenlernen.
    Vor allen aber die Mentalität der Menschen in diesem warmen, herrlichen und von Kultur strotzendem Land.
    Sie LEBEN nämlich, was man von uns Deutschen ja erwiesenermaßen und zweifelsfrei nicht behaupten kann. Hier in D wird nur quantitativ konsumiert und verfressen, es zählt nur die Menge und dies möglichst billig, nicht die Qualität und der Preis entscheidet über den Genuss.
    Ich glaube auch deshalb sind so viele auf die Griechen schlecht zu sprechen, weil sie dass spiegeln, was uns Deutschen fehlt, die Kunst zu leben und leben zu lassen.


  • Wolfgang Bosbach formulierte es sinngemäss so: "Was wir Griechenland durchlassen, werden wir anderen Schuldnerstaaten im EURO-Land nicht vorenthalten können."

    Und so mögen Tsipras und Seine Syriza-Revolutionäre weiter an einem Deal arbeiten, der vielen Griechen ein einfaches Leben auf Kosten anderer weiterhin ermöglicht. Tsipras kämpft für Griechenland. Soweit OK. Aber wofür setzen sich die EU-Granden in Brüssel, Paris und Berlin ein? Aufgrund Ihres Mandats wären sie verpflichtet sich für Europa, unsere Einheitswährung oder aber Deutschland einzusetzen. Auch Frau Merkel ist - rein theoretisch - verpflichtet Schaden von Deutschland abzuwenden. Und...? Wovon sprechen Juncker und Merkel den ganzen Tag lang? Von den Risiken und drohendem Schaden für die EU oder für Deutschland? FALSCH! Sie sprechen selber seit Wochen und Monaten über die Rettung Griechenlands und dessen Erhalt im EURO. Man setzt sich für Griechenland ein (auch wenn man dafür seit Jahren von den Griechen vor allem Häme und Spot erntet).
    Ist es so, dass die EU und Deutschland bei dieser Krise (immerhin ein offen klaffendes Leck in unserem Stabilitätspakt) keinen Schaden nehmen kann? Ist es so? Nun, ich denke, dass dieses Risiko gegeben ist: Wenn dieser für alle durschaubare faule Kompromiss durchgeht, dann müssen wir in EURO, EU und Deutschland innert weniger Monate massive Rückschläge befürchten. Dieser Kniefall vor den Betrügern und Kommunisten in Hellas wird evtl. als Fanal in die Geschichte eingehen, als Steilvorlage für alle anderen Schuldnerländer, die endlich vom steinigen Weg der Reformen abkehren wollen. Spanien wählt im November. Podemos steht in den Startlöchern und wird bei einem Wahlsieg das System Syriza kopieren wollen. Das wäre aber für den EURO zu gross... die Währung würde gesprengt. Die EU zerfällt. Deutschland würde zur D-Mark zurück kehren. Und mit dieser ständig aufwertenden DM würden die Exporte dramatisch wegbrechen. 4-5-6m Arbeitslose in Deutschland. Nur Panik? Ich hoffe es.

  • @Wolfgang Bürger
    Nicht menschlicher Wahnsinn hat Deutschland und dem Europäischen Volk Kriege, Hunger und Armut beschert, sondern der POLITISCHE WAHNSINN alles unter der jeweiligen Ideologie GLEICH MACHEN zu wollen...und bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt....die Politik des Diktats und der freien Markt- und offenen Gesellschaftsberaubung.

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